Dass die Mode mittlerweile auch Männer anspricht, ist alles andere als ein Geheimnis. Allerdings nimmt die Entwicklung auch hier rasante Züge an. Was liegt im Trend? Hier gibt es nämlich so einiges, das schon seit langem oder auch erst seit kurzem tragbar ist, vorher aber bestenfalls als Fauxpas galt. 

Wer behauptet denn, dass Mode immer wieder Neues hervorbringt? Stimmt nicht, denn oftmals nehmen Designer auch einfach nur Styles, die seit einigen Jahren out sind, frischen sie auf und fertig ist der neue Trend. Was zuverlässig dafür sorgt, dass die Fashion-Industrie was zu tun hat, sorgt ganz nebenbei aber auch noch dafür, dass so manche Dinge in die Läden gespült werden, die vor so einiger Zeit noch für echte „guck mal, wie der da rumläuft“-Momente gesorgt hätten. Der folgende Artikel zeigt ein paar davon. 

1. Das T-Shirt

Beginnen soll die Liste mit einem Knaller, denn was heute für so manche Männer zwischen „M&O“ (März und Oktober) zur felsenfesten Grundlage ihrer gesamten Oberbekleidung gehört, sorgte vor noch nicht sooo langer Zeit für einen oder besser gesagt mehrere handfeste Skandale.

Es waren die 1950er. Und obwohl die Jugend Rock ´n´ Roll hörte, waren die westlichen Gesellschaften spießig wie nichts Gutes. 1951 kam Endstation Sehnsucht in die Kinos, auch heute noch einer der stilprägendsten Filme überhaupt. Und als hätte der damalige Mittzwanziger Marlon Brando dem Film nicht schon genug Sex-Appeal verliehen, lief der Mime in einer der Schlüsselszenen auch noch im nassen T-Shirt herum. Damals hatte das Kleidungsstück noch den festbetonierten Status des Unterhemds, das man niemals in der Öffentlichkeit zeigt und so sorgte die Szene für einen breiten Aufschrei der Moralwächter. Brando machte den Anfang, vier Jahre später tat es ihm James Dean in …denn sie wissen nicht, was sie tun gleich, da war der Aufschrei schon verhaltener. Und spätestens seit den 60ern ist das „T-Hemd“ keine Modesünde mehr, sondern alltäglich.

2. Latschen / Flip-Flops

Es gibt wohl kein einzelnes Kleidungsstück, das für so lange Zeit so sehr MODESÜNDE schrie, wie die Kombination aus Badelatschen und Socken. Ja, das Klischee, das in den 80ern und dem Aufkommen der namensgebenden Adilette entstand, war sogar so heftig, dass es stilübergreifend für sämtliche Mode-Fettnäpfchen stand, in die der deutsche Mann tappen konnte. Noch 2014 kippte die FAZ buchstäblich aus den Latschen, als sich auf Modenschauen Herrenmodels mit Adilette und weißen Socken zeigten. 

Und heute? Heute sind Badelatschen nicht nur tatsächlich im Mainstream angekommen, sondern werden auch von zahlreichen Labels abseits der typischen Sportartikelhersteller designt und angepriesen. Ja, selbst die hochgezogene blütenweiße Tennissocke wurde dazu tragbar. 

Ob man sie nun tatsächlich „mit“ trägt, ist zwar sicherlich nach wie vor ein streitbares Thema. Fakt ist jedoch, dass eine anständig designte Badelatsche an den meisten Männerfüßen (besonders jenseits der 40) besser aussieht, als dauerquietschende Flip-Flops, die irgendwie immer nach dem erfolglosen Versuch, wie ein Surfer-Boy auszusehen, anmuten und zudem mit dem Zehensteg einfach nur unbequem sind. 

Nicht ganz so schlecht war und ist der Ruf der Flip-Flops, die mittlerweile auch gerade im Sommer immer häufiger gesehen werden und entsprechend lässig wirken, wenn der restliche Dress darauf abgestimmt ist. Nebenbei kommt es auch den Füßen eher zugute, als luftundurchlässige Turnschuhe.

3. Die Kombination Kurzarmhemd & Krawatte

Dass Männer bei entsprechenden Temperaturen gefälligst mannhaft zu leiden haben, lässt sich in der Mode durch alle Jahrhunderte zurückverfolgen. Und selbst heute noch behaupten einige Angehörige des schöneren Geschlechts, dass es eine unheimliche Modesünde sei, ein kurzärmeliges Hemd mit Krawatte zu kombinieren. 

Das ist natürlich Unsinn, und um diese Modesünde zu widerlegen, muss man nur ähnlich weit zurückgehen wie bei den T-Shirts. Denn wenn überhaupt handelt es sich hier nur um eine europäische Modesünde. In den USA sieht man schon auf alten Fotos der 50er und 60er junge, dynamische Männer auf der Arbeit mit dieser Kombination herumrennen und trotz Schlips & Kurzarm Menschen in den Weltraum schießen. Und heute sieht es so aus, dass die kurzen Arme so lange kein Fauxpas sind, wie Mann sie mit einem schmalen Schlips kombiniert und nicht gerade den breitesten möglichen Krawattenknoten, den Hannoveraner, wählt.  

4. Die (zu) kurze Hose

Nackte Männerbeine waren schon immer ein Stein des Anstoßes und dabei handelt es sich um eine der vielleicht kontroversesten Modesünden überhaupt, weil es immer wieder Abweichungen gab. Fakt ist: In den vergangenen Jahrzehnten hatte sich so etwas wie ein gesellschaftlicher Konsens der kurzen Männerhosen gebildet. Die Designer schufen nur Modelle, die mindestens bis ans Knie reichten und die Kritiker hielten sich zurück. So schrieb die Süddeutsche noch 2014 „Grundsätzlich sollten Shorts im Bermuda-Stil getragen werden. Das bedeutet: Nicht zu kurz, der Hosensaum endet etwas über dem Knie“

Jetzt allerdings kommen wieder short Shorts in Mode. Kurze Hosen für Männer, die weeeit oberhalb der Knies enden. Und schon schreien manche wieder Zeder und Mordio. Dabei vergessen die Kritiker, dass es solche Hosen immer wieder gab:

  • Die urbayerische „Krachlederne“, die kurze Lederhose, ließ schon bei ihrem Aufkommen Ende des 19. Jahrhunderts die bajuwarischen Männerknie unbedeckt.
  • Sporthosen waren ebenfalls seit den 1950ern so kurz und in den 70ern und 80ern in der fast schon Hotpants-kurzen Variante ein gängiges Element der Männer-Sommermode

Und dass es in Form der UDT-Shorts auch im gestrengen Militärbereich ziemlich kurze Herrenhosen schon in den 60ern gab, sollte auch noch Erwähnung finden, obgleich diese Hosen es auch erst kürzlich in die Zivilmode schafften. Eine Regel sollte man als Träger allerdings beherzigen: Selbst die kürzeste Short sollte mindestens eine Handbreit unterhalb der Pobacken enden. Alles andere sollte der Damenwelt vorbehalten bleiben. 

5. Die Umhängetasche

Manchmal sind wir Männer uns ein bisschen selbst im Weg. So heißt es, dass Rucksäcke und Co. schlicht und ergreifend außerhalb des Fitnessstudios nichts am Mann zu suchen hätten. Styleguides raten gar dazu, dass der Mann mit dem klassischen Aktenkoffer glücklich werden sollte. 

Bloß steht da ein anderes Modeproblem entgegen: Der Anzug, der tatsächlich das einzige männliche Kleidungsstück ist, das in Kombination mit einem Aktenkoffer gut aussieht, ist ein Auslaufmodell. Schon zum Business-Schick mit dunkler Jeans wirkt ein solcher „Stauraumvergrößerer“ einfach nur albern. Und dann sollte man noch andere modische Tatsachen in Erwägung ziehen:

  • Handys werden seit Jahren immer größer
  • Autoschlüssel wachsen ebenfalls mit dem Funktionsumfang
  • Autos, in denen man seinen Krempel transportieren könnte, kommen insbesondere in der Großstadt aus der Mode

Heute sieht es so aus, dass Männer also immer mehr, immer sperrigere Dinge zu transportieren haben, die Hosen überdies mal wieder per Designerdiktat enger werden und zudem die möglichen Gelegenheiten, wo man den einzig akzeptierten Männer-Transportbehälter Aktenkoffer ausführen kann, immer seltener werden. 

Und genau deshalb ist es heute kein Mode-Fauxpas mehr, sich als Mann Rucksäcke, Umhängetaschen und Co. umzuschnallen, sondern schiere praktische Notwendigkeit. Und so viele Modelle, wie es heute gibt, existiert auch für praktisch jedes Outfit ein passendes Gegenstück. Ja, sogar die „Tactical-Fraktion“ bekommt martialisch aussehende Umhängetaschen samt Klett-Flausch für Aufnäher und Geheimfächern. Und solange es sich nicht um die 70er-Jahre Herrenhandtasche mit Handgelenkschlaufe handelt, ist jede davon mittlerweile erlaubt. 

6. Das Polo in der Hose

Poloshirts gibt es zwar schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts, aber so richtig durch alle Schichten erfolgreich wurden sie (nach der Trendwende in den 1980ern) erst im Verlauf der vergangenen 30 Jahre. Und egal welcher Modewind gerade wehte, es hieß immer „Polohemden werden nicht in die Hose gesteckt“.

Doch auch diese Modesünde kann man gepflegt in den Giftschrank der Geschichte stecken. Denn was beim Polo (dem Sport hoch zu Ross) noch gelten mag, sieht spätestens im Büro irgendwie komisch aus. Und da kollidiert der Moderatschlag auch wieder mit anderen Stilbrüchen: Verträte der 2017er Mann nämlich die reine Lehre, bliebe ihm, zumindest im Business, kein Kleidungsstück, das die Unterarme freiließe. Mit dem in die Hose gesteckten Polo ist es indes möglich, die dunkle Designerjeans mit einem sommerlich-kurzen Oberteil zu kombinieren, ohne allzu gezwungen zu wirken. Bloß der Schlips sollte wegbleiben – denn eine nach wie vor gültige Moderegel besagt, dass der nur zu durchgängig geknöpften Oberteilen getragen wird. 

Fazit

Mit Modesünden ist es ein wenig so wie mit Modetrends: Was gestern noch der absolute Super-GAU war, kann heute schon erlaubt sein. Und das ist auch gut so. Denn viele Modesünden machen dem Mann nur eines, nämlich das Leben schwer. Und im Zweifelsfall gilt sowieso eine weitere Regel: „Einen gutaussehenden Mann entstellt absolut nichts“ – auch keine short Shorts mit in die Hose gestecktem Polo, Socken und Adiletten.