Beziehungen sind fragile Konstrukte, die steter Pflege bedürfen, wenn man möchte, dass sie die Zeit überdauern. Aus dem typischen Geflecht einer emotionalen Bindung ragen dermaßen viele Fäden an denen man besser nicht ziehen sollte, dass es oft einfacher ist sich zu trennen, als gemeinsam ein festes Band zu knüpfen. Die hohe Scheidungsrate spricht für sich. Wie eine Studie nun aber nachgewiesen hat, ist die Nummer mit der funktionierenden Partnerschaft gar nicht so kompliziert, wie wir immer dachten. Denn am Ende gibt es meistens nur einen bestimmten Grund, der zur Trennung führt.

Das behauptet zumindest der Psychologe John Gottham, der mit seinem Team an der University of Seattle tätig ist. Und er muss es wissen, denn seine Studie über die häufigsten Auslöser für Trennungen, läuft bereits seit 40 Jahren. Das Ergebnis nach vier Dekaden Forschung: Wir streiten falsch!

Legt man ein Lupenglas auf diese These, zeigt sich, dass wir in Streitsituationen vergessen, wie man angemessen miteinander kommuniziert. Missachtung, Kritik, Rechtfertigungen sowie das Ignorieren des Partners sind im Ranking der Trennungsgründe mit Abstand die absoluten Spitzenreiter.

Tage des Zorns

Wer kennt das nicht? Ein kleiner Funke genügt und schon entzündet sich ein mit Vorwürfen aufgeschichteter Scheiterhaufen. Befeuert wird das Ganze denn gerne noch mit dem trockenen Reisig alter Kamellen, die sich im Laufe der Zeit angestaut und mit dem eigentlichen Thema gar nichts zu tun haben.

Dem Angegriffenen wird in der Folge die Luft zum Atmen knapp. Man fühlt sich überfordert, meidet den Dialog und zieht sich in der Hoffnung zurück, die Situation nicht noch schlimmer zu machen.

Das ist allerdings ein ähnlich herber Fehler, wie das Vortäuschen eines Orgasmus. Denn das bewusste Ignorieren des Partners bleibt natürlich nicht unbemerkt und wirkt wie ein Katalysator. Auf einmal wird scharf geschossen, ein Mörserfeuer der Kritik bricht über einen herein und es wird versucht, eine Rechtfertigung zu erzwingen. Das ist der Punkt, an dem traditionell Dinge gesagt werden, die man danach bitter bereut. So weit darf man es also gar nicht erst kommen lassen.

Streiten will gelernt sein

Es mag wie pädagogischer Wisch-Wasch klingen, doch lasst euch gesagt sein, Männlein wie Weiblein, dass eine direkte, gewaltfreie Kommunikation in solchen Fällen stets der richtige Lösungsansatz ist. Dabei ist es von enormer Wichtigkeit, dass zumindest eine der beiden Parteien einen kühlen Kopf bewahrt, um die Situation zu entschärfen. Ist das nicht gegeben, sollte man sich dringend die Zeit nehmen, runterzukommen, sich zu beruhigen. Merke: Der Affekt ist ein Beziehungskiller!

Wenn man auf 180 ist, ist der Bremsweg lang, keine Frage. Doch wenn einen an seinem Partner etwas liegt, muss man auch im Falle eines Angriffes bereit sein, das Schloss des eigenen Stolzes mit einer weißen Fahne in der Hand zu verlassen, anstatt sich mit Gegenargumenten bewaffnet hinter den eigenen Mauern zu verschanzen.

Richtig zu streiten kann man lernen. Und das sollte man auch. Denn erfahrungsgemäß lautet die wohl wichtigste Regel für eine gute Beziehung: Geht niemals wütend aufeinander ins Bett!

Quelle: freundin.de