Zwei Menschen haben Geschlechtsverkehr und einigen sich darauf, Kondome zu benutzen. Doch mittendrin streift der Mann das Verhütungsmittel ab. Das nennt man „Stealthing“. Eine höchst umstrittene Praxis, die nun auch rechtliche Konsequenzen haben könnte, wenn dieser Fall Furore macht: Denn ein Berliner steht wegen genau diesem „Stealthing“ vor Gericht. Noch brisanter: Der Mann ist Polizist.

Es ist der deutschlandweit erste Fall von „Stealthing“, der es bis zu einem Urteil gebracht hat. Der Ordnungshüter aus Berlin ging nach Feierabend in seiner Freizeit auf die Jagd nach Partnerinnen für sexuelle Abenteuer. In der Nacht vom 17. zum 18. November 2017 traf er sich mit einer 26-Jährigen, mit der er einvernehmlichen Sex hatte. Auf ausdrücklichen Wunsch der Frau nur mit Kondom.

Doch mitten im Akt, so schildert die Anklage es, habe der Angeklagte das Gummi abgestreift und den Sex ohne Schutz fortgesetzt. Im vollen Bewusstsein, dass der auf diese Weise durch ihn „herbeigeführte ungeschützte Geschlechtsverkehr gegen ihren Willen erfolgte“, wie die Anklage betont. Nach dem Strafgesetzbuch (Paragraf 177 Abs. 1 und Abs. 6) handelt es sich dabei um ein strafbares Verbrechen. Die Staatsanwaltschaft erachtet die Tat als Vergewaltigung. Der Polizist plädierte hingegen auf Freispruch.

Präzedenzfall für die deutsche Justiz

Die Mindeststrafe für ein solches Vergehen beträgt zwei Jahre Haft – insofern Polizeibeamten zu mehr als einem Jahr verurteilt werden, sieht der Gesetzgeber vor, dass sie aus dem Dienst entlassen werden. Pensionslos. Doch der Angeklagte dementierte vehement: Ihm sei das Kondom lediglich während des Akts gerissen. Daher habe er es abgestreift und sich danach durch Handbetrieb einen Höhepunkt verschafft – „außerhalb“ der 26-Jährigen, wie er betont.

Wütend stürmte die junge Frau aus der Wohnung, schildert der Angeklagte – ihm sei klar gewesen, dass sein Tun „dummes Verhalten“ sei. Er bat sie per SMS um Verzeihung, wollte angeblich ein weiteres Date mit ihr. Das Gericht entschied auf „sexuellen Übergriff“ (Paragraf 177 Abs. 1 Strafgesetzbuch). Der Angeklagte wurde zu acht Monaten Haft verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Zudem muss er die Verfahrenskosten tragen und der Nebenklägerin dreitausend Euro zusätzlich bezahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Polizist könnte in Berufung gehen.

Quelle: bild.de