Armut im Alter: Millionen bekommen weniger als 1000 Euro Rente – 2,4 Millionen Rentner, die 40 oder mehr Jahre gearbeitet haben, bekommen 1000 Euro oder weniger Rente pro Monat, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht. Für viele Menschen ist das zum Leben zu wenig. Demnach liegt jeder dritte Rentner, der mindestens 40 Jahre eingezahlt hat, unter der 1000-Euro-Grenze.

Selbst Menschen, die 45 Jahre ihre Beiträge gezahlt haben, sind betroffen: 814.000 Rentner bekommen weniger als 1000 Euro. Bei denjenigen, die 35 Beitragsjahre oder mehr verzeichnen, bewegt sich dieser Wert bei 3,4 Millionen Deutschen.

Wer mindestens 63 Jahre alt ist und als sogenannter langjährig Versicherter 35 Jahre Beiträge gezahlt hat, kann vorzeitig in Rente gehen. Doch dabei sinkt die Altersrente.

Bei den Rentnern mit 40 Beitragsjahren bekommen über eine Million unter 800 Euro im Monat, 302.000 Rentner, die 45 Jahre einzahlten, liegen ebenfalls unter dieser Grenze. Nicht angegeben wurde, wie viele der von der Situation Betroffene dabei Anspruch auf Grundsicherung im Alter erheben können, ebenso wenig wie mögliche Nebeneinkünfte.

Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch ging auf die Daten ein. Seine Kritik: „Löhne und Renten sind vielfach zu niedrig in Deutschland. Dass Millionen Menschen so wenig Rente erhalten, obwohl sie jahrzehntelang eingezahlt haben, untergräbt das Vertrauen in die gesetzliche Rente.“

Bartsch fordert zur Verbesserung der finanziellen Situation von Rentnern vor allem „einen gesetzlichen Mindestlohn von zwölf Euro und ein deutlich höheres Rentenniveau“. Nicht für eine hinreichende Verbesserung werde hingegen sonst die von der Koalition geplante und Rente sorgen.

Bartsch unterstrich: „Niemand soll im Alter von weniger als 1050 Euro netto leben müssen.“

Bei der Berechnung der gesetzlichen Altersrente kommt die sogenannte Rentenformel zum Einsatz. Diese besagt: Die Renten eines Beitragszahlers liegen umso höher, je länger er in die Rentenkasse einzahlt und je höher seine Beiträge sind.

Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich dabei eine monatliche Rentenbeitragsbelastung von 18,6 Prozent auf das Bruttoeinkommen. Doch die Einkünfte der Rentenversicherung genügen alleine nicht mehr, um die Belastungen zu decken, die für rund 21 Millionen Rentner aufgewandt werden müssen.

Die entsprechenden Fehlbeträge müssen demnach durch Subventionen des Steuerzahlers ausgeglichen werden – 2019 machten sie 98 Milliarden Euro aus, Tendenz steigend. Demnach sagt das Deutsche Institut für Altersvorsorge für 2020 voraus, dass die 100-Milliarden-Euro-Grenze dabei erstmals übersprungen wird.

Dieser Wert entspricht in etwa 30 Prozent der Gesamteinnahmen der Rentenversicherung. Somit sind die Beiträge, die in die Deutsche Rentenversicherung eingezahlt werden, nicht ausreichend, um selbst die jetzt schon von vielen als niedrig eingestuften Renten der Gegenwart zu bezahlen.

Laut einem Artikel des „Focus“ kann die Forderung der Linkspartei nach höheren Renten daher wohl nur realisiert werden, indem man die Beiträge stark erhöht. Dies wiederum werde sich aber negativ auf den Konsum auswirken, der durch die Corona-Krise bereits einen empfindlichen Schlag hinnehmen musste.

Quelle: focus.de