Gamer kennen das erfolgreiche Videospiel-Franchise Need for Speed von Electronic Arts. Nun wird aus dem Spiel ein filmisches Action-Spektakel. Doch es soll nicht nur ein Streifen sein, der auf einem Game basiert, sondern auch eine Verneigung vor den Asphalt-Kultstreifen der 60er und 70er Jahre. Trotz der 3D-Technik hat Regisseur Scott Waugh extrem viel Wert darauf gelegt, dass in diesem benzintriefenden Film Authentizität und handgemachte Stuntkunst an erster Stelle stehen, anstatt mit Spezialeffekten und neuester Computertechnologie zu arbeiten. Ob das gelungen ist und der Zuschauer mit auf einen heißen Tempotrip genommen wird? Wir haben es für euch herausgefunden, während wir im Kino in die heißen Boliden gestiegen sind.

Darum geht’s:

Tobey Marshall (Aaron Paul) ist Mechaniker, großer Muscle-Car-Fan und illegaler Street Racer. Als er sich mit dem reichen, arroganten Ex-NASCAR-Rennfahrer Dino Brewster (Dominic Cooper) zusammentut, um seine Werkstatt zu retten, beginnt der Ärger für Tobey: Dino hängt ihm einen Mord an, den er gar nicht begangen hat. Während Tobey für ein paar Jahre ins Gefängnis wandert, nutzt Dino die Gunst der Stunde und expandiert sein Geschäft. Wieder in Freiheit startet Tobey einen erbarmungslosen Rachefeldzug gegen seinen ehemaligen Partner. Als dieser von Tobeys Plan Wind bekommt, setzt er ein hohes Kopfgeld auf ihn aus. Von nun an liefert sich Tobey nicht nur mit der Polizei eine schonungslose Verfolgungsjagd quer durch die USA. Ein Rennen auf Leben und Tod beginnt …

Das ist gut:

Wenn man den Film schaut, wundert man sich wirklich nicht, dass Regisseur Scott Waugh einst ein Stuntman und Rennfahrer war. Denn „Need for Speed“ presst den Zuschauer mit dem Spektakel an Action, Stunts und Tempo in den Kinosessel. Dass dabei keiner der kultigen amerikanischen Muscle Cars und europäischen Superschlitten heile bleibt, tut zwar den Autoliebhabern weh, aber Actionfans bekommen bei einer derartigen Materialschlacht nur große Augen vor Freude. Wirklich gut gefallen hat die authentische Art und Weise des Films mit seinen echten, teils absolut waghalsigen Stunts. Hier geht es nicht darum, auf Teufel komm raus physikalische Gesetze zu brechen, sondern glaubhafte Actionszenen abzuliefern.

Das ist schlecht:

Es mag Menschen geben, die die Stunts des Films wenig spektakulär finden und es lieber mit der Überzogenheit eines „The Fast and the Furious“ halten. Leider ist die Handlung überaus oberflächlich, was eigentlich auf viele Bereiche des Films zutrifft. Die Besetzung ist zwar ganz nett, geht aber bei einem derartigen Fokus auf die Autos extrem unter. Auch dass der Film sich einer wahren Flut an Klischees bedient und wenig Innovationen oder kreative Überraschungen für sich beansprucht, wird einigen Zuschauern sauer aufstoßen.

„Need for Speed“ ist vom Thema her kein tiefsinniger Streifen – und das will er auch gar nicht sein. Es verbirgt jedoch die vielen Stolpersteine nicht. Einiges wirkt kurz gesagt nicht zu Ende gedacht. Dennoch bekommt jeder, der sich dem Tempo- und Zerstörungsrausch hingibt, einen ordentlichen Asphaltritt durch die USA, der anregt und definitiv einiges an Action bietet. Der Film beschränkt sich eben nur auf schnelle Autos, schöne Frauen, Probleme und eine Geschichte, die alles miteinander verbindet. Das reicht mit ein wenig Humor versetzt aus, um kurzweilig eine Nase Benzin zu nehmen und sich von dynamischen Kamerafahrten und toller Schnitttechnik berauschen zu lassen. Ein Film, der mit Rennfahrer-Attitüden, Zerstörung und geilen Karren einen Abend kurzlebig und ohne Anspruch füllen kann, – aber weit davon entfernt, eine Hommage an die Kult-Crasher längst vergangener Tage zu sein.