Carbid-Schießen: Hausgemachter „Kanonen-Donner“ sprengt Fenster – Solltet ihr aus dem Norden kommen, habt ihr vielleicht schon einmal folgenden Spruch vernommen: „Doar is' Carbid achter!“ Was auf dem Land in Ostfriesland und dem Emsland ungefähr so viel bedeutet wie: Etwas ist ganz schön mächtig, hat jede Menge Wucht. Doch wo kommt der Spruch eigentlich her? Vielleicht vom Carbidschießen, das in den Niederlanden und manchen Teilen Norddeutschlands an der Grenze bis heute Tradition hat.

Dabei entfesselt das Carbid, einen entsprechenden Resonanzraum vorausgesetzt, einen gewaltigen Knall – traditionell kommen dafür Milchkannen zum Einsatz. Das ist im vorliegenden Video nicht so, hier sind es spezielle „Kanonen“, die dem Brauch zu seinem ohrenbetäubenden Lärm verhelfen. Genug Lärm, um Fensterscheiben zum Bersten zu bringen. Doch was ist das Carbidschießen eigentlich genau?

Im Prinzip wird eine Substanz namens Kalziumcarbid dafür genutzt. Ein metallener Zylinder, die erwähnte Milchkanne, oder aber auch ein zugeschnittenes Rohr oder eine alte Gasflasche, wird mit der Substanz versehen. Dann wird das Carbid nass gemacht – etwa mit ein paar Schuss Wasser oder einfach nur Spucke. Umgehend bekommt das Gefäß einen Deckel – oft kommt dafür auch ein Fußball zum Einsatz.

Im Zylinder kommt es bereits zu einer Reaktion – das Karbid und die Feuchtigkeit sorgen für die Bildung eines Gases namens Ethin. Der Behälter wurde dabei mit einem kleinen Loch angebohrt, das zur Zündung dient. Mit einer Flamme – in der Regel einer Gasfackel – wird die Substanz entzündet. Die schlagartige Explosion dehnt sich aus und katapultiert den Verschluss in die Höhe. Es knallt – und zwar gewaltig.

Im Laufe der Jahre wurde das Brauchtum des Carbidschießens immer beliebter – unter anderem, weil bei zunehmend strengeren Feuerwerksgesetzen dieser Brauch nie berührt wurde und in den Niederlanden auch unter kulturellen Schutzgesetzen steht.