Sparbuchzinsen? Waren einmal. Auf Aktiengewinne werden Steuern fällig und Immobilien kann sich nicht jeder leisten. Doch es gibt alternative Investment-Optionen mit vielversprechenden Renditen. Und keine Sorge – es müssen keine Handtaschen oder Käthe-Kruse-Puppen sein. Autos, Uhren, Sportschuhe klingen besser? Sind sie auch: mit ein wenig Geduld und Einarbeitung ins jeweilige Fach …

Youngtimer und Oldtimer – fahren oder stehen lassen?

Autofahren hat schon mal mehr Spaß gemacht. Pop-up-Radwege blockieren Spuren, die Suche nach Parkplätzen gleicht einer Odyssee, und die CO₂-Steuer soll auch angehoben werden. Wie wäre es, Geld zu verdienen, statt zu zahlen und dafür einen Wagen zu pflegen, statt zu fahren? Allein innerhalb der vergangenen 15 Jahre stieg der Oldtimerindex der Südwestbank um mehr als 300 Prozent und damit um einhundert mehr als der DAX. Doch so groß die Kauffreude von Sammlern von Kraftfahrzeugen mit H-Kennzeichen auch ist – wer nicht schon einen Mercedes 300 SL Gullwing besitzt, wird ihn nicht aus der Portokasse erwerben können.

Der Tipp: die nächste Generation! Youngtimer zwischen 15 und 29 Jahren sind aktuell noch bezahlbar. Bei guter Wartung sind diese mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Vielfaches des ursprünglichen Kaufpreises wert. Sport- und Luxuswagen von Mercedes oder Porsche sind überaus nachgefragt, ihre Wertsteigerungen der letzten Jahre mehr als ansehnlich. Einzig der Ersatzteilmarkt für die elektronischen Bauteile ist mager. Also besser nur zu besonderen Anlässen und Sonntagsfahrten aus der Garage holen.

Viel mehr als Zeitmesser – teure Handgelenke

Armbanduhren sind bereits seit einigen Jahren ein beliebtes Investment für immer mehr Sammler. Doch der Markt ist intransparent, Reaktionen auf Veränderungen erfolgen oft spät – und der endgültige Wert bestimmt sich nicht zwangsläufig ausschließlich nach technischen Feinheiten und der Herstellerqualität. Vielmehr ist es ein wenig wie bei Kunst: Persönlicher Geschmack und Trend der Zeit nehmen Einfluss auf die individuelle Preisbildung. Dennoch: Während sich neue Uhren nur in Ausnahmefällen wie in limitierten Auflagen als Investment empfehlen, steigen weltweit bekannte Nobelmarken wie Rolex mit der Zeit garantiert in ihrem Wert.

Auktionsergebnisse in Millionenhöhe sind hier keine Seltenheit – vorausgesetzt, die regelmäßige Wartung lässt sich ebenso mit schriftlichen Nachweisen belegen, wie noch die Original-Box, Uhrendokumente und Kaufvertrag vorhanden sind. Denn mit der Beliebtheit von Armbanduhren als finanzielle Absicherung steigt auch die Anzahl ihrer Fälschungen.

Briefmarken und Münzen – aus dem Hobby Geld machen

Anbieten, die Briefmarkensammlung zu zeigen – und dann wirklich die Blaue Mauritius hervorholen? Das wäre eine Überraschung in doppelter Hinsicht. Denn so beliebt die kleinen Papiere mit ihren Zacken, so wenige von ihnen bringen wirklich Geld. Ganz abschreiben muss man sie allerdings auch nicht: Mit ein wenig Erfahrung und dem richtigen Händchen können sich auch hier Schätze heben lassen. Besonders begehrt sind aktuell gestempelte Briefmarken aus der Inflationszeit 1923 oder Postwertzeichen aus China, die während der zehnjährigen der Kulturrevolution gedruckt wurden.

Eine ähnliche Lage zeigt sich bei Münzen. Denn auch hier gilt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Dabei bringen echte Goldmünzen wie der südafrikanische Krügerrand oder die kanadische Maple Leaf in der Regel die sicherste Rendite. Das Problem bei Münzen: Starke Preisschwankungen, keine Zinsen, dafür Kosten für eine sichere Verwahrung. Unterschieden werden Sammler- und Anlagemünzen. Während Gedenk- und Sondermünzen oft aufgrund einmaliger Anlässe in limitierter Auflage herausgegeben und stark Trend-abhängig berechnet werden, unterliegen Anlagemünzen fast ausschließlich dem aktuellen Edelmetallpreis – einzig seltene Fehlprägungen erzielen hier hohe Renditen.

Achtsamkeit schließlich ist gefragt bei Medaillen: Diese gelten nicht als offizielle Zahlungsmittel und werden oft von privaten Unternehmen mit Wertversprechungen herausgegeben, die sie am Ende nicht halten können.

Sneakers – ins Leben der Männer geschlichen

Nur Frauen kaufen Schuhe? Weit gefehlt. Fußball-Nationalspieler Jerome Boateng soll allein rund 650 Paar von ihnen in seinem Schrank, Musiker Kanye West ein getragenes für umgerechnet fast 9.000 Euro verkauft und der damals sechzehnjährige  Benjamin Kapelushnik seine erste Million mit ihnen erzielt haben: Die Rede ist von Sneakers.

