Böllerverbot an Silvester: Wissenschaftler bezweifeln Sinnhaftigkeit – Bekanntermaßen gilt auch in diesem Jahr ein bundesweites Verkaufsverbot für Böller und Feuerwerk. Die Branche fürchtet nun endgültig um ihre Existenz und will rechtliche Schritte prüfen. Rückendeckung erhält sie dabei sogar von der Wissenschaft.

Begründet wird das Verbot mit der Verletzungsgefahr, die vom Feuerwerk ausgeht.

Das Gesundheitssystem solle zusätzlich zu der „bereits enormen Belastung“ durch die Corona-Pandemie nicht noch weiter unter Druck gesetzt werden. Den Unternehmen sicherten Bund und Länder Wirtschaftshilfen zu.

Die Feuerwerksbranche warnt jedoch vor einem „Todesstoß“, treibe das kurzfristige Verbot doch „eine ganze Branche in den Ruin“, wie Ingo Schubert, Vorstand des Bundesverbandes Pyrotechnik, erklärte. Zudem liefere die Maßnahme keinen „nennenswerten Beitrag“ zur Bekämpfung der Pandemie und sei „reine Symbolpolitik“.

Beim Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) sieht man die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland in Gefahr.

„Mit der Entscheidung gegen Feuerwerk, haben Bund und Länder auf Basis von falsch gesetzter Panik riskiert, dass es jetzt endgültig aus sein könnte für unsere Branche“, so Thomas Schreiber, Vorsitzender des VPI.

Schreiber betont, dass sich die Situation an Notaufnahmen und in Intensivstationen durch legales Feuerwerk an Silvester nicht verschärfe: „Die Probleme sind übermäßiger Alkoholgenuss und illegale Feuerwerksprodukte.“

Aerosol-Experte Gerhard Scheuch sieht das aus fachmännischer Sicht ähnlich.

Gegenüber „Bild“ erklärte er: „Das ist Alarmismus. Und es ist gefährlich: Dann verstecken sich die Leute drinnen, machen das Fenster zu, damit keiner mitkriegt, dass sie feiern. Aber genau dort finden die Ansteckungen statt!“

Virologe Hendrik Streeck bläst ins gleiche Horn und nennt das Böllern im Freien sogar einen „Vorteil“, da „man draußen böllert und nicht in den Innenräumen“. Streeck führt aus: „Von allen Aerosolforschern wissen wir, dass es sehr viel besser ist, sich draußen aufzuhalten, weil die Aerosole mit unserer Körperwärme nach oben steigen und wir eigentlich keine großen Übertragungsketten dort produzieren können.“ Insofern sei es sinnvoller, die Menschen zum Rausgehen zu bewegen.

Vonseiten des Pyroverbandes soll nun geprüft werden, ob das Verbot mit rechtlichen Mitteln noch gekippt werden kann.

Allerdings muss es dazu erst einmal rechtskräftig werden, erklärt Schubert: „Im vergangenen Jahr wurde das Verkaufsverbot am 18.12. vom Bundesrat bestätigt. Erst dann konnte dagegen geklagt werden. Die extreme Kurzfristigkeit erschwert es, den Rechtsweg zu beschreiten – selbst für Eilverfahren ist die Zeit sehr knapp bemessen.“

Die Deutsche Umwelthilfe äußerte sich hingegen erfreut über das Verbot. Wie der Geschäftsführer Jürgen Resch verlautbaren ließ, hätten die Verantwortlichen „Vernunft walten lassen.“ Ihm zufolge hätten Böller und Raketen bereits „zehntausende zum Teil schwer Verletzte“ gefordert, und auch in diesem Jahr das „um Menschenleben kämpfende Personal“ in den Kliniken zusätzlich unter Druck gesetzt.

Quellen: focus.de , bild.de