Weiter geht es mit unserer Rubrik „Serien von damals“: Nachdem wir in den letzten Wochen Klassiker wie „21 Jump Street“ oder „Airwolf“ behandelt haben, wird es jetzt etwas beschaulicher. Wer in seiner Kindheit gerne Zeichentrick-Serien auf RTL 2 gesehen hat, wird diesen Meilenstein des Sport-Animes kaum vergessen haben: „Mila Superstar“ war ursprünglich nur an Mädchen gerichtet, konnte seinerzeit aber auch Jungs begeistern.

Ab Oktober 1993 lief das Format bei RTL 2 und zählt damit zu den absoluten Anime-Klassikern der frühen 90er Jahre. Doch wie das bei Anime so ist: Erst durch „Mila“, „Kimba – der Weiße Löwe“ und natürlich „Dragonball“ kam der Trend damals auch in Deutschland so langsam an. „Mila Superstar“ ist dabei viel älter, die Zeichentrickversion des Mangas flimmerte in Japan bereits zwischen 1969 und 1971 über die Mattscheiben.

„Mila Superstar“ ist deshalb von so zentraler Bedeutung, weil es dieser Manga bzw. seine spätere Anime-Version war, die den sogenannten „Shojo“-Stil entscheidend prägte, weil er diese exklusiv an weibliche Leser gerichtete Sparte der Comics zum ersten Mal überhaupt mit dem Thema „Sport“ vermengte. Doch warum konnten sich zu seligen RTL 2-Anime-Zeiten auch Jungs neben den „Tollen Fußballstars“ und den „Kickers“ für „Mila Superstar“ begeistern?

Siegen um jeden Preis

Das lag nicht zuletzt an der packenden Handlung, die Themen wie Verlust, Schmerz und Kampf gegen (nicht nur) sportliche Widerstände auch bei schwerer Verletzung zum Thema hatte: In der Handlung genest die 12-jährige Mila von einer schweren Lungenerkrankung. Gerade weil sie so lange eine so miese Konstitution hatte, kennt sie nun nur ein Ziel: die beste Volleyball-Spielerin der Welt zu werden. Der Ehrgeiz hat sie gepackt, sich selbst dies zu beweisen.

Für fast alle um sie herum ist das ein aussichtsloser Kampf, den „die Kranke“ nicht gewinnen kann – doch weder sie selbst noch ihre Trainer geben Mila auf. Mit unbeugsamem Willen und Ehrgeiz stellt sie sich den Herausforderungen, auch wenn ihr das Leben immer wieder Steine in den Weg legt und schließlich sogar ihr bester Freund stirbt.

Auf den ersten Blick mochte „Mila Superstar“ seinerzeit nur an Mädchen gerichtet sein – doch die Geschichten um Ehrgeiz und sportliche Rivalität sind universell und konnten jedes Publikum begeistern. Hinzu kommt ein zeitloser Zeichenstil, der dafür sorgt, dass man auch heute noch mit modernen Sehgewohnheiten „Mila Superstar“ gut schauen kann, ohne sich allzu krass befremdet zu fühlen. Ein unvergessener Klassiker unter den Zeichentrickserien und ein bahnbrechender Wegbereiter für die spätere Anime-Welle auch hierzulande.