100 Euro und mehr: Bankkunden kriegen Geld zurück – Angefangen hatte alles mit der Postbank, die für ihre rechtswidrigen Gebührenerhöhungen vor Gericht landete. So hatte das Kreditinstitut seine Kunden per E-Mail über Gebührenerhöhungen informiert. Wer dem im Anschluss daran allerdings nicht ausdrücklich innerhalb zwei Monaten widersprach, musste die erhöhten Gebühren dann schlicht zahlen.

Hier wurden die Bankgebühren also nur mit stillem Einverständnis des Kunden erhöht. Das geht nicht und sei rechtswidrig, urteilte daraufhin der Bundesgerichtshof (BGH), nachdem der Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände geklagt hatte. Dieses Urteil hat weitreichende Folgen, schließlich war die Postbank nicht das einzige Kreditinstitut, das seine Gebühren rechtswidrig erhöhte.

98 Prozent der Banken betroffen

Laut dem Verbraucherportal „Biallo“ haben ganze 98 Prozent der Banken derartige rechtswidrige Kostenerhöhungen veranlasst. Diese können alle betroffenen Kunden nun rückwirkend ab dem 1. Januar 2018 zurückfordern. Mittlerweile geht es um mindestens fünf Milliarden Euro, die die Banken an ihre Kunden zurückzahlen müssen. Diese gigantische Summe errechnete das Verbraucherportal „Biallo“. Gründer Horst Biallo:

„Dieser Betrag bezieht sich aber fast nur auf die Erhöhungen der monatlichen Pauschalen. Insgesamt dürften es deutlich mehr, wahrscheinlich der doppelte Betrag, also rund zehn Milliarden Euro [sein].“ Durchschnittlich könnten Kunden deshalb rund 120 Euro zurückbekommen.

Rückzahlungen von 100 bis zu 300 Euro

Wie sich die Rückzahlungen berechnen, zeigt Biallo an einem Beispiel: „Die Commerzbank hat beleghafte Überweisungen und die Bargeldein- und Auszahlung von 1,50 auf 2,50 angehoben. Da kommt über viele Monate rasch was zusammen, je nach Anzahl der Verfügungen im Monat.“ Zudem hätten sich Gold-Kreditkarten um stellenweise 20 Euro pro Jahr verteuert. Darüber hinaus drehten Kreditinstitute auch an der Preisschraube bei Schließfächern.

Biallo: „Das können im Einzelfall 100 Euro und mehr im Jahr sein.“ Alle betroffenen Kunden können also die unlautere Mehrzahlung an Gebühren zurückverlangen. Allerdings gibt es nicht bei jeder Bank gleich viel zurück. Laut Biallo seien die Preise in Städten weniger stark angehoben worden als auf dem Land. Hier schwanken die Rückzahlungen von 100 bis zu 300 Euro.

Kunden sollen selbst aktiv werden

Wichtig hierbei sei aber, dass die Kunden selbst aktiv werden. Denn darauf zu warten, dass Banken es von sich aus tun, sei ein Fehler, mahnte das Verbraucherportal. So sollte man am besten mit einem Anwalt seiner Bank einen Besuch abstatten, um das Geld zurückzufordern. Gründer und Girokonten-Experte Horst Biallo sagte diesbezüglich:

„Ich glaube – offen gestanden – auch nicht, dass irgendwelche Musterschreiben, die man im Internet herunterladen kann, wirklich hilfreich sind.“

Quelle: biallo.de