Bedrohung für Internet-Unterseekabel?: Russland könnte mit Spezial-U-Booten agieren – Die Kontinente weltweit werden durch massige Unterseekabel verbunden. 440 davon gibt es, knapp 1,3 Millionen Kilometer sind verlegt, durch die ganze 95 Prozent des weltweiten Datenverkehrs rauschen. Berichten zufolge interessiert sich Russland im verdächtigen Maße für die Leitungen. Ein kritisches Stück Infrastruktur, nicht nur in Fragen der Abwehrsicherheit.

Fest steht: Wer solche Leitungen kontrolliert, kann das Netz ausspähen und könnte theoretisch Teile, wenn nicht gar das ganze Internet, lahmlegen. Dies ergeht aus einem Bericht des Portals „t3n“. Daraus geht hervor, dass sich insbesondere Russland in den vergangenen Jahren für die Infrastruktur interessiert hat – im Gegensatz zu den USA oder China verfügt das Land über nur wenige solcher Unterseekabel und hat entsprechend kaum Zugriff.

Bedrohungslage bekannt

Wie die „NZZ“berichtet, weiß man im Westen seit Jahren um diese Bedrohungslage. Zwar lägen die Unterseekabel für die meisten U-Boote zu tief am Meeresgrund. Doch Russland verfüge über einige Unterwasserfahrzeuge, die mit speziellen Taucheigenschaften eine ernste Gefahr für die Kabel darstellen könnten, so Sicherheitsexperte Mauro Gilli Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Demnach würden immer wieder russische Aktivitäten in der Nähe solcher Kabel registriert.

Ende Januar 2020 hätte erst ein russisches Manöver vor der irischen Küste für Aufregung gesorgt. Es wird angenommen, dass Russland bei solchen Aktionen ausspäht, wo sich die genaue Position der Unterseekabel befindet. Als besonders lohnendes Ziel gilt Irland deshalb, weil es als europäische Hochburg von besonders vielen Tech-Unternehmen sowie Rechenzentren erachtet wird – die Dichte der Datenknotenpunkte zu Unterseekabeln ist dort besonders hoch.

Durch hohen Militär bestätigt

Bestätigung erfuhren die Beobachtungen etwa durch den britischen Armeechef Tony Radakin. Seinerzeit hatte er gegenüber dem „Guardian“ bestätigt, es sei innerhalb der vergangenen 20 Jahre zu einer „phänomenale[n] Zunahme der russischen U-Boot- und Unterwasseraktivitäten“ gekommen. Radakin äußerte die Befürchtung, es könnte Russland darum gehen, „das Informationssystem der Welt“ zu bedrohen, zumindest aber auszulesen.

Drei Schiffe sollen in der russischen Flotte für diesen Zweck geeignet sein. Zuvorderst die als Forschungsschiff deklarierte „Yantar“. Das Schiff hat zwei Tauchboote an Bord, welche in Tiefen von bis zu 6.000 Meter vorstoßen können. Beide verfügen über hydraulische Greifarme. Zudem sollen kleinere ferngesteuerte Tauchboote sowie komplett autonome Unterwasserroboter für Arbeiten am Meeresgrund an Bord sein.

Außerdem relevant in Fragen möglicher Spionage:

Das russische Atom-U-Boot Belgorod mit einer Länge von 178 Metern. Es kann demnach als Basis für kleinere Atom-U-Boote fungieren und diese bei Einsätzen am Meeresgrund freisetzen. Damit können etwa abgestürzte Flugzeuge geborgen werden. Ein weiteres Schiff seiner Klasse ist ebenfalls im Einsatz. Mit den abgesetzten Mini-U-Booten beider Schiffe könnten sowohl Abwehrsensoren installiert werden wie auch eine Manipulation von Unterseekabeln vorstellbar ist.

Sicherheitsexperte Mauro Gilli befürchtet, dass westliche Akteure dagegen wenig unternehmen könnten, Unterseekabel seien schwierig zu schützen. Man könne zwar an Küsten patrouillieren oder die Kabel stärker umwandeln, doch auf Hochsee könne indes wenig unternommen werden. Schwer zu ortende U-Boote könnten sich den Kabeln aus unterschiedlichen Richtungen nähern, ohne dabei westlichen Staaten aufzufallen.

Akute Störungen drohen nicht nur durch mögliche Manipulationen:

Konkrete Störungsquellen für Unterseekabel stellen insbesondere die Anker großer Schiffe sowie die Fischerei dar. Laut „Teleography.com“ lässt sich mehr als die Hälfte aller Störungen auf beides zurückführen. Ohnehin erachtet Experte Gilli das Verursachen eines weltweiten Ausfalls aufgrund vorhandener Redundanzen als für schwierig. Einige Kabel könnten sich allerdings als bedeutsamer herausstellen als andere. Dass ein gezielter Angriff auf solche Kabel vorgenommen wird, sei eine Bedrohung, die nicht unterschätzt werden sollte.

Quelle: t3n.de