„The Green Knight“ – Film-Kritik – Hurra! Endlich mal wieder ein rassiger Ritterfilm mit bestem mittelalterlichem Flair. Doch nein, so haltet ein! So ist das in dem pompös ausstaffierten Streifen „The Green Knight“ von Regisseur David Lowery nämlich nicht. Wir haben es hier zwar mit einem auf der Artuslegende basierenden Ritter-Epos zu tun, das aber so enorm anders ist, als man es wahrscheinlich erwartet.

So erzählt „The Green Knight“ die abenteuerliche Geschichte des tollkühnen Sir Gawain, Ritter der Tafelrunde, die sich an der englischen Sage „Sir Gawain and the Green Knight“ aus dem 15. Jahrhundert orientiert. Um sich vor seiner Familie, seinem Volk und letztlich auch sich selbst zu beweisen, begibt sich der Neffe des König Artus auf die Reise seines Lebens mit dem Ziel, sich der ultimativen Herausforderung zu stellen: dem sagenhaften Grünen Ritter, einem gigantischen, smaragdgrünhäutigen Fremden und Prüfer der Menschen.

Somit sei nicht zu viel verraten für all jene, die den Streifen noch nicht gesehen haben. Regisseur David Lowery präsentiert uns hier eine wunderbare Fantasy-Story eingewebt in ein mittelalterliches Gewand. „The Green Knight“ entpuppt sich als eine Mischung aus Fantasy-Drama, Ritter-Roadmovie   und Art Kino, das in Kombination oft an einen surrealistischen Fiebertraum erinnert.

Andersartigkeit des Filmemachens

Ein Film, der von seinen imposanten Bild-Kompositionen lebt und dieser wahnsinnigen Atmosphäre. Es ist ohne Frage kein leichter Streifen. Denn durch etliche Sprünge und eine mitunter herausfordernde Erzählweise droht der Zuschauer auszusteigen. Diese Andersartigkeit des Filmemachens verwundert nicht, wenn man weiß, dass das Erfolgsstudio A24 dahinter steht.

Somit muss man sich bewusst sein, dass in „The Green Knight“ mehr Art Kino drinsteckt, als alles andere. Wer also einen luftigen Ritter-Popcorn-Fantasy-Actioner erwartet, sollte schnellstens sein Pferd satteln und von dannen reiten. Aufgeteilt ist der Streifen in mehrere Kapitel mit episodischen Handlungen, die die Reise zum grünen Ritter zeigen und zusammen ein interessantes filmisches Bild ergeben. Jedes Kapitel fördert dabei auch stellenweise überaus amüsante Szenen zu Tage.

Dem Ganzen aber zu folgen, ist dann wiederum nicht immer leicht und bringt den ganzen Film zum Wanken, aber am Ende eben nicht zum Fallen. Man wird in „The Green Knight“ so überhaupt nicht als Zuschauer an die Hand genommen, sondern muss sich seinen Weg selbst durch diese skurrile, sphärische Fantasy-Welt bahnen.

Gegenentwurf zu einem klassischen tollkühnen Ritter

Mittendrin Dev Patel als Ritter Gawain, der einen genialen Gegenentwurf zu einem klassischen tollkühnen Ritter abgibt. Das ist vor allem nicht störend, weil es zur Machart des Films passt. Immer vorausgesetzt, dass man sich auf diese Andersartigkeit auch einlassen mag. Überaus aufregend sind zudem wahrhaft verschrobene Figuren, die einem dauerhaft im Film begegnen. Hierbei hervorzuheben sind ganz klar Alicia Vikander und Joel Edgerton in ihren Rollen.

Das was „The Green Knight“ am Ende aber so besonders macht, ist schlicht seine grandiose Visualität. Was man hier auf die Leinwand projiziert hat, ist schlichtweg großes Kino und meisterhaft. Was hier an wunderschön komponierten Bildern bis hin zu prägnanten Plansequenzen abgefeuert wird, ist beeindruckend und erschafft eine einzigartige Fantasy-Traumwelt, die einem lange im Kopf hängen bleibt.

Schlussendlich steht man bei „The Green Knight“ vor einem filmischen Werk, das definitiv keine leichte Kost bietet und jede Menge Interpretationsspielraum offenbart. Zugleich bekommt man bildgewaltiges Fantasy-Art-Kino geboten, das man in dieser Form noch nie gesehen hat. Eine echte Film-Überraschung. Im positiven Sinne.

The Green Knight (EuroVideo Medien) – VÖ: 09. Dez. 21