Oh mein Gott, ein „RoboCop“-Remake ... Das geht gar nicht! Niemals! Das ist zumindest der Tenor, der im Vorfeld aus den Mündern vieler Fans und Kritiker kam. Gerade weil viele die Befürchtung hatten, dass man das gefeierte Science-Fiction-Original aus dem Jahre 1987 mit einem aufpolierten Remake nur beschmutzen könnte. So, wie es unzählige Neuinterpretation von anderen Klassikern in den letzten zehn Jahren gemacht hatten. Doch nun wird endlich die Wahrheit ans Licht kommen, denn seit Kurzem marschiert Alex Murphy wieder als Superbulle RoboCop durch Detroit. Ob die kultige Menschmaschine in José Padilhas neuem Kinoblockbuster Kritiker verstummen lässt, oder Paul Verhoevens Original unerreicht bleibt, haben wir für euch ergründet.

Darum geht’s:

Im Jahr 2028 ist der multinationale Megakonzern OmniCorp globaler Marktführer für Robotertechnologie. Die von ihm produzierten Drohnen werden weltweit eingesetzt und sichern OmniCorp ein beachtliches Vermögen. Zu dieser Zeit versucht der engagierte Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman), die steigende Kriminalität und Korruption in seiner Heimatstadt Detroit mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen. Als er im Dienst schwer verletzt wird, ist dies für OmniCorp die Gelegenheit, seine umstrittene Technologie endlich auch in den USA zum Einsatz zu bringen. Der Plan ist, im von Verbrechen verwüsteten Detroit den perfekten Polizisten zu schaffen: einen Gesetzeshüter, halb Mensch halb Roboter. Als Murphy im Krankenhaus erwacht, versteht er, dass er als  nahezu unverwundbarer und gleichzeitig kontrollierbarer Prototyp dieser Erfindung den Reichtum von OmniCorp vervielfachen soll. Doch mit einer Sache hat der Konzern dabei nicht gerechnet: Sein Produkt besteht, zumindest in Teilen, aus einem menschlichen Wesen, das sich nicht vollständig kontrollieren lässt. Und mit Alex Murphy hat OmniCorp eindeutig auf das falsche Versuchsobjekt gesetzt …

Das ist gut:

Silbergrau oder Schwarz? Eine Designfrage, die im Vorlauf des Films bereits ellenlange Diskussionen nach sich zog. Nun, der neue, schwarze RoboCop ist rein optisch keinen Deut schlechter anzusehen als das Original. Die Veränderung der Farbe des Anzuges ist quasi das markante Zeichen dafür, dass Regisseur José Padilha eine recht eigenständige Neuinterpretation der Scifi-Bullen erschaffen hat. Und genau das ist es, weshalb „RoboCop“ im Jahre 2014 als Blockbuster funktioniert. Diese eigene Herangehensweise, ohne dabei auf Basiselemente des Originals zu verzichten, gefällt, ist der neue Streifen doch sehr unterhaltsam. Die Effekte im Film sind jedoch, angesichts der heutigen Möglichkeiten, nur solide. Amüsanterweise sticht als Schauspieler nicht Joel Kinnaman hervor, sondern Gary Oldman, der als hin- und hergerissener Wissenschaftler eine knallermäßige Performance abliefert. Ansonsten gefällt noch Padilhas Sozialkritik, die der Frage nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine nachgeht sowie dem Twist zwischen freien Gedanken und Fremdbestimmung.

Das ist schlecht:

Gerade dem harten Kern, der das Original abfeiert, wird der eher lasche Gewaltgrad total auf die Nüsse gehen. Die Neuverfilmung braucht diese Gewaltszenen zwar nicht unbedingt, aber da auch die Actionszenen im Remake weniger geworden sind, ist der direkte Vergleich zum 87er-Kult schon extrem. Was zudem eher negativ auffällt: Paul Verhoevens extreme schwarzhumorige Gesellschaftskritik wird nie wirklich erreicht. Zudem hat die Story des Remakes einige sehr unnötige Ecken und Kanten und befindet sich erzählerisch nicht auf dem Niveau des Urfilms. Was man RoboCop selbst vorwerfen könnte, ist seine Agilität. Denn im Jahre 2014 merkt man ihm seinen massiven Anzug nicht unbedingt an. Eine Tatsache, wo das 80er-Pendant nur neidisch dreinblickt, Fans aber doch etwas den Roboterstyle vermissen werden.

RoboCop stampft also wieder – und das in Schwarz, statt Silbergrau. Mal das Design außen vor gelassen: Das Remake ist einfach eine schwierige Kiste. Fans des Originals werden vieles vermissen, wohingegen andere die neue Machart, den frischen Look und neuen Facetten des Films feiern werden. Zumindest ist der neue „RoboCop“ kein kompletter Rohrkrepierer, so wie es im Vorfeld befürchtet wurde. Er hat sicherlich die eine oder andere Schwäche und ist in der Intensität mitnichten so stark wie das Original, aber José Padilha ist unterm Strich doch eine überaus ansprechende Neuinterpretation der Menschmaschine gelungen, die einen Kinobesuch rechtfertigt. Ob man danach allerdings mit einem Lächeln oder mieser Laune aus dem Kino geht, wird auch daran liegen, mit welcher Erwartungshaltung das Remake angesehen wird: Wer den direkten Vergleich mit Verhoevens Klassiker sucht, wird wohl enttäuscht sein. Alle, die entkrampft an den Film herangehen, könnten definitiv Gefallen am schwarzen RoboBullen finden.