Man kann heutzutage kaum noch den Fernseher einschalten, ohne von billig produzierten, unmenschlichen Reality-Formaten überflutet zu werden. Sendungen, in denen vermeintliche Asis, „Hartzer“ und andere Mitmenschen zur Belustigung und aus blanker Profitgier vorgeführt werden. Oftmals hat man als Zuschauer den Eindruck, dass diese Leute sich zu übertrieben verhalten oder an der Grenze zur geistigen Behinderung agieren. Da fragen sich viele seit langem: Kann man nichts gegen diese – Pardon! – televisionäre Scheiße unternehmen!? Doch, man kann …

Jan Böhmermann, nach der Affäre um das Erdogan-Gedacht für einige Wochen abgetaucht, meldete sich am 12.05. mit einem Knall zurück. „Böhmi“ und das ‘NEO Magazin Royale’ sind dafür berüchtigt, mediale Stunts perfekt zu inszenieren oder Hochstapler und jene, die vom Leid oder der Gutgläubigkeit anderer profitieren, vorzuführen. Erdogan mag das prominenteste Opfer sein, doch auch Campino von den Toten Hosen oder konsumsüchtige YouTube-Sternchen hat es schon erwischt.

Diesmal hat sich das Team die „Sendung“ ‘Schwiegertochter gesucht’ vorgenommen. So hatte die Redaktion zwei professionelle Schauspieler als vermeintliche Kandidaten in die Trashparade geschmuggelt. Um a) wohl zu zeigen, dass es geht und b) einen Blick hinter die Kulissen dieser Vorhölle der Fernsehunterhaltung zu werfen. Ein Jahr hatten die Vorbereitungen gedauert, inklusive angemieteter „Asi“-Wohnung. Da das Format von Vera Int-Veen moderiert wird, firmiert die Aktion beim neo Magazin unter dem Hashtag ‘Verafake’.

Knebelverträge und Geiz
In dem Format suchen offenkundige Versager und Sonderlinge nach der Liebe – finden in der Regel seitens der Zuschauer jedoch nur Häme und Spott. Lange gab es Gerüchte, RTL und die Macher des Formats würden die teils absonderlich wirkenden Kandidaten noch „frisieren“, alles liefe nach Drehbuch und den Teilnehmern würden Knebelverträge auferlegt. Böhmermanns eingeschleuste Maulwürfe konnten dies wunderbar aufzeigen.

So brauchen Kandidaten zur Teilnahme beispielsweise einen Personalausweis – den hatten die Schauspieler wegen ihrer falschen Identitäten natürlich nicht. Den Machern der Sendung war das egal, so wurde eben ohne gedreht. Für 30 Drehtage erhalten die Teilnehmer übrigens satte 150 Euro Aufwandsentschädigung. Nicht pro Tag, sondern insgesamt! Ein schmackhaftes Detail, das tief hinter die moralischen Vorstellungen solcher Shows blicken lässt und welches Böhmermann mit sichtlichem Genuss vorführte.

Am Ende der Aktion stellte er mögliche weitere Medienstunts seitens des neo Magazine Royale in anderen Trash-TV-Formaten in Aussicht: „Wer weiß, in welche Sendungen wir noch Kandidaten eingeschleust haben – lasst euch überraschen!“ Wir können nur hoffen, dass die Macher solch geschmackloser Paraden endlich merken, dass ihnen jemand auf die Finger schaut. Ein bisschen Paranoia schadet nichts. Im Gegenteil: Hier nützt es vielleicht was und das Fernsehen wird endlich besser. Zu hoffen wäre es.