Nachdem der erste Teil der Comic-Umsetzung quasi von null auf hundert die Zuschauer vom Hocker riss, freut man sich natürlich um so mehr auf den zweiten Akt. Schließlich musste man stolze neun Jahre auf die Fortsetzung warten. Dabei können wir uns wieder auf die glutheiße Jessica Alba als Männerkopfverdreherin Nancy Callahan freuen, aber auch auf Geschnetzeltes von Hartigan, Miho oder Marv. Obendrauf gibt es neue Schurken und Helden mit Joseph Gordon-Levitt oder Eva Green. Es ist also angerichtet – wir verraten euch, ob Jessica Alba die Einzige ist, die vor der Kamera die Sau rauslässt und sich eine erneute Fahrt in die verkommene Sin City lohnt.

Darum geht’s:

„A Dame To Kill For“ besteht – wie der Vorgänger – ebenfalls aus mehreren Kurzgeschichten rund um die verrucht-düstere Welt Sin Citys. Zum einen haben wir da Johnny (Joseph Gordon-Levitt), der beim Glückspiel leider zu erfolgreich ist. Das passt einigen Gangstern überhaupt nicht, woraufhin er in deren Fänge gerät. Marv hingegen wollte eigentlich nur seinem Sextraum, Stripperin Nancy, zusehen, wie sie sich aalend um die Stange wickelt. Doch er erwacht inmitten eines Haufens bestialisch ermordeter Jugendlicher. Und fragt sich nun, wie aus seinem Traum ein Albtraum wurde. Vamp Nancy befindet sich derweil immer noch in der Trauerarbeit um den verstorbenen John Hartigan. Sie sinnt auf Rache und heckt einen Plan aus, um seinen Mörder, Senator Roark (Powers Boothe), zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem hätten wir da noch die Titelgeschichte um Dwight McCarthy (Josh Brolin) sowie seine Femme fatale Ava (Eva Green). Nachdem sie Dwight für einen Millionär verlassen hatte, kehrt sie zu ihm zurück und bittet um Hilfe. Denn ihr versnobter Gatte Damien Lord (Marton Csokas) misshandelt sie auf übelste Art und Weise. Das wiederum kann ein McCarthy nicht so einfach stehen lassen.

Das ist gut:

Der zweite Teil hat es natürlich nicht leicht, das epische Erstlingswerk zu übertreffen oder zumindest daran anzuknüpfen. Insbesondere weil damals „Sin City“ als Überraschungserfolg mit seiner Machart, dem Artdesign und der mitreißenden Atmosphäre sämtliche Zuschauer sprachlos machte. Was am zweiten Teil gefällt, sind die Erzählungen der einzelnen Episoden, die sich herrlich in das Sin City-Setting einfügen – mit einer Ausnahme, aber dazu später mehr. Positiv fallen zudem die 3D-Effekte ins Auge, die aus der Comic-Optik noch ein paar Prozent mehr herausholen. Da man im zweiten Teil auf viele altbekannte Charaktere vertraut und dazu ein paar wirklich gute Neulinge präsentiert, hat man diesbezüglich bei den meisten Fans auch schon mal ein Stein im Brett. Dennoch …

Das ist schlecht:

… gibt es einige Hindernisse, an denen man sich stoßen kann. So ist es definitiv ratsam, den ersten Film zu kennen, da einige Erzählungen auf den Geschehnissen des ersten Teils aufbauen. Dann ist das noch die gewaltige Erwartungshaltung, die man als Zuschauer damals nach so einem heftigen ersten Ausflug nach „Sin City“ entwickelt hat. Denn der zweite Akt kann nicht den Überraschungseffekt des Neuen auf der Habenseite verbuchen. Da die Machart bekannt ist, hätte man für wesentlich mehr Abwechslung sorgen müssen, was die Optik betrifft. Atmosphärisch ist das Ganze sicherlich noch, aber irgendwie fehlt das Feuer des ersten Teils. Außerdem wäre da noch die Story um das Stripgirl Nancy. War die Geschichte im Vorgänger noch richtig mitreißend, so wurde hier wirklich großes Potenzial einfach in die Tonne an der nächsten Straßenecke Sin Citys geworfen. Denn der Handlungsstrang um Hartigans Mädchen ist in etwa so spektakulär wie Heidi auf der Alm. Ärgerlich!

Okay, die Fortsetzung ist jetzt nicht so mies, wie sie vielerorts gemacht wurde. Aber um an den ersten Teil heranzukommen, fehlt es deutlich an Innovation, Feuer sowie Durchschlagskraft. Die Geschichten sind bis auf den Fehlschuss mit Nancy gut geworden. Auch sonst geht es eigentlich echt finster zur Sache im versumpften Loch Sin City. Alles gut, aber wie gesagt, es fehlt der Überraschungseffekt, der uns damals vor Begeisterung förmlich in den Kinosessel gepresst hat. Es ist ein visuelles Problem, auf das man hier stößt, weil Optik allein keinen Film trägt. Trotz allem bleibt „Sin City 2: A Dame to Kill For“ eine unterhaltsame Comicverfilmung voll mit korrupten Politikern, leichten Mädchen, dunklen Rächern sowie jeder Menge Blut. Das reicht immer noch aus, um den nächsten Männertrip ins Kino zu planen. Außerdem hätten wir da immer noch dieses heiße Girl an der Stange …