Der Boom um den Sport-Freizeitschuh hat bereits vor Jahren begonnen, und er ist noch nicht vorbei. Doch auch hier gilt: Nicht jedes Modell wird zu einem Verkaufsschlager. Limitierte Paare allerdings oder durch Hollywoodstars gehypte Auflagen schaffen weiterhin Sammel- und Kaufanreize. Nike ist als Hersteller fast immer eine sichere Bank, ebenso Retro-Modelle von Adidas. Doch wer Sneakers auf Handelsplattformen für sechsstellige Beträge verkaufen möchte, muss schnell sein, sobald ein neues angesagtes Paar angeboten wird. Denn die Lust auf das schnelle Geld mit dieser Fußbekleidung ist bei vielen Konsumenten besonders groß.

Getränke – von edlen Tropfen bis Kamille

Nicht jeder ist mental stark genug, eine Flasche Wein jahrelang zu lagern – zu verführerisch liegt sie da, als warte sie darauf, endlich geöffnet und genossen zu werden. Wer es doch schafft, die edlen Tropfen als reinen Wertgegenstand zu betrachten und den Korken nicht aufzieht, der kann mit einigen wenigen Trauben und Jahrgängen vor allem bei Auktionen hohe Summen erzielen. Von Château Mouton-Rothschild dürften auch Biertrinker schon einmal gehört haben, ein Margaux oder Haut-Brion können ebenso beachtliche Preise erzielen. Das Problem allerdings liegt hier nicht nur darin, die richtige Flasche zu finden – sondern auch, sie entsprechend ihrer individuellen Vorliebe bei konstanten Temperaturen, hoher Luftfeuchtigkeit und fest stehenden Regalen ohne Vibrationen zu lagern. Dann allerdings können erlesene Raritäten aus Spitzenlagen am Ende eine Goldgrube werden und nach dem anerkannten Handelsportal Fine-Wine-Index bereits innerhalb eines Jahres um über 20 Prozent in ihrem Wert steigen.

Ebenfalls als Goldgrube erweist sich flüssiges Gold. Doch auch hier sind Hersteller und Jahrgänge die treibenden Faktoren im Spiel um die höchsten Erlöse, der Geschmack spielt hier eine höchstens untergeordnete Rolle. Mit einem schottischen Single Malt Whisky aus dem 19. Jahrhundert ließe sich zwar durchaus in beiderlei Hinsicht Furore machen – allerdings dürfte es sich als kompliziert erweisen, eine solche Abfüllung in die Hände zu bekommen und dann auch noch bezahlen zu können. Experten raten zum Aufkauf von Lagerbeständen alteingesessener Destillen. Neben den schottischen Klassikern Glenmorangie oder Laphroaig hat sich inzwischen allerdings auch der japanische Karuizawa einen Namen gemacht. Einfach einmal risikoreich etwas Unbekanntes erwerben, kann sich nach Jahren also auch bezahlbar machen. Und wenn nicht, dann wird er eben doch getrunken.

Es muss auch nicht immer hochprozentig sein. Als Neuling unter den nach Zubereitung flüssigen Investments etablieren sich derzeit Teeblätter. Selbstverständlich auch hier nicht alle. Doch mit bis zu fünfstelligen Summen kann es sich primär bei der Sorte Puh Erh um eine lukrative Geldanlage handeln. Es ist ein wenig wie zurück in die Vergangenheit: In früheren Jahrhunderten war Tee in Asien ein anerkanntes Zahlungsmittel, und vor allem chinesische Investoren zeigen derzeit vermehrtes Interesse an den getrockneten Pflanzenteilen aus der Provinz Yunnam. Je älter die Teebäume, desto traditioneller der Dämpfungsprozess der Blätter, desto besser. Zu engen Fladen gerollt und trocken gelagert, können sich diese Wertanlagen rund 150 Jahre halten und in dieser Zeit an Reife gewinnen. Einen Geldgewinn wird allerdings nur erzielen, wer sich im Marktgeschehen auskennt – und bestenfalls auf Mandarin verhandeln kann.

Lego – von wegen nur für Kinder

Einmal Brückenbauer oder Cowboy sein oder ins All fliegen ohne die Hilfe US-amerikanischer Millionäre? Spielen macht Spaß, auch im Alter, und mit Lego sowieso. Doch auch hier gilt: Man könnte die Kiste auch geschlossen halten und auf eine Wertsteigerung der Bausätze hoffen. Mindestens vierstellige Summen lassen sich für Bauthemen-Sets oder limitierte Auflagen erzielen. Wer das Harry-Potter-Hogwart-Schloss aus Lego sein Eigen nennt, könnte einmal einen Blick auf die Internetpräsenz BrickEconomy werfen, auf der die Setpreise der vergangenen Jahre übersichtlich gelistet sind. Ein Wermutstropfen allerdings muss geschluckt werden: Die besten Preise erzielen ungeöffnete und originalverpackte Schachteln. Kreativ werden, das Lasso schwingen oder die Welt von oben sehen lässt sich dann leider doch nur mit einem Architektur-Seminar, Pferdehof-Urlaub oder Richard Bransons Virgin Galactic.

Alternative für Aktienmärkte?

Das lohnende Sammeln geht noch weiter, von Comics über Kois bis zu Bonsais. Eines gilt jedoch für alles – sollte sich der Griff zum alternativen Investment als Goldgriff erweisen, heißt es dennoch, den Übermut zu zügeln. Denn wer einen professionellen Handel mit Tee, Uhren und Co. beginnt, wird irgendwann Besuch vom Finanzamt bekommen. Und das muss ja nicht sein.