Rückblickend, neben allen anderen Hits: Die Filmmusik zu Bud Spencer hat euch einen Kultstatus eingebracht. Siehst du das ähnlich?
(Lacht) Ja, das haben wir realisiert, aber erst Jahre später. Wobei davon abgesehen auch Songs wie „Santa Maria“ oder „Sandokan“ alle irgendwie zu Kultsongs wurden… (Wird nachdenklich) Aber ich möchte euch gerne hierzu von einer Begegnung berichten, die uns vor einem Jahr passiert ist und die ganz gut zu den beiden vorigen Fragen passt: Wir sind zu einem Festival nach Italien in der Nähe von Florenz gefahren. Wir wurden eingeladen, ein Radiointerview zu führen. Wir fuhren hin, standen dort und kamen schließlich auf die Bühne. Das war gegen drei Uhr Nachmittag – und wir eigentlich nur wegen der Interview-Sache dort.

Jedenfalls standen da am Anfang vielleicht zehn Menschen. Aber nach 20 Minuten des Interviews waren es 1000 Leute. Jeder schrie, dass wir was singen sollen. Ich sagte nur: „Was sollen wir singen, haben ja nicht mal Instrumente dabei. Sollen wir A-Cappella singen?“ Irgendwann kam ein Mann zu uns, der sagte, da hinten am Stand werden eure DVDs verkauft mit dem Konzert in Budapest, da stehen nun aber jede Menge Menschen, die gerne ein Autogramm von euch möchten!

Wir also: Okay, let's go – und gingen rüber zum Stand, wo wir Autoramme zu geben begannen sowie Selfies mit den Fans machten. Rund 50 Leute jeder Altersklasse waren da – und Maurizio sagt nur zu mir: „Schau her, hier stehen vier Generationen!“ Einer von ihnen, ein junger Mann um die 20, kam ganz am Ende zu uns und war so aufgeregt und emotional. Also nahmen wir ihn in unsere Mitte, umarmten ihn. Dann sagte er etwas, das uns wirklich geschockt hatte:

„Seit ich drei Jahre alt war, hat mein Vater eure Musik gekauft, alles von euch gesammelt. Egal, ob mit 7, 8 oder 10 Jahren – immer habe ich gemeinsam mit meinem Vater eure Musik gehört. Wir sind ins Kino gegangen, haben die Spencer/Hill-Filme mit eurer Musik angeschaut – und das auch gerne mal zehn oder zwölf Mal. Später sind wir nach Hause und haben eure Platten gehört. Mich und meinen Vater hat das immer zusammengeschweißt. Doch nun ist er gestorben, und existiert nicht mehr. Du und dein Bruder sind die einzigen, die mir noch bleiben. Bitte gebt mich nicht auf!“
 
Hey, an dem Punkt kamen uns die Tränen. Aber dann meinte der junge Mann: „Wenn ich nach Hause gehe, höre ich eure Platten, sitze im gleichen Stuhl, in dem mein Vater saß. Dann erinnere ich mich an unsere Gespräche und was mein Vater mir zu eurer Musik und den Filmen alles erzählte. Also wenn ich nach Hause gehe, danke ich euch von Herzen für eure Musik, fange die Atmosphäre ein – und mein Vater ist immer noch da.“

Das dürfte wohl auch eine der Situationen gewesen sein, weshalb ihr über eine Bühnen-Reunion nachgedacht habt? Kannst du das bestätigen, Guido?
Ja. Denn als wir danach mit dem Auto nach Rom zurückfuhren, schauten mein Bruder und ich uns an, blickten uns tief in die Augen und Maurizio sagte: „Wir haben in all den Jahren so viel getan und unsere die Musik in die Welt hinaus gesandt. Und dann gehen wir nach Hause oder machen andere Jobs und haben uns so weit von all diesen Leuten entfernt, die uns lieben. Wir müssen zurück an die Basis, zurück zu ihnen, sie haben es verdient!“

Da habe ich entschieden, erstmal nicht mehr als Produzent zu arbeiten und stattdessen mehr Zeit in unsere Live-Konzerte zu investieren. Dass wir uns wieder vor unsere Fans stellen, um sie zu umarmen, um zusammen zu träumen, zusammen Spaß zu haben mit unserer Musik. Das hat uns auch eine große Energie gegeben. Das klingt wahrscheinlich nicht überraschend. Aber für uns war es das! Jedenfalls haben wir zu lange gewartet, zurück auf die Bühne zu kommen. Aber nun sind wir ja zurück. Wir hoffen natürlich, dass es ein großer Spaß in Berlin wird!

Teil 3 des Interviews auf der nächsten Seite: