500.000 Euro Gewinn: Kiosk-Besitzer stiehlt Kundin das Rubbellos – Das Faible für Fernreisen und Luxusuhren kann einen Mann zu dummen Entscheidungen verleiten, wenn man ein Leben mit dem bescheidenen Einkommen eines Kiosk-Besitzers fristen muss. So wie im Falle des italienischen „Tabaccaio“ Gaetano Scutellaro, der in Neapel einen dieser Läden betreibt, in denen man neben Tabakwaren und allerlei Krimskrams auch Lottoscheine und Rubbellose kaufen kann.

Eben jenen Laden besuchte nun eine ältere Dame, die sich bei einem der Angestellten Scutellaros erkundigte:

„Junger Mann, kann es wirklich sein, dass dieses Rubbellos 500.000 Euro wert ist?“

Angesichts einer so hohen Summe rief der Mitarbeiter seinen Chef hinzu. Der nahm das Los entgegen, begab sich damit in den hinteren Teil des Ladens … und kam nicht mehr wieder.

Bei dem Schein handelte es sich nämlich tatsächlich um ein Gewinnerlos in Wert besagter halber Million.

Scutellaro wähnte von daher seine große Stunde als gekommen, und machte sich auf seinem Roller aus dem Staub.

Dazu muss man wissen, dass der Mann schon so einiges auf dem Kerbholz hatte und wegen mehrerer Überfälle bereits einsitzen musste. Er stand sogar unter Verdacht, 1989 an einem Raubüberfall teilgenommen zu haben, im Zuge dessen der Unternehmer Sergio Contessa ums Leben kam. Die Tat konnte ihm jedoch nie nachgewiesen werden.

Scutellaros jüngste Tat machte in Italien allerdings schnell die Runde, woraufhin die staatliche Monopolgesellschaft „Agenzia delle accise, dogane e monopoli“ (AMD), welche Lizenzen für Tabakläden vergibt, den durch den Fall beunruhigten Glücksspielern im Land rasch versicherte, dass das Los gesperrt wurde.

Der Dieb hielt sich indes für besonders schlau und eröffnete ein Konto bei einer Bank im zwischen Rom und Neapel gelegenen Latina, wo er das wertvolle Los deponierte. Dann machte er sich auf den Weg zum Flughafen Fiumicino, um sich in einen Flieger nach Fuerteventura zu setzen.

Dem umtriebigen Kiosk-Besitzer war jedoch nicht klar, dass seine dreiste Aktion ihm landesweite Berühmtheit eingebracht hatte:

So ziemlich jeder Italiener kannte mittlerweile sein Gesicht, waren die Bilder seines Facebook-Profils doch viral gegangen – natürlich begleitet von entsprechenden Kommentaren.

Und so kam es dann, dass Scutellaro noch vor dem Start seines Fliegers festgenommen werden konnte.

Den Beamten gegenüber versuchte er, sich mit einer abstrusen Ausrede zu erklären: Es sei sein Gewinnerbon (die Lose sind nicht personalisiert) und er habe sich nur aus Angst ins Ausland begeben wollen.

„Man wollte mir das Los stehlen und deshalb zeige ich auch die Frau an“, wird Scutellaro von „News24“ zitiert.

Angeblich habe ein Freund ihm das Los gekauft und die Rentnerin es bloß einlösen sollen, war er doch fälschlicherweise davon ausgegangen, der Gewinn betrage lediglich 500 Euro.

Die Geschichte zog allerdings nicht. Nicht zuletzt, weil eine Überwachungskamera Scutellaro dabei gefilmt hatte, wie er den Schein entgegennahm und mit dem Roller verschwand.

Die geprellte Rentnerin soll ihr Siegerlos nun zurückerhalten, was mit Blick auf die laufenden Ermittlungen allerdings noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen dürfte.

Scutellaro wiederum sitzt in U-Haft und wurde dort mittlerweile über den Entzug seiner Tabaccaio-Lizenz informiert. Außerdem versuchen die Behörden, herauszufinden, weshalb der ehemalige Ladenbesitzer Rente für Schwerbehinderte bezieht.

Quelle: focus.de