Glaubenskriege sind immer so eine Sache. Man kann beide Seiten verstehen und so ist es auch mit den neuen „Star Trek“-Filmen. Trekkies fühlen sich teilweise verschaukelt, ihnen gefallen neu interpretierte Details nicht oder sie rümpfen die Nase, weil eventuell nicht das Flair der „Star Trek“-Klassiker erreicht wird. Auf der anderen Seite hat man die weltoffenen Trekkies und SciFi-Action-Fans, denen das neue Bombastkino aus der J.J. Abrams-Schmiede gerade recht kommt. Es gibt sogar viele Science-Fiction-Fans, die erst mit dem neuen „Star Trek“ einen Zugang zur Welt von Kirk, Spock & Co gefunden haben. Mit dem Versuch, ein wenig Neutralität walten zu lassen, haben wir uns die dieser Tage erschienene Home Entertainment-Veröffentlichung von „Star Trek – Into Darkness“ noch einmal genauer angesehen und stellen sie euch vor. Es soll ja wirklich Menschen geben, die diesen Streifen nicht im Lichtspielhaus gesehen haben.

Darum geht’s:

Alles beginnt mit Spock (Zachary Quinto), der auf einem fremden Planeten ein unterentwickeltes Volk vor der sicheren Zerstörung rettet. Er selbst überlebt nur, weil Kirk (Chris Pine) gegen die oberste Direktive verstößt und ihn rettet. Das hat natürlich Folgen, woraufhin Kirk degradiert wird und die Enterprise wieder unter dem Kommando von Christopher Pike (Bruce Greenwood) steht. Die Geschichte ist jedoch nicht von langer Dauer. Denn als der neue Bösewicht John Harrison (Benedict Cumberbatch), kein geringerer als Khan himself, auf der Bildfläche erscheint, ändert sich die Szenerie. Mit Anschlägen auf die Föderation erschüttert Khan die Föderation und Sternenflotte in ihren Grundfesten. Kirk, durch diese Akte auch persönlich getroffen, schwört Rache. Samt Enterprise und Crew jagt er Khan und gerät dabei in eine Falle. Hinein in die Finsternis, mit einem sonnigen Ende?

Das ist gut:

Zuerst einmal gefallen drei Dinge: Action, Spannung und der Cast: J.J. Abrams feuert hier aus allen Rohren, Explosionen hier, Feuergefechte dort, dann ein  Klingonen-Angriff, blitzende Lichter und spektakuläre Effekte – eben ganz viel Bang, Boom & Krach. Ja, das wird Actionfans gefallen, viel Zeit zum Luftholen bleibt da nicht. Neben den aus dem ersten Teil bekannten Schauspielern ist es allen voran Chris Pine, der weiter in seiner Rolle gewachsen ist. Benedict Cumberbatch als Khan mimt einen coolen Widersacher, ist gut gewählt und strahlt eine glaubwürdige Düsternis aus. Die Story ist zwar etwas nüchtern, schafft es jedoch bei der Stange zu halten und unterhält bis zum Ende. Auch der pointierte Humor sowie die Hommage an den Klassiker „Der Zorn des Khan“, die in einigen Szenen zum Vorschein kommt, gefallen sehr.

Das ist schlecht:

So ganz lassen kann J.J. Abrams seine visuelle „Star Wars“-Bombastromantik nicht. Das, was auf der einen Seite für krasse und atemberaubende Action sorgt, ist auf der anderen Seite ein Manko. Denn die eine oder andere Ruhephase mit etwas tiefgründigeren Dialogen wäre schön gewesen und hätte etwas mehr Charme hineingebracht. Auch über das Ende kann man sicherlich streiten, das zudem etwas zu kurz kommt. Überdies findet man im zwölften Teil ein paar schwarze Logiklöcher von derartigen Dimensionen, dass sie selbst Spock um den Verstand bringen würden.

Was gab es schon für hitzige Diskussionen um den zwölften „Star Trek“-Teil, mal konspirativ, offen, mal überaus sinnlos oder kleinkariert. „Into Darkness“ will keine Neuauflage von „Der Zorn des Khan“ sein. Kein neuer „Star Trek 2“, sondern „Star Trek 12“, der die Vorgeschichte erzählt, wie es zum ersten Kontakt mit Khan gekommen ist und in Ansätzen erklärt, wieso Khan später solch einen Zorn auf Kirk & Co. hegt. Trotz der Zerstörungsorgie von Abrams kommt ein neues „Star Trek“-Flair auf, das sicherlich anders ist, als die der Klassiker, sich aber nicht zu verstecken braucht. Mehr Action, mehr Effekte, weniger Pausen und pure Unterhaltung – „Star Trek: Into Darkness“. Und das alles mit einem wirklich toll gewählten Khan-Bösewicht in Gestalt von Benedict Cumberbatch, der sogar ein klein wenig an der Khan-Genialität des Ricardo Montalban aus „Star Trek 2“ kratzt. Am Ende ist es so, dass Teil zwölf ein guter Nachfolger der neuen „Star Trek“-Epoche geworden ist. Es ist nicht der beste Streifen der Enterprise-Saga, auch keine Bedrohung für die zehn Klassiker. Aber es ist ganz sicher ein überaus unterhaltsamer, spannender als auch honoriger Vertreter für die meisten Trekkies und alle SciFi-Fans.