Eine mysteriöse Lungenkrankheit taucht vermehrt in den USA auf, die von medizinischen Experten mit dem „Dampfen“ von E-Zigaretten in Verbindung gebracht wird. Diese hat nun ein erstes Todesopfer im US-Bundesstaat Illinois gefordert. 193 weitere „potentielle Erkrankungsfälle“ in 22 US-Staaten wurden bislang allein zwischen dem 28. Juni und dem 20. August 2019 dokumentiert – und die meisten davon haben eines gemeinsam.

Fast immer stehen diese Krankheiten mit dem Dampfen von THC in Verbindung, dem bewusstseinsverändernden Bestandteil von Cannabis, wie die Experten bestätigen. Der an seinen Symptomen verstorbene Patient wurde „mit einer unerklärlichen Krankheit nach dem nachweislichen Dampfen oder Nutzen einer E-Zigarette eingeliefert“, wie Dr. Jennifer Layden, Chefärztin und staatliche Epidemiologin aus Illinois erklärt.

Robert Redfield, Direktor der US-Seuchenkontrollbehörde CDC, bestätigte:

„Wir sind traurig, vom ersten Tod im Zusammenhang mit dem Ausbruch einer schweren Lungenerkrankung bei denen zu hören, die E-Zigaretten oder Vaping-Geräte verwenden. Dieser tragische Tod in Illinois unterstreicht die ernsten Risiken, die mit E-Zigarettenprodukten verbunden sind.“ Ein konkreter Grund abseits von Indizien konnte für den Todesfall und die Erkrankung noch nicht ermittelt werden – lediglich beim Zusammenhang mit dem THC sind sich die Experten einig.

„In vielen Fällen gaben die Patienten die kürzliche Nutzung eines THC-haltigen Produkts an“, betont die CDC-Leiterin für nichtansteckende Krankheiten, Dr. Ileana Arias. Zu den Symptomen gehören Husten, Kurzatmigkeit und Müdigkeit sowie Erbrechen und Durchfall in vielen Fällen. Weder Viren noch Bakterien konnten bei den Erkrankten nachgewiesen werden. Doktor Arias: „Es ist unklar, ob diese Fälle einen gemeinsamen Auslöser haben oder ob es sich um verschiedene Krankheiten mit ähnlichen Symptomen handelt.“

Alleine im US-Bundesstaat Illinois gab es 22 Fälle, auch aus Minnesota und North Carolina sowie Kalifornien, Texas und New Mexico wurden solche Erkrankungen gemeldet.

Es wurden nun Laboruntersuchungen bestimmter Liquids angeordnet, um schädlichen Inhaltsstoffen auf die Schliche zu kommen. In den USA gibt es einen Schwarzmarkt für THC-haltige Dampf-Kartuschen, die dann auf normalem Wege über legale Marihuana-Verteilstätten verkauft werden.

Die Krankheit wirft auch Fragen zur gesundheitlichen Sicherheit von normalen E-Zigaretten ohne THC auf, noch immer gelten diese als umstritten, auch wenn sie von vielen Experten als sicherere und gesündere Alternative zum normalen Rauchen betrachtet werden. Der Präsident der amerikanischen Dampfervereinigung AVA, Gregory Conley, sagte in einer Mitteilung am Donnerstag, er sei „zuversichtlich“, dass die Krankheiten durch Cannabis oder synthetische Drogen ausgelöst würden, nicht durch das Dampfen von Nikotin.

Doktor Bryan King vom CDC-Büro für Rauchen und Gesundheit warnte davor, das Dampfen als absolut sicher zu bezeichnen: „Wir wissen, dass E Zigaretten keineswegs nur ein harmloses Aerosol erzeugen. Es gibt eine Vielzahl von schädlichen Inhaltsstoffen, darunter Dinge wie Mikropartikel, Schwermetalle wie Blei und krebserregende Chemikalien – sowie Diacetyl, ein Aroma, das verwendet wird, um einen 'butterigen' Geschmack zu verleihen, der mit schweren Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht wird.“

Quelle: bbc.com