„Es reicht!“, diesen Satz hat jeder von uns schon einmal gesagt. In dieser Kommentarreihe schreibt David Kloß, was ihn als Mann aufregt, was ihn stört und wo das Maß einfach voll ist. Es geht dabei ans Eingemachte und wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es sich um einen Kommentar handelt und nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion widerspiegelt. Und los geht’s:

Also mir reicht’s! Ich habe ja für vieles Verständnis, aber jetzt langt es mir endgültig! Wovon ich rede? Die Lokführer streiken wieder und legen ganz Deutschland für unfassbare 100 Stunden lahm. Dabei sah es gar nicht so schlecht aus. Laut Presseberichten lag ein unterschriftsbereiter Tarifvertrag bereits vor. Aber Pustekuchen! Der Deal platzte kurz vor Abschluss und man kam sich als Bürger vor, als sähe man erstmals „2 Girls - 1 Cup“. Am Anfang ist man noch guter Dinge, freut sich auf das, was da kommt und dann … ist das Entsetzen groß. Und man fragt sich: „Was zum Teufel ist bloß mit den Leuten los!?“

Wenn ich mich recht erinnere, hieß doch der Saturn-Kultwerbeslogan „Geiz ist geil!“ und nicht „Streik ist geil!“ Tja, und genau hier ist der Punkt, der aus der GDL den Steve Urkel unter den Gewerkschaften macht. Anfangs ja noch ganz nett und unterhaltsam, aber nach einer Zeit möchte man dieser kleinen Nervensäge einfach nur den Hals umdrehen …

Es geht der GDL einen Scheiß um Arbeitszeit und Co. Es geht nur noch um eines: Macht!
Man braucht sich nur einmal aktuelle Talkrunden oder TV-Interviews ansehen. Na, was sehen wir da? Richtig! Wir sehen fast nie Bilder von Lokführern, die zu Wort kommen, sondern stattdessen steht einer im Fokus – und ja, dieser Mann scheint das Blitzlichtgewitter zu lieben. Die Rede ist natürlich von GDL-Chef Claus „Ich habe die Macht!“ Weselsky. Kennt ihr noch die Schulkameraden von damals, die sich während der Klassenarbeiten immer wegdrehten, damit man auch ja nicht abschreiben konnte? Genau so eine Sympathiegranate ist der gute Claus!

Woran ich das festmache? Ach, da gibt es so viele Punkte. Es könnte diese Mischung aus Arroganz, Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit sein, mit der dieser Mann vor den Kameras immer wieder seine Statements abgibt. Es mag auch daran liegen, dass er in Interviews oder Gesprächsrunden auf keinerlei Argumente eingeht. Oder es ist ganz einfach die Tatsache, dass es ihm als Chef einer Lokführer(!)-Gewerkschaft nur darum geht, der dickste Fisch im Teich der Bahngewerkschaften zu sein. Es wirkt wie ein einziger Schwanzvergleich – und bei dem zieht die GDL jedes Mal am Maßband, wenn gerade keiner hinsieht. Es dreht sich schon lange nicht mehr um die GDL-Mitglieder und deren Forderungen. Es geht um die, die noch kein GDL-Mitglied sind, aber bei der Bahn arbeiten!

Die GDL will scheinbar die Gewerkschaft sein, die das absolute Sagen innerhalb der Branche hat. Denn SO kommt man nicht nur an Macht, sondern auch an neue Mitglieder. Seien wir ehrlich: Als Mitglied einer Gewerkschaft, die vermeintlich machen kann, was sie will … da hat man nun einmal die besten Karten.

