Das Thema Cannabis-Legalisierung beschäftigt nicht nur die deutsche Polizei, schließlich forderte unlängst der Bund deutscher Kriminalbeamter (BDK) die Legalisierung von Gras. Auch Stimmen aus der Politik werden laut, die sich hierfür einsetzen – nicht jedoch die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU), die sich sehr vehement und mit eindeutigen Worten gegen eine Legalisierung ausspricht:

„Ich werde nicht tatenlos dabei zuschauen, wie Jugendliche im wahrsten Sinne des Wortes ihre Zukunftsperspektiven verkiffen“, lieferte sie in einem Interview mit der „Welt“ ein unmissverständliches Statement zu ihrer Haltung. Dem vorausgegangen war die Forderung des BDK in der „Hamburger Morgenpost“, den Cannabis-Konsum endlich zu legalisieren. Der BDK-Bundesvorsitzende André Schulz dazu in der „Bild“: „Es ist an der Zeit, auch hier das Kiffen für Konsumenten vollständig zu entkriminalisieren und einen regulierten Markt für Marihuana zu schaffen.“

Der Personalaufwand für die Drogenbekämpfung sei derart immens und führe dennoch nicht zum gewünschten Erfolg, so Schulz. Ganze 70 Prozent der erfassten Drogenfälle setzten sich nur mit der Verfolgung der Konsumenten auseinander, nicht jedoch mit Banden aus dem organisierten Verbrechen im Hintergrund oder den eigentlichen Dealern – diese könnten unbehelligt schalten und walten, die Marktpreise für Drogen seien seit Jahren stabil. Für die Verfolgung anderer krimineller Banden und Machenschaften stünden daher vergleichsweise wenige Beamten zur Verfügung.

Mortler: Glaubwürdigkeit der Gesellschaft steht auf dem Spiel

Mortler vertritt eine andere Haltung. Die Glaubwürdigkeit der Gesellschaft sei es, die auf dem Spiel stünde – der Jugendschutz vor Drogen sei infrage gestellt, wenn Erwachsene bereits darüber debattierten, auf welchem Wege man Rauschmittel für legal erklären könne. Auch Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, sieht den Aspekt der Legalisierung kritisch. In einem Interview mit „Welt-TV“ widersprach er Schulz‘ Aussage, dass die Cannabis-Legalisierung der Polizei wirklich helfen würde:

„Ja, Massenkriminalität belastet die Polizei. Im Bereich von Cannabis sind wir aber natürlich so weit, dass wir sagen: Über den Konsumenten – der uns polizeilich zwar nicht interessiert, sondern nur präventiv – kommen wir aber überhaupt erst an die nächsten Ebenen. Also diejenigen, die Handel betreiben. Und ich glaube, dass wir auch bei einer Legalisierung weiterhin einen Schwarzmarkt haben würden.“ Während der BDK-Vorsitzende Schulz die Haltung vertritt, dass ein verantwortungsvoller Umgang mit dem Drogenkonsum sowie Fürsorge für die Süchtigen erst einen tatsächlich wirksamen Kinder-und Jugendschutz überhaupt ermöglicht, ist Malchow anderer Meinung:

Der Gang erwischter Jugendlicher zur Polizeiwache, noch dazu in Begleitung der Eltern, sei höchst unangenehm. Noch dazu seien sie gezwungen, sich zur Drogenberatungsstelle zu begeben und sich dies schriftlich bestätigen zu lassen, sowie andere unangenehme Wege vor der Justiz zu gehen. Dieser gut begleitete Prozess führe zu Möglichkeiten, Jugendliche auf die Gefahren hinzuweisen.

Das Thema Legalisierung ist wohl noch eine ganze Weile lang noch nicht vom Tisch, die Fronten scheinen gespalten.

Quelle: welt.de/