Vor allem ältere Männersemester werden sich noch an die ersten fesselnden Wildwestfilme im Schwarzweiß-Fernsehen erinnern. Die Filme um Cowboys und Indianer haben sich eigentlich in jedes Männerherz gespielt. Wer erinnert sich nicht an John Wayne oder die weltbekannten Charaktere Winnetou oder Old Shatterhand. Doch dass Western auch unkonventionelle Wege gehen können, zeigt 'The Homesman' von und mit Tommy Lee Jones ('Men in Black'), der die dunklen Seiten des amerikanischen Traums zeigt. Dieser traditionsbewusste Film ist jedoch weitmehr als ein Abenteuer hoch zu Ross. Wieso dem so ist, verraten wir euch in unserer Kinokritik.

Darum geht’s:

Wir befinden uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts, irgendwo in den endlosen Weiten des Wilden Westens. In einer kleinen Gemeinde lebt Mary Bee Cuddy (Hilary Swank) einsam und überaus gottesfürchtig mit ein paar weiteren Frauen ausgeflogener Pioniere. Dass man dort den Verstand verlieren kann, ist jetzt nicht so weit hergeholt. Gleich drei Frauen ereilt dieses Schicksal, worauf Mary dieses Trio in den zivilisierten Osten bringen soll, wo ihnen geholfen werden kann. Auf dem Weg dorthin trifft sie auf den Outlaw George Briggs (Tommy Lee Jones) in einer Notlage. Sie rettet ihm das Leben und verlangt dafür, dass er sie auf ihrer Reise begleitet und beschützt. Das tut nämlich not, denn schon bald treffen sie auf nicht gerade umgängliche Siedler, Indianer sowie Banditen. Der ohnehin schon beschwerliche Weg wird nicht leichter, als ihnen die raue Natur ebenfalls Steine in den Weg legt. Kein leichtes Abenteuer für das ungleiche Duo, in dem Briggs immer wieder versucht, sich als schlechten Kerl darzustellen. Doch die beiden näher sich im Laufe der Zeit immer näher an. Bis Mary dem bindungsunwilligen Briggs die Ehe anbietet – Oh weia!

Das ist gut:

Ja, da müssen wir Männer durch, aber der coolste Cowboy ist in diesem Streifen das sexy Cowgirl Hilary Swank, die hier mal ganz fest die Zügel in der Hand hält. Das gefällt nicht nur sehr gut, sondern dies ist auch der große Stilbruch, des eher männerdominierten Western-Genres. Wobei Tommy Lee Jones in diesem Wild-West-Drama ebenfalls eine saustarke Performance abliefert. Und beide zusammen, als überaus witziges Duo, hätten bei ihrem tollen Zusammenspiel nicht mal stark besetzte Nebendarsteller gebraucht. Ein sehr atmosphärischer Film, der anhand atemberaubender Western-Panoramen sowie mit passendem Soundtrack außerordentlich gut den Wilden Westen ins Kino bringt. Gefallen hat zudem, dass der Plot sehr viel Spannung in den bedrohlichen Situationen bietet, aber alles immer wieder mit humorigen Passagen auflockert. Hier hat Jones als Regisseur und Drehbuchautor ein hervorragendes Gespür bewiesen, die Dialogwitze sowie Situationskomik in den richtigen Momenten abzufeuern. 

Das ist schlecht:

Schlecht ist an diesem Film gar nichts. Es ist halt kein Action-Wildwestfilm, in dem einem alle Nase lang die Bleikugeln um die Ohren schießen. Auch wer auf traditionelle Western steht, könnte hier so seine Probleme bekommen. Das hat dann aber eher etwas mit dem eigenen Geschmack zu tun statt mit dem Plot oder der Inszenierung.

Tommy Lee Jones hat auch bei seiner zweiten Regiearbeit ein gutes Händchen bewiesen. Dieses Mal mit einem unkonventionellen Western-Drama, das so herrlich anders ist als der Standard und dennoch ein tolles Wild-West-Feeling anbietet. Dazu ist der Streifen auch noch sehr dramatisch und hat etliche witzige Momente. Außerdem bekommt man hier ein überaus geniales Mann-Frau-Duo zu sehen, das den Film komplett trägt und beste Unterhaltung bietet. Kurzum - ein sehr sehenswertes, emotional-spannendes Abenteuer, dass Oldschool-Cowboys verschrecken könnte, aber Männer mit der Liebe zu toughen Cowgirls begeistern wird.