Nackte Erwachsene im Kinderprogramm. Niederländisches TV-Format sorgt für geteilte Meinungen – Eine niederländische TV-Sendung mit und für Kinder spaltet derzeit die Meinungen in unserem Nachbarland. Einige halten „Gewoon Bloot“ für „ekelhaft und vulgär“, andere loben das Format als „tabubrechend und lehrreich“. Der Grund für den Aufruhr: „Gewoon Bloot“ heißt übersetzt „einfach nackt“ – und der Name ist Programm.

In der Sendung, die für das Kinderprogramm des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in den Niederlanden (NPO) produziert wurde, werden Kinder der 7. und 8. Klasse nämlich mit Erwachsenen konfrontiert, die ihnen auf einer Bühne zunächst im Bademantel und schließlich komplett nackt gegenüberstehen. Anschließend können die Kinder Fragen zu den entblößten Körpern stellen, wie zum Beispiel „Bist du unsicher wegen eines bestimmten Körperteils?“ oder „Rasierst du dich oder wachst du?“.

Auf der Seite von „NPO Zapp“, dem Kinder- und Jugendblock der NPO, erfahren wir dazu:

„Jede Folge dreht sich um ein anderes Thema, zu dem die Kinder die splitternackten Gäste befragen. Themen sind Gesäß, Penis, Vagina und Brüste; Körperteile, die sich verändern und bei Kindern zu Beginn der Pubertät eine wichtige Rolle spielen. Neugierig und ungehemmt, wie es nur Kinder können, betrachten und befragen sie die Gäste und entdecken die nackte Wahrheit. Ohne Filter. Und es stellt sich heraus, ob groß, klein, dick, dünn ... jeder ist anders. Aber wir sind alle sehr gewöhnlich.“

Laut dem Moderator der Sendung, Edson da Graça, steckt die Idee dahinter, den Kindern beizubringen, dass jeder Körper anders ist, und dass nicht alle Körper perfekt sind.

Die Forschung gibt ihm recht. So erklärte Elsbeth Reitzema von der Rutgers-Stiftung für sexuelle Gesundheit, die mit den Produzenten von „Gewoon Bloot“ eng zusammenarbeitet, dass der ständige Strom halbpornografischer und oft mit Photoshop bearbeiteter Bilder, die Kinder täglich im Fernsehen und im Internet sehen, ihnen eine verzerrte Sicht auf den menschlichen Körper vermittle.

„Diese geben ein verzerrtes Bild der Realität wieder. Es ist wichtig, dass Kinder wissen, wie echte Körper aussehen und dass jeder Körper anders ist“, erklärt Reitzema. Diejenigen, die häufiger normale nackte Körper sehen, hätten ein positiveres Körperbild.

Wir zitieren dazu abermals die Webseite:

„Kinder werden täglich mit großen Mengen an Werbung konfrontiert. Das Bild, das dargestellt wird, ist oft manipuliert und nicht so, wie ein Körper im wirklichen Leben aussieht. Dies hat Auswirkungen auf das Selbstbild der Kinder und ihr Idealbild. Wenn man dann noch all die perfekten Bilder hinzunimmt, die sie jeden Tag in den sozialen Medien sehen, kann man sich vorstellen, dass viele Kinder von klein auf unsicher sind, was ihren Körper angeht.“

Doch nicht jeder ist von dieser Argumentation überzeugt. Schon in Dänemark, dem Ursprungsland des Formats, hatte die Originalsendung „Ultra smider tøjet“ heftige Kritik auch von Seiten der Politik nach sich gezogen. Der dänische Moderator Jannick Schow erklärte seinerzeit gegenüber der New York Times:

„Vielleicht denken manche Leute: ,Oh mein Gott, sie kombinieren Nacktheit und Kinder.' Aber das hat nichts mit Sex zu tun. Es geht darum, den Körper als natürlich anzusehen, so wie es Kinder tun. 90 Prozent der Körper, die man in sozialen Medien sieht, sind perfekt, aber so sehen 90 Prozent der Welt nicht aus.“

Während „Ultra smider tøjet“ in Dänemark – wo man Kinder getreu der sogenannten „nordischen Erziehung“ generell lieber der Realität aussetzt, anstatt sie davon abzuschirmen – zum besten Kinderprogramm gekürt wurde und bereits eine zweite Staffel erhalten hat, regt sich auch in den Niederlanden zunächst Widerstand aus der Politik.

So ruft der Abgeordnete Tunahan Kuzu von der niederländischen Partei Denk via Twitter zum Boykott von „Gewoon Bloot“ auf, während der Vorsitzende des nationalkonservativen Forums für Demokratie, Thierry Baudet, meint, das Format komme „der Förderung von Pädophilie nahe“.

Der Sender betont indes, dass die Kinder jederzeit genau wussten, was passieren würde und ebenso jederzeit hätten sagen können, wie sie sich während der Sendung fühlen. Sie haben aus freiem Willen teilgenommen, ihre Eltern haben die Erlaubnis gegeben und bevor die Bademäntel ausgezogen werden, wurden sie gefragt, ob sie damit einverstanden sind, dass sich die Teilnehmer später entblößen.

„Gewoon Bloot“ wird am Sonntag, den 21. März um 19.20 Uhr auf NPO Zapp ausgestrahlt und soll insgesamt acht Episoden à 15 Minuten umfassen. Die Sachte Klasse der Grundschule OBS de Triangel in Weesp durfte sich vorab schon die erste Folge anschauen. Die Reaktionen der Schüler seht ihr im folgenden Video.

Quelle: nos.nl