Belästigung in der U-Bahn: London ahndet „sexuell motiviertes Starren“ – Ins Gefängnis zu gehen, weil man in der U-Bahn gestarrt hat? Der Vorschlag einer hochrangigen Polizeibeamtin für den Umgang mit möglichen Sexualstraftaten wurde nicht nur aufgegriffen, sondern führte im März 2022 auch bereits zur Verurteilung eines Mannes für solches Verhalten, der noch weiter ging.

In der Londoner Untergrundbahn soll es strafrechtlich verfolgt werden, wenn jemand andere Personen „sexuell motiviert“ anstarrt, so die Auffassung der leitenden Behördenvertreterin. Metro-Betreiber Transport for London (TfL) startete im März 2022 eine Kampagne zur Bekämpfung sexueller Belästigung von Frauen und Mädchen. Darunter Pfiffe, „Upskirting“ – also Unter-den-Rock-Schauen/-Fotografieren/-Filmen – sowie besagtes „Starren“.

Wörtlich heißt es auf einem der Kampagnenposter:

„Aufdringliches Anstarren sexueller Natur ist sexuelle Belästigung und wird nicht toleriert.“ In einer Mitteilung zum Beginn der U-Bahn Kampagne schreibt TfL: „Die sexuelle Belästigung stellt eine Form von Gewalt dar, die sich meist gegen Frauen und Mädchen an öffentlichen Orten richtet. Die Sicherheit von Frauen und Mädchen genießt bei TfL höchste Priorität und diese neue Kampagne bildet ein Element unserer Arbeit, um sicherzustellen, dass alle vertrauensvoll reisen können.“

Weiter heißt es da: „Ziel der Kampagne ist es, die Normalisierung und Ablehnung dieses Verhaltens als etwas, das Frauen und Mädchen in öffentlichen Verkehrsmitteln und anderen öffentlichen Räumen ‚passiert‘, in Frage zu stellen und klarzustellen, dass es niemals akzeptabel ist und dass immer die schärfstmöglichen Maßnahmen ergriffen werden.“ Detective Superintendent Sarah White von der britischen Transportpolizei sprach mit „The Telegraph“.

Wörtlich sagte sie gegenüber der Zeitung:

„Es liegt in der menschlichen Natur, Dinge anzustarren. Es ist jedoch etwas ganz anderes, wenn jemand stiert, anzügliche Blicke wirft oder eine sexuelle Motivation hat. Wir wollen wissen, was es mit dem Anstarren auf sich hat, denn dieses Verhalten lässt mich vermuten, dass jemand über sexuelles Verhalten nachdenkt, welches dieses Anstarren unterstützt.“ Weiter führte die Polizistin aus:

„Wir werden es als Straftaten erfassen und untersuchen – und wir haben in diesem Bereich bereits erfolgreiche Strafverfolgungen durchgeführt.“ Im März wanderte etwa der 26-jährige Dominik Bullock für 22 Wochen ins Gefängnis, nachdem eine Frau ihn gemeldet hatte, weil er sie in einer U-Bahn „fortwährend angestarrt hatte“. Als sie ihn darauf hinwies und versuchte, an dem Mann vorbei den Waggon zu verlassen, verstellte ihr Bullock den Weg. Er wurde der vorsätzlichen Belästigung, Beunruhigung oder Bedrohung für schuldig befunden.

White betonte, dass verdeckte Ermittler Waggons in Zivil begleiten, um Kriminelle bei ihren Taten in flagranti zu stellen.

Die leitende Beamtin wörtlich: „Mein Rat wäre, dass man nie weiß, neben wem man in der Bahn steht oder sitzt, es könnte ein Polizist sein.“ Eine Antwort, mit welchen Methoden die Polizei die Gedanken eines Menschen hinter einem langen Blick zu erraten versucht, oder wie man sich als Beschuldigter gegen falsche Verdächtigungen durch „anzügliches Starren“ wappnen könnte, gab White nicht.

Quelle: ladbible.com