Frauen sind tödlich? Bei Regisseur Luc Besson meist schon! Auch in seinem neuen Werk „Anna“ lässt er eine kühle Blonde reihenweise Leute umbringen. Ob das unterhaltsam ist oder eher langweilt, haben wir für euch herausgefunden.

Darum geht’s:

1990: Anna (Newcomerin Sasha Luss) lebt einen Traum. Von einem Scout auf einem Moskauer Markt entdeckt und nach Paris gebracht, wird sie dort schnell zum umjubelten Model. Doch ihr eigentlicher Job ist deutlich blutiger: Vom KGB vor Jahren als Agentin angeworben, muss Anna für den sowjetischen Geheimdienst unerwünschte Personen liquidieren.

Zwar steht sie unter dem Schutz ihres Kollegen Alex (Luke Evans) und ist auch bei ihrer Vorgesetzten Olga (Helen Mirren) angesehen, doch ihr Leben ist ständig in Gefahr, weil der Geheimdienstchef ihr nicht traut. Und als