„Titane“ – Film-Kritik – Es war einer der kontroversen Streifen des Jahres 2021. Viele titelten zu „Titane“, dass es der sogar der schockierendste Film war. Bei den Filmfestspielen in Cannes und später in den Kinos gab es etliche Zuschauer, die entrüstet nach Hause gingen. Ja, „Titane“ ist ohne Frage einer dieser ganz speziellen Filme, die mit einer Wucht an harten Szenen und hämmernden Bildern das Emotionszentrum treffen.

Das alles ist kein Wunder, stammt dieser Horror-Schocker von keiner Geringeren als der  französischen Regisseurin Julia Ducournau. Die sorgte bereits 2016 mit ihrem Kannibalen-Debütfilm „Raw“ bei den Filmfestspielen dafür, dass einige Zuschauer aufgrund der explizierten Szenen in Ohnmacht fielen. Mit „Titane“ gibt es nun ihren zweiten Streich für das Heimkino, der ohne Frage zu den abgedrehtesten und wildesten Streifen des Vorjahres zählt.

Kein Kind von Traurigkeit

Denn mit Bondage-Sex mit einem Auto, Haarnadel-Morden und Frauen mit Brüsten, aus denen Motoröl statt Muttermilch fließt, präsentiert sich Julia Ducournau nicht als Kind von Traurigkeit. Alles beginnt in „Titane“ mit einem Autounfall. Der schwerverletzten kleinen Alexia wird aufgrund der Folgen des Unglücks eine Titanplatte in den Schädel transplantiert.

Als sie das Krankenhaus verlassen darf, rennt sie aber nicht glücklich in die Arme ihrer Eltern, sondern steuert auf das Familienauto zu, das sie voller Liebe umarmt und küsst. Dann springt der Streifen 30 Jahre in die Zukunft, wo es dann so richtig wild wird. Die mittlerweile erwachsene Alexia lebt nicht nur ihre exzessive Autoliebe aus, sie ist auch zur Killerin mutiert.

Außerdem ist sie auf der Flucht, nimmt dabei die Identität eines zehn Jahre zuvor verschwundenen Jungen an und beginnt eine Metamorphose in ein alles andere als humanes Wesen. Alleine der Plot zeigt, dass „Titane“ alles andere als ein Film für die breite Masse ist. Und was die exzessiven und expliziten Brutaloszenen betrifft, erst recht nicht.

Modernes Arthouse-Kino trifft Body-Horror

„Titane“ bietet halt modernes Arthouse-Kino, das blutigen Body-Horror mit einfließen lässt. Es ist aber auch ein Film, der wesentlich tiefer geht und das aktuelle Gender-Thema behandelt. Am Ende kann man diesen Streifen aber auch als begnadet gute Verarbeitung sexualisierter Gewalt interpretieren. Ja, „Titane“ lässt generell viel Freiraum, seine eigene Interpretation des Gesehenen aufzustellen.

Genrefans werden sicherlich ihre Freude mit diesem kontroversen und teils verstörenden Streifen haben. Neben dem interessanten Plot punkten aber auch die gesamte Darstellerriege und auch der geniale Soundtrack des Films. Schlussendlich stellt euch auf einen ganz besonderen Film-Trip ein, der euch noch lange nach dem Abspann im Kopf herumgeistern wird!

Titane (Koch Films) – VÖ: 27. Jan. 22