Cannabis ist in aller Munde. Dank eines neuen Gesetzes auch bald in denen von Schmerzpatienten. Ist das als Einstiegsdroge klassifizierte Kraut damit nun rehabilitiert? Nicht unbedingt, denn trotz der wegweisenden Entscheidung der Bundesregierung gibt es nach wie vor unzählige kritische Stimmen, welche einer Legalisierung äußerst skeptisch gegenüberstehen. All jenen dürfte eine aktuelle Studie nun zupass kommen, der zufolge der Konsum von Cannabis weitreichende Folgen für die Psyche haben kann.

Wie aus den Ergebnissen eines internationalen Forscherteams hervorgeht, erhöht Kiffen das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken. Darauf, dass der exzessive Marihuana-Konsum Psychosen auslösen kann, haben bereits frühere Untersuchungen hingedeutet, mit dem Zusatz, dass ein bestimmtes Gen entscheidend dafür sei, ob Kiffer Psychosen entwickeln oder eben nicht. Den Nachweis, dass Kiffen auch direkt für das Auftreten einer Schizophrenie verantwortlich ist, blieben bisherige Studien jedoch schuldig.

Ursache und Wirkung

Mit einer neuen Untersuchung, an der das Universitätsspital Lausanne (CHUV) in der Schweiz beteiligt war, hat sich die Faktenlage allerdings geändert. Dort bediente man sich der sogenannten „Mendelsche Randomisierung“, einer Methode anhand der man den Einfluss eines Risikofaktors – in dem Falle der Cannabis-Konsum – auf das Auftreten von Krankheiten – wie zum Beispiel Schizophrenie – unter Vermeidung falscher Rückschlüsse untersuchen kann. Falsche Rückschlüsse wie etwa, dass Cannabis-Rauchen nicht der Auslöser, sondern die Folge von Schizophrenie ist.

Unter dieser Prämisse werteten die Wissenschaftler zunächst Daten aus, die sie einer Publikation von 2016 entnommen hatten und die einen Zusammenhang zwischen bestimmten Genvarianten und dem Cannabis-Konsum bei 32.000 Studienteilnehmern nachgewiesen hat. Im nächsten Schritt machte man sich in den Erbinformationen eines separaten Datensatzes von weiteren 34.000 Patienten und 45.000 Gesunden auf die Suche nach den gleichen genetischen Markern. Nachdem man dann die gesammelten Informationen aus den beiden Quellen kombinierte, kam man zu dem Schluss, dass Marihuana-Konsum in einem um 37 Prozent erhöhten Schizophrenie-Risiko resultiert. Und das unabhängig von anderen Faktoren wie etwa dem Tabakkonsum.

„Diese robusten Resultate ergänzen die zahlreichen Studien auf diesem Gebiet und zeigen, dass die Verbindung zwischen Cannabis-Konsum und einem erhöhten Schizophrenie-Risiko eine ursächliche ist“, resümiert der Studienerstautor Julien Vaucher vom CHUV. Aus seiner Sicht seien derartige Erkenntnisse wichtig, um in Zeiten der Liberalisierung des Kiffens auch über die Risiken informieren zu können, wozu ein genaues Verständnis der Wirkmechanismen unabdingbar sei. So sollen weitere Studien in Zukunft beispielsweise ermöglichen, Warnhinweise für Gruppen mit hohem Risiko für Schizophrenie oder andere Störungen zu formulieren.

Quelle: heilpraxisnet.de