Es ranken sich bekanntlich unzählige Verschwörungstheorien rund um die schrecklichen Terroranschläge des 11. Septembers 2001. Egal, wie viel Wahrheitsgehalt sie enthalten mögen, Fakt ist, Osama bin Laden wurde von den USA als Drahtzieher und Topterrorist dafür verantwortlich gemacht. Die Jagd auf ihn wurde eröffnet. Knapp zehn Jahre später wurde diese Terroristenhatz mit „Zero Dark Thirty“ verfilmt. Nun ist die detailliert aufgearbeitete Suche nach Amerikas Staatsfeind Nummer eins inklusive aller Zwischenerfolge und Fehlschläge fürs Heimkino erhältlich.

Darum geht’s:

Der Spielfilm zeigt die Ereignisse, die zwei Jahre nach den Anschlägen des 11. Septembers beginnen. CIA-Analytikerin Maya (Jessica Chastain) wurde zusammen mit CIA-Agent Dan (Jason Clarke) sowie einem kleinen Expertenteam für die Jagd nach al-Qaida-Führer Osama bin Laden abgestellt. Die Suche nach dem Aufenthaltsort bin Ladens beginnt in Pakistan, woraufhin acht lange Jahre der Ermittlungen im gesamten arabischen Raum folgen. Dabei wird nach allen Regeln der Kunst gefoltert und Menschenrechte mit Füßen getreten. Letzten Endes verlaufen alle Spuren jedoch im staubtrockenen Wüstensand. Kurz bevor die Suche als missglücktes Millionenprojekt abgetan wird, spürt das Team den al-Qaida-Kurier Abu Ahmed auf. Er ist es, der die CIA direkt zu Osama führt. Nun müssen die Navy Seals antreten, um der Verfolgung ein erfolgreiches und drastisches Ende zu bereiten.

Das ist gut:

Trotz des bekannten Ausgangs schafft es der Streifen, eine gute Grundspannung aufzubauen – und das trotz seiner stolzen Laufzeit von rund 2,5 Stunden. Ein beeindruckend intensiver Genrebeitrag, mit vielen leisen Tönen und einem angeregten Mix aus Dokumentation, Thriller und Drama. Besonders angenehm und positiv: „Zero Dark Thirty“ nimmt kein Schaumbad im amerikanischen Patriotismus. Der Film versucht, sich so nah wie möglich an die gut recherchierten Fakten zu halten. Kurz: authentisch, sachlich und dennoch sehr mitreißend. Das zeigt sich zudem in den Gewaltszenen, die zwar allesamt recht hart, dafür aber nicht im Übermaß oder als blanke Effekthascherei im Einsatz sind.

Das ist schlecht:

Aufgrund der gut dosierten Action, die eigentlich nur zum Ende des Films ausbricht, werden Zuschauer, die ein Knallbonbon erwartet haben, diesen Film nicht überleben. Es ist eher ein Streifen mit angezogener Handbremse und hohem Einschlaffaktor – wenn man sich nicht drauf einlassen mag. Auch der bewusste Griff zu weniger bekannten Schauspielern ist zwar nachvollziehbar, wird aber auch einige Zuschauer abschrecken. Zumal insbesondere Jessica Chastain in der Hauptrolle nicht unbedingt Sympathiepreise einheimsen wird.

Regisseurin Kathryn Bigelow hat sich wirklich an ein sperriges Thema herangewagt, dieses aber als Drama für die große Leinwand fesselnd und wendungsreich inszeniert. Natürlich ist der US-produzierte Streifen eine recht einseitige Geschichte, werden alle enthaltenen Fakten doch aus Sicht der USA dargelegt. Zudem ist die Folter-Kontroverse ein Punkt, an dem man sich reiben kann. Trotz allem ist „Zero Dark Thirty“ ein gut gemachter Film, der versucht, der Öffentlichkeit authentisch wie nüchtern die allseits bekannte Jagd auf Osama zu präsentieren. Die ersten zehn Minuten werden aber schlussendlich entscheiden, ob man sich drauf einlässt. Oder abwinkt.