Warner Bros. hat den Ur-Superhelden, den Stählernen, besser bekannt als Superman, mit einem Reboot wieder auf Hochglanz getrimmt. Doch besitzt die glattgebügelte Version eines Mannes die Schlagkraft eines maskulinen Heroen, wenn man erst an einen schwarzhaarigen Ken ohne Barbie denken muss? Nun, Regisseur Zack Snyder (300) weiß zumindest, wie er mit Bilderkriegen und Effektfluten Männern das Glitzern in die Augen treibt. Bei Superman weiß man jedoch nie, ob er direkt in die Herzen fliegt oder man ihn auf seinen Heimatplaneten Krypton zurückwünscht.

Darum geht’s:

Krypton, ein Planet versteckt in den Tiefen des Alls, dessen Tage ablaufen und dessen komplette Vernichtung unvermeidlich ist: Wissenschaftler Jor-El (Russell Crowe) schafft es gerade noch, seinen neugeborenen Sohn per Eilexpress auf die Erde zu schicken. Dort wächst er als Clark Kent (Henry Cavill) auf und der Film zeigt mit verschiedenen, später zusammenführenden Handlungssträngen das Aufwachsen und Leben des Superhelden. So werden auch nach und nach alle bedeutenden Figuren eingeführt, bevor es Zack Snyder so richtig in 3D krachen lässt. Denn die Reste der Kryptonier, um den überaus irren General Zod (Michael Shannon), sind auf dem Weg zum Blauen Planeten. Und das ganz sicher nicht, um der Erde einen Staatsbesuch mit Kaffeekränzchen abzustatten.

Das ist gut:

Sehr erfreulich ist, dass sich dieses Leinwandabenteuer nah an der Basisgeschichte des DC-Comics entlang hangelt und das Drehbuch von David S. Goyer (Blade) generell einen sehr stimmungsvollen Reboot des Superman zeichnet. Der Film präsentiert sich eher „Batman“-düster, kühl und auch verhältnismäßig nüchtern, bevor dann typische 3D-Action aufgefahren wird. Die überstilisierten Materialschlachten, untermalt mit dem tollen Score eines Hans Zimmers, sind so bombastisch inszeniert, dass einem dabei fast die Augen explodieren.

Das ist schlecht:

Was einem, zumindest hier in Deutschland, weniger gefällt, ist der übertriebene Patriotismus mit den typisch amerikanischen Tugenden, die einem ständig unter die Nase gehalten werden. Er ist halt nicht Captain America, sondern Superman! Was dem Film obendrein abgeht, sind Dialoge mit Inhalt. Ja, auch so etwas ist in einer Comic-Verfilmung möglich.

„Man of Steel“ lässt Superman recht gut in die Lüfte steigen, trotz seines allglatten Schmusekarmas. Zugute kommt ihm die düstere Gangart, die Clark Kent ein wenig mehr Schneid abverlangt. Dennoch ist es Superhelden-Kino, aus dem man hätte mehr rausholen können, insbesondere in der Tiefe. Schlussendlich macht „Man of Steel“ aber auch vieles richtig. Denn ein audiovisueller, zweieinhalbstündiger Action-Overkill ist garantiert. Ob Superman am Ende aber ins Männerherz fliegt, oder aber von euch zurück nach Krypton katapultiert wird, muss man selbst entscheiden. Superman: Man kann ihn eigentlich nur lieben oder hassen.



Foto: © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc. | Clay Enos