Vor gut 6.000 Jahren ...

... begab es sich in der Gegend um das heutige Irak, dass ein sumerischer Brotbäcker seine Aufgabe nicht allzu genau nahm. Warum er den Teig nun zu lange in der Sonne stehen ließ, ist nicht überliefert. Dass er dafür Anschiss von seiner Frau bekommen hat aber sehr wahrscheinlich.

"Es ist immer wieder das Gleiche mit dir. Kaum kommt ein Weib mit zu kurzer Toga um die Ecke, vergisst du deine Arbeit. Wie sollen wir das verkaufen? Das kann man doch nicht essen."

Entnervt von der ewig gleichen Leier, steckte der Mann sich kurzerhand etwas von der klebrigen, pappigen Masse in den Mund, kaute trotzig darauf herum und erwiderte entschlossen: "Kamm mam wohl!"

Was er natürlich nicht wusste, war, dass die Hefekulturen im Teig vor lauter Langeweile einen Gärungsprozess in Gang gesetzt hatten. Dass das Zeug somit eine berauschende Wirkung entfaltete, bemerkte er dagegen recht schnell und der Abend wurde dann doch noch recht lustig. Der Ursprung des Streites war zugleich zur Lösung geworden. Natürlich entwickelten die Sumerer die neuentdeckte Kunst des Brauens weiter, beschränkten sich bald auf das Trinken des Gerstensaftes und erhoben Bier in den Rang eines Getränkes für Götter und Könige.

Das änderte aber freilich nichts daran, dass sich das kühle Blonde weiter verbreitete. Unsere deutschen Vorfahren waren zum Beispiel schon 800 vor Christus gut dabei, was sich anhand gefundener Bieramphoren belegen lässt. Die Germanen überließen das Brauen übrigens den Frauen. Ein tief verwurzeltes Ideal, dem Männer auch heutzutage noch mit den Worten "Schatz, bringst du mir ein Bier mit?!" entsprechen.

Im frühen Mittelalter ...

... wurde das Zeug aber erst so richtig lecker, da die Mönche dieser Zeit im großen Stil und mit viel Experimentierfreude zu brauen begannen. Die armen Kerle litten nämlich sehr unter den angeordneten Fastenzeiten, und versuchten mit Bier die strengen Regeln zu umgehen. 'Was flüssig ist, bricht kein Fasten' hieß es, und wer will es ihnen verdenken?! Nix anständiges zu essen und nur Männer um einen herum, da kann man ja gleich zum Bund gehen. Und wer da nicht mit dem Trinken beginnt, hat wahrlich andere Sorgen. Jedenfalls entwickelte sich das Brauen zu einem lukrativen lokalen Geschäft, auf das irgendwann auch Kaufleute aufmerksam wurden.

Im Mittelalter wurde ebenso fleißig gehandelt, wie Krieg geführt. Ein regelrechter wirtschaftlicher Boom erfasste insbesondere die Städte des sogenannten Hansebundes, so dass Hamburg beispielsweise im 16. Jahrhundert in satten 600 Brauereien Bier produzierte. Der Norden war dem Süden seinerzeit voraus, nicht zuletzt weil unten recht freimütig gepanscht wurde. Auf den Ausschank schlechten Bieres verhängte Geldstrafen bekamen das Problem nicht in den Griff, und am 23. April 1516 platzte Herzog Wilhelm IV dann endgültig der Kragen. "Schluss mit der Plörre. Ab jetzt kommt mir nur noch Gerstenmalz, Hopfen und Wasser in den Humpen!" Zugegeben, wir haben es hier ein wenig vereinfacht dargestellt, was aber nichts an der grundsätzlichen Aussage ändert. Das Reinheitsgebot war geboren.

Im 19. Jahrhundert ...

... hagelte es förmlich technische Innovationen, von denen viele dem Bier zugute kamen. Als 1835 die erste Lok mit 35 km/h von Nürnberg nach Fürth kroch, transportierte sie bereits eine Ladung des flüssigen Goldes. Da natürlich keine Sau nach Fürth möchte, wuchs das Schienennetz rasant, und internationaler Handel wurde begünstigt. Zudem investierte eine Brauerei klugerweise in die Arbeit eines Herren namens Carl von Linde. Ein cleveres Köpfchen, welches 1873 dann auch eine Kältemaschine lieferte, die den Brauern nicht nur die Herstellung erleichterte, sondern auch das Problem der dauerhaften Lagerung löste. Chemiker wie Louis Pasteur und Christian Hansen gaben auch noch ihren Senf dazu, so dass es bald möglich war, Bier sowohl in großen Mengen, als auch in gleichbleibender Qualität herzustellen. Und das ist glücklicherweise bis heute so geblieben.

Heutzutage ...

... ist Bier nicht mehr aus dem Alltag der Deutschen wegzudenken. Wer das übertrieben findet, der halte sich vor Augen, dass in ca. 1.300 Brauereien um die 27.000 Angestellte ihr Geld verdienen, und jeder Deutsche pro Jahr durchschnittlich über 100 Liter trinkt. Und mal im Ernst, wie sähe denn eine Welt ohne flüssiges Brot aus? Auf Partys würde sich die Kommunikation der Männer auf einen knappen Grunzlaut zur Begrüßung beschränken, den Umzug in eine neue Wohnung müsste man alleine wuppen, da sich keine freiwilligen Helfer fänden, und in den Bars wären die Frauen nur noch halb so schön. Und all den Tofu-Grillern, die nun der Meinung sind, dass Bier keine Probleme löst, denen sagen wir, dass das Gleiche auch für Milch gilt. „Säufste, stirbste. Säufste nich, stirbste ooch. Also säufste!" Logisch, oder?!