Bis zu 308 Euro mehr: Nebenkosten für Mieter steigen deutlich – Die Bundesregierung hat das „Klimaschutz-Sofortprogramm“ durchgewunken. Für Mieter bedeutet dies, dass sie künftig die komplette CO2-Abgabe von derzeit 25 Euro pro Tonne allein entrichten müssen. Damit ist ein Liter Heizöl um rund sieben Cent teurer, und das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht.

Bis 2025 wird die CO2-Abgabe auf 55 Euro pro Tonne steigen

Die gemeinnützige Gesellschaft „co2online“ hat für die „Bild“ eine Beispielrechnung erstellt, um aufzuzeigen, was Mieter mit Durchschnittsverbrauch künftig werden mehr zahlen müssen.

Demzufolge steigen die Heizkosten im Falle einer 50-qm-Wohnung mit einer Gasheizung im Schnitt um 43 Euro, mit einer Ölheizung um 61 Euro. 2025 betragen die Mehrkosten dann bereits 93 Euro (Gas) beziehungsweise 134 Euro (Öl).

Bei 70 qm liegen die Mehrkosten zunächst bei 60 Euro für Gas und 86 Euro für Öl. Bis 2025 werden es schrittweise dann 130 bzw. 188 Euro.

4-köpfige Familien auf 110 qm mit Gasheizung müssen dieses Jahr eine Steigerung von durchschnittlich 104 Euro einplanen, bei Betrieb einer Ölheizung 141 Euro. Die Mehrkosten im Jahr 2025 dann: 225 bzw. 308 Euro.

Nachdem die Unionsfraktion einen vorherigen Kompromiss, nach dem die Vermieter die Hälfte der Kosten hätten tragen sollten, überraschend gekippt hat, müssen die Mieter nun alles komplett aus eigener Tasche zahlen.

Der Deutsche Mieterbund (DMB) fordert jedoch, dass „der CO2-Preis komplett auf den Vermieter umgelegt wird“

Berechnungen des DMB zufolge kommt alleine das Wohnen Mieter bereits jetzt gut ein Drittel ihres Einkommens zu stehen. Bei Geringverdienern sind es sogar 50 Prozent.

Kritiker monieren, dass Mieter zwar die Kosten tragen müssen, jedoch keinen Einfluss auf die verbaute Heizungsanlage haben. Zudem hätten Vermieter nach den aktuellen Regelungen keinen Anreiz, eine klimafreundlichere Anlage zu installieren, müssen diese die CO2-Zeche doch nicht zahlen.

Gegenüber „Bild“ moniert Chris Kühn (Grüne), Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik: „Der Koalitions-Streit beim CO2-Preis schadet den Mietern und dem Klima gleichermaßen. Die CDU/CSU-Blockade beim CO2-Preis geht voll zulasten der Mieter.“

Aus Sicht der Grünen müsse der Preis dort erhoben werden, „wo über die Investition für eine neue Heizung entschieden wird“

Immerhin entscheide ausschließlich der Vermieter ob mit Öl, Gas oder klimafreundlich geheizt werde. Kühn: „Es ist zynisch, wenn die Union den Mietern nur die Möglichkeit lässt, zu frieren oder einen dicken Pulli anzuziehen.“

Die Ablehnung eines paritätischen Kosten-Splittings seitens der Unionsfraktion hatte Jan-Marco Luczak, Sprecher der Unionsfraktion für Recht und Verbraucherschutz, damit erklärt, dass die „hälftige Umwälzung der CO2-Verbrauchskosten auf die Vermieter […] einen fundamentalen Bruch des Verursacherprinzips“ darstelle, da Vermieter keinen Einfluss auf das Heizverhalten der Mieter hätten.

„co2online“-Geschäftsführerin Tanja Loitz kontert: „Eigentum verpflichtet – auch in Sachen CO2-Preis und Klimaschutz.“

Schließlich sei der energetische Zustand eines Gebäudes entscheidend für die Höhe des CO2-Ausstoßes. Wer vor diesem Hintergrund die Verantwortung allein auf den Schultern der Mieter ablade, kenne sich „schlichtweg nicht mit dem Thema Energieverbrauch aus“.

Loitz zufolge sei eine 50:50-Lösung „mehr als fair“, werde dadurch doch ein Anreiz für energetische Sanierungen geschaffen.

Sören Bartol, Vizevorsitzender der SPD-Fraktion im Bundestag, betont: „Wir haben bis zuletzt für eine faire Aufteilung der Mehrkosten gestritten.“ Immerhin ginge es darum, Eigentümer dazu zu bewegen, klimafreundliche Heizungen zu verbauen oder bestehende Anlagen zu sanieren. Bartol erklärt, dass man davon auch habe Unionsminister überzeugen können.

„Letztlich war der Widerstand der Immobilienlobbyisten innerhalb der CDU-Fraktion jedoch zu groß.“