Das Jahr 2013 ist auch ein Jahr der Grusel- und Horrorfilme. Jüngst zeigte noch „Conjuring – Die Heimsuchung“ wie Gruselhorror der alten Schule, einen modernen Film auf den Thron hieven konnte. Mit „Mama“ erscheint nun ein Streifen auf Blu-ray und DVD (Release: 29. August 2013), der thematisch anders gelegt, aber durchaus mit sehr viel Düsternis und einer bösen Mutti eine gute Figur im Genre abgibt. Zu verdanken haben wir dies dem spanischen Regisseur Andres Muschietti, der hier sein gelungenes Spielfilmdebüt gibt. Wir lassen diesen Streifen noch einmal Revue passieren und sagen all jenen, die den Streifen noch nicht gesehen haben, ob es sich lohnt, der rachsüchtigen Mama die Stirn zu bieten.

Darum geht’s:

Alles beginnt mit Jeffrey (Nikolaj Coster-Waldau), der seine Frau erschießt. Er flüchtet daraufhin in die Tiefen des Waldes, seine beiden Töchter im Schlepptau. Szenenwechsel, fünf Jahre später, noch immer gelten die beiden Mädchen Victoria (Megan Charpentier) und Lilly (Isabelle Nélisse) als verschollen. Wie durch ein Wunder werden die beiden Töchter in einer alten Hütte entdeckt. Verwildert, angriffslustig und desozialisiert werden sie von Lucas (Nikolaj Coster-Waldau), Jeffreys Zwillingsbruder, und dessen Freundin Annabel (Jessica Chastain) aufgenommen.

Beide versuchen daraufhin das Geschwisterpaar an ein normales Leben in der Zivilisation zu gewöhnen. Während Annabel sich von Beginn an mit der Aufpäppelung der beiden Kinder überfordert fühlt, ist es für Lucas eine Herzensangelegenheit. Bereits nach den ersten Tagen müssen sich die Ersatzeltern allerdings mit der vermeintlichen Fantasie der Mädchen herumschlagen. Was anfangs als psychisches Posttrauma abgehandelt wird, entpuppt sich schnell zur lebensgefährlichen Bedrohung. Denn die gespenstische Gestalt, von den Kinder liebevoll „Mama“ genannt, ist ein rachsüchtiges Biest, das sich nicht gern in ihre übernatürliche Mutter-Kind-Beziehung reinfunken lässt.

Das ist gut:

Mal davon abgesehen, dass Muschietti hier ganze Arbeit geleistet hat, darf man Produzent Guillermo del Toro nicht vergessen, der die Kurzfilmvorlage von Muschietti entdeckt und zum Spielfilm verholfen hat. Visuell wird man mit „Mama“ auf eine sehr intensive Reise mit stilsicheren Bildern genommen, die trotz aller Finsternis, guten Schockmomenten und der einen oder anderen Gänsehaut mehr einem unheimlichen Thriller oder Drama gleichkommt, als einem Gruselfilm. Der generell gute Cast wird von der brillierenden Jessica Chastain angeführt, die einen großen Anteil daran besitzt, dass der Film an Authentizität gewinnt. Was zudem äußerst gut gefällt, ist der sehr kreative Plot, der eine andere Geschichte als erwartet präsentiert und sich mit typischen Geisterklischees zurückhält.

Das ist schlecht:

Zwei Dinge stören – zum einen ist es der Trailer, der eine ganz andere Erwartungshaltung schürt und somit einige Zuschauer erzürnen kann. Aber das ist ja eh ein generelles Problem vieler Filme. Zum anderen ist es das Ende, das wirklich im Vergleich zum Rest des Filmes schon arg platt und wenig inspirierend angerobbt kommt. Hierbei geht definitiv etwas von der vorangegangenen starken Atmosphäre verloren. Etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte im Finale gutgetan.

„Mama“ ist eine 100-minütige Geistergeschichte, die von Regisseur Andres Muschietti und Produzent Guillermo del Toro besonders gut aufgebaut wird, im Ende aber seine Schwäche hat. Doch die Emotionalität, die alles umgreifende Beklommenheit, die unterschwellige Gruselstimmung als auch der gesamte Cast machen insgesamt aus diesem Streifen keinen dumpfen und faden Geisterfilm, bei dem man das gefühlt hat, derartiges schon hundert Mal gesehen zu haben. Wer erwartet, hier einen Horrorfilm mit gruseligen Kindern und einer Schockwelle nach der anderen zu sehen, der bekommt einen Schlag mit dem Kantholz mitten ins Gesicht. Alle anderen  Zuschauer werden sich an diesem erfrischend effektiven und andersartigen Gruseldrama erfreuen – das Ende einmal ausgenommen. Und immer dran denken: Macht nicht die Mama wütend!