Ihr übertreibt es, verdammt nochmal!
Und genau wegen diesem Mist reicht es mir! Es gibt das Streikrecht, ein Gut welches wir Deutsche schätzen und anerkennen. Das Streikrecht wurde einst eingeführt, damit der kleine Mann dem Großen zeigen kann, wo der Hammer hängt. Damit man als Gemeinschaft gegen Ungerechtigkeiten eintreten kann. Gegen Verschlechterungen des Arbeitsplatzes. Kurz gesagt geht es im Grunde darum: „Wir Malocher hier unten gegen euch Sesselpupser da oben!“

Das ist auch eine tolle Sache und wird oft genutzt. Natürlich gefallen Streiks nicht allen, aber man akzeptiert sie. Denkt doch mal zurück: Der öffentliche Dienst streikt? Schade, aber okay! Die Ärzte streiken? Störend, aber okay! Die Fluglotsen streiken? What the f*ck?! Naja, okay! Man könnte diese Liste ewig weiterführen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir Deutschen Streiks, die uns belasten, als nervig ansehen, aber den Grundgedanken dahinter akzeptieren und unterstützen. Und genau hier würde ich mir an Stelle der GDL langsam Sorgen machen. Denn aktuell ist es das erste Mal, dass ich erlebe, dass sich im Grunde eine ganze Bevölkerung gegen eine Gewerkschaft stellt und jedes Verständnis verloren hat! Mittlerweile sogar Politiker und der Deutsche Gewerkschaftsbund! Und das habt ihr euch selber zuzuschreiben!

Immer auf die Kleinen
Liebe GDL-Führung, habt ihr euch während der unzähligen Gespräche bei Gebäck und Erfrischungsgetränken mal überlegt, wen ihr mit diesen Streiks wirklich trefft? Es sind die kleinen Leute! Es sind die Männer, die jeden Tag weite Wege auf sich nehmen, in einer anderen Stadt arbeiten und das nur, weil sie versuchen, ihre Familie zu ernähren. Es sind die Menschen, die gar die ganze Woche weg sind und zumindest mal am Wochenende nach Hause fahren. In der Hoffnung, die Ehefrau nicht mit dem Postboten inflagranti zu erwischen und die Namen ihrer Kinder immer noch zu kennen. Und was mich am meisten ankotzt: Claus und Co. verhalten sich in den Medien so, als wäre diese nicht der Fall. Doch, das ist es!

Bei einem Arbeitsausstand sollte es doch darum gehen, dass man Stärke beweist, die andere Seite schwächt und zeigt, was möglich wäre. Dies könnte man genauso gut mit einem Streik machen, den man zwei Wochen vorher ankündigt. Ihr habt doch eh die meisten Lokführer, die meisten Bahnen würden stillstehen. Aber Leute hätten zumindest eine Chance, sich darauf entsprechend vorzubereiten! Aber genau das wollt ihr nicht, oder? Ihr sitzt wahrscheinlich grinsend mit dem Taschentuch in der einen Hand auf dem Sessel und seht euch an, wie die Leute sich aufregen. Aber der Schuss kann ganz schnell nach hinten losgehen, Freunde!

Was mich einfach ankotzt ist die Tatsache, dass ein so bedeutsames Recht wie das Streikrecht hemmungslos für eigene Zwecke missbraucht wird. Verdammt nochmal, wenn ihr was kompensieren müsst, dann kauft euch einen dicken Wagen und jeder weiß Bescheid. Aber tragt diesen Machtkampf dort aus, wo er hingehört – und nicht auf den Schultern der Leute, auf eine Art und Weise, die man gut und gerne mit dem Wort „asozial“ beschreiben könnte. Tut nicht so, als sei alles ganz normal und die Menschen wären nur genervt, weil sie persönlich betroffen wären. Bullshit! Es gab genug Streiks und nie haben sich die Bürger so sehr aufgeregt wie jetzt. Die Leute haben einen dicken Hals, weil ihr ein großartiges Recht für euer Machtmonopoly missbraucht und nicht einmal die Eier habt, zumindest dazu zu stehen.

Bei mir jedenfalls habt ihr es das erste Mal geschafft, dass ich keinerlei Verständnis mehr für das Verhalten einer Gewerkschaft habe und sage: ES REICHT!

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