Der wohl finsterste Job der Welt: Undercover-Polizist jagt Pädophile als „einer von ihnen“ – Über viele Jahrzehnte arbeitet Ian James als Polizist und hat einen der wohl härtesten Berufe, den man sich vorstellen kann: Denn die letzten 20 Jahre hat er pädophile Sexualstraftäter gejagt, indem er sich als verdeckter Ermittler als einer von ihnen ausgeben musste. Damit war er den härtesten und Abscheu erregendsten Anblicken und Situationen ausgesetzt, die dieser Beruf wohl hergeben kann.

Ende seiner 20-jährigen Karriere Undercover lieferte er etliche Pädophile der Gerichtsbarkeit aus und rettete mehr als nur einige Kinder, wie er im Podcast „Anything Goes With James English“ erläuterte. Dort war Ian James unter anderem eingeladen, weil er ein Buch über seine Arbeit verfasst hat: Das Vertrauen von Sexualstraftätern zu gewinnen, indem er sich als einer von ihnen ausgab. Der Name des Werks:

„Save One Child“

Sinngemäß übersetzt etwa: „Nur ein Kind retten“. Während der 20 Jahre in diesem Höllenberuf musste Ian James ein normales Leben führen, arbeitete mit seiner Frau daran, eine Familie zu gründen und eine normale Ehe zu führen. Als junger Polizist kam er mit 18 in England in den Dienst, reiste und arbeitete aber auch unter anderem in der US-Stadt Cleveland. Einen großen Teil seiner Tätigkeit als Verdeckter Ermittler erledigte er zu einer Zeit, als das Internet noch nicht im Vordergrund stand.

Ergo musste er sich persönlich in ihren eigenen Kreisen unter Sexualstraftäter und Pädophile mischen, Beziehungen aufbauen, damit die Täter ihm Vertrauen schenkten. So erklärte er im Podcast: „Die sind sehr vorsichtig, sie sind äußerst misstrauisch, denn sie halten dich nicht unbedingt für einen Polizeibeamten, sondern eher für einen Journalisten, der sie an den Pranger stellen will.“

Weiter führte James aus:

„Manchmal muss man sie manipulieren, um akzeptiert zu werden, und das ist so schwierig, weil man nur ein kleines Zeitfenster hat, um das zu verwirklichen. Wenn man es nicht schafft, wenn man keinen Erfolg hat, ist man theoretisch erledigt. Denn man kann nicht in seinen Arbeitsbereich zurückkehren.“ Der Polizist sprach auch darüber, wie schwer es für ihn war, das Erlebte von seiner Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen. Denn ein Großteil seiner Tätigkeit des Vertrauensaufbaus bestand darin, Bilder zu betrachten, die ihm die Pädophilen gaben.

Dies erforderte, dass der Undercover-Polizist sich mental von den Fotos und anderen Materialien abschirmen musste. Sich in der Situation angeekelt abzuwenden, falsch zu reagieren, hätte seine Tarnung sofort auffliegen lassen: „Hätte ich mit diesem Bild nicht umgehen können, hätte mich ein Straftäter identifizieren können – und ich hätte ein Kind in Gefahr gebracht.“ Bei seiner Tätigkeit stieß er auch immer wieder an seine Grenzen, geriet an gefährliche Täter.

Als noch gefährlicher beschreibt er aber eine Anekdote aus seinem Beruf:

Denn Ian James musste für eine der Missionen verdeckt ins Gefängnis. Um an einen Täter heranzukommen, musste er sich vor Inhaftierten andeutungsweise als Pädophiler ausgeben, Fragen stellen, um sich seinem Ziel zu nähern, einem bereits inhaftierten Sexualstraftäter. Doch das erforderte, vor Gewalttätern im Gefängnis anzudeuten, wohin die Neigungen seiner Tarnidentität gingen – im Knast lebensgefährlich:

„Du kannst dir vorstellen, wie kompliziert das ist: Ich komme in ein Gefängnis. Das Problem dort ist, dass sie keine Kinderschänder mögen, und ich soll ein Sympathisant sein, oder ich könnte einer sein. Außerdem treffe ich dort jemanden, der bereits verurteilt ist, also kannst du dir die mögliche Feindseligkeit vorstellen.“ Im Laufe seiner Karriere konnte Ian James durch seinen Mut mindestens 50 Kinder retten – und dies verlieh ihm den Antrieb, sich immer wieder in Gefahr zu begeben, um es erneut zu schaffen. Er nennt es im Podcast „eine Form von Obsession“.

Ian James betont nun, dass seine Aufgabe, vor Kindesmissbrauch zu warnen, im Internetzeitalter keineswegs abgeschlossen ist. Einer der Gründe, warum er das Buch geschrieben hat, wie James sagt – und er warnt: „Es ist ein Thema, das die Leute nicht lesen wollen, und ich möchte nicht verherrlichen, was ich getan habe, ich wollte, dass die Leute wirklich verstehen, wie kompliziert es ist, und wie hart es ist.

Es ist immer noch brandaktuell, auch wenn wir uns in diese Online-Welt begeben haben. Es gibt Raubtiere da draußen, es passiert also nicht nur online. [Aber] man muss online vorsichtig sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder missbraucht werden, ist heute größer als je zuvor, weil es so einfach ist.“

Den vollen Podcast mit Ian James Schilderungen findet ihr im Anschluss.