Corona-Impfstoff: Der aktuelle Stand – Mit Masken, Abstand und viel Disziplin im Umgang mit der Pandemie werden wir das Corona-Virus nur bremsen und im besten Fall zurückdrängen können. Aufhalten werden wir Sars-CoV-2 und die vom Virus ausgelöste Erkrankung Covid-19 aber erst mit einem Impfstoff.

Die Forschungen an einem solchen laufen weltweit auf Hochtouren, erste Präparate treten bald in die klinische Phase ein. Im Folgenden ein kleiner Überblick über den aktuellen Stand der Dinge.

Das in Tübingen ansässige Unternehmen CureVac hat kürzlich grünes Licht für eine Studie in der klinischen Phase erhalten, was bedeutet, dass der dort entwickelte Wirkstoff nun an Menschen erprobt werden kann. Das Mainzer Unternehmen BioNTech hatte bereits Ende April eine entsprechende Genehmigung erteilt bekommen.

Allerdings geht es bei diesen sogenannten Phase-I-Studien noch nicht um die Wirksamkeit des Mittels, sondern vorerst nur um dessen Sicherheit.

Wie der Internetseite des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) (https://www.vfa.de/print/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov) zu entnehmen ist, befinden sich global derzeit diverse weitere Projekte in der klinischen Phase, mindesten sieben davon hoffen auf eine Genehmigung für klinische Tests.

Im Hause AstraZeneca, einem internationalen Pharmakonzern, ist man da schon einen Schritt weiter. Der an der Universität Oxford entwickelte und von dem Unternehmen finanzierte, organisierte und vermarktete Wirkstoff befindet sich bereits in der klinischen Phase II. Mit Phase III ist der letzte Schritt vor einem Zulassungsverfahren bereits genehmigt worden.

In Phase II gilt es, die optimale Dosierung zu ermitteln, sicherzustellen, dass der Körper auch wirklich einen Schutz entwickelt und abermals die Verträglichkeit zu prüfen.

Wann aber nun mit einem Impfstoff gerechnet werden kann, lässt sich bloß schätzen. Gegenüber dem „Mannheimer Morgen“ erklärte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, er könne sich vorstellen, dass Ende des Jahres über eine Zulassung gesprochen werde. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hält unter optimalen Bedingungen eine Zulassung im Frühjahr 2021 für möglich.

Gemeinsam mit Frankreich, Italien und den Niederlanden hat Deutschland bereits einen Vorvertrag mit AstraZeneca geschlossen, der im Falle einer Marktreife des Impfstoffes, den Ländern 400 Millionen Impfdosen garantiert. Bundesgesundheitsminister Spahn zufolge würden in diesem Fall alle Mitgliedsstaaten der EU profitieren, da Impfdosen relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt würden.

Ähnliche Verträge existieren auch mir den USA und Großbritannien, nach Angaben des Unternehmens verhandle man darüber hinaus auch mit Japan, Russland, Brasilien und China.

Die Suche nach einem Impfstoff gegen einen Krankheitserreger nimmt üblicherweise Jahre in Anspruch, und kann zudem in jeder Phase scheitern. Glücklicherweise war im Falle von Sars-CoV-2 die Sequenz des Viren-Erbguts und somit die nahe Verwandtschaft mit den Coronaviren, die SARS und MERS verursachen, aber relativ schnell bekannt.

Mit Blick auf die Impfstoffe gegen diese Viren konnten die Forschenden also darauf schließen, dass es vor allem auf das Protein ankommt, welches für das mit hervorstehenden Zacken typische Aussehen des Virus verantwortlich ist. Von daher haben die meisten Studien, die sich der Entwicklung eines Impfstoffes widmen eben dies berücksichtigt.

Nachdem die Entwicklung eines Impfstoffes dann gelungen ist, gilt es aber gleich die nächste Hürde zu nehmen: die Massenproduktion.

Wie die Hamburger Virologin Marylyn Addo dem „Deutschlandfunk“ sagte, stünden der Welt aktuell nicht genug Herstellungskapazitäten zur Verfügung, was in den kommenden Monaten zu einem regelrechten Ressourcenkampf führen werde.

„Es ist wichtig, dass man sich damit beschäftigt und dass man versucht, eine faire Verteilung der Herstellungskapazitäten, aber auch später eine faire Verteilung des Impfstoffs zu gewährleisten.“

Dementsprechend verfolgt der vfa auch die Zielvorgabe, für möglichst viele Impfstoffe eine Zulassung zu erreichen und dafür Sorge zu tragen, dass diese Wirkstoffe unter der Nutzung möglichst vieler Produktionsanlagen auch hergestellt werden können.

Mehrere potenzielle Hersteller, auch AstraZeneca, haben demnach angekündigt, für die Dauer der Pandemie ihre Impfstoffe zu Herstellerkosten zur Verfügung zu stellen.

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Quelle: Deutschlandfunk