Biologisches Wunderwerk: Pilz aus dem Tschernobyl-Reaktor „frisst“ Strahlung – In der Sperrzone von Tschernobyl kommt es mitunter zu faszinierenden Entdeckungen. Bereits vor vielen Jahren konnten Wissenschaftler einen Pilz ausfindig machen, der sich regelrecht von Strahlung „ernähren“ kann. Er wurde im Reaktor des Kraftwerks entdeckt. Dabei handelt es sich um einen bis zu 21 Zentimeter dicken Belag. Dieser wurde nun von Experten erforscht.

Der Pilz soll „das jährliche Dosenäquivalent der Strahlungsumgebung auf der Marsoberfläche weitgehend negieren“ können, so die Wissenschaftler der Universität Stanford. Dies könnte auch bedeuten, dass er der bemannten Raumfahrt helfen könnte, Menschen das Leben auf dem Roten Planeten zu ermöglichen.

Auf der Internationalen Raumstation konnte der Pilz bereits erprobt werden, um schädliche Strahlen aus dem Kosmos zu bekämpfen.

Studiencoautor Nils Averesch sagte dem „New Scientist“: „Was den Pilz so großartig macht, ist, dass man zu Beginn nur wenige Gramm braucht. Er vermehrt sich selbst und heilt sich selbst, so dass er selbst bei einer Sonneneruption, die den Strahlenschutz erheblich beschädigt, in wenigen Tagen wieder nachwachsen kann.“

Der Pilzbelag ist von tiefschwarzer Farbe und wurde in der Ukraine bereits fünf Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl entdeckt, wo er seitdem die Wissenschaft vor viele Rätsel stellte. Nicht nur überlebte der Bewuchs die Strahlung, er wuchs regelrecht darauf zu, so als würde sie ihn anziehen.

Die dunkle Farbe und das Verhalten des Pilzes liegen den Forschern zufolge an einem hohen Gehalt an Melanin, das es dem Pilz erlaubt, Strahlen zu absorbieren, die andernfalls enormen Schaden anrichten könnten – und diese noch dazu auf chemische Weise in andere nutzbare Energie umzuwandeln.

Dieser Prozess wird Radiosynthese genannt und funktioniert prinzipiell ähnlich wie die Vorgänge, mit denen Pflanzen mithilfe von Blattgrün und Sonnenlicht Kohlendioxid in Sauerstoff und Glukose umwandeln.

Kasthuri Venkateswaran, NASA-Wissenschaftler, ist überzeugt, dass diese Fähigkeit zur Strahlungsumwandlung extrahiert werden kann.

Man könne daraus eine Arznei herstellen, die als eine Art „Sonnencreme“ gegen schädliche Strahlen aufgetragen werden könnte. Diese sei nicht nur für den Weltraum nützlich, sondern könne auch Krebspatienten während der Chemotherapie, Ingenieuren in Atomkraftwerken sowie Piloten zum Strahlenschutz zur Verfügung gestellt werden.

Selbst eine Umwandlung im größeren Stil, mit deren Hilfe Strahlung dann auf umweltfreundliche Weise in elektrische Energie verwandelt wird, können die Experten sich bereits vorstellen – ebenso wie die Nutzung als Energiequelle für mögliche Marskolonien, wo die Strahlungswerte weitaus höher sind als auf der Erde. 

Quelle: unilad.co.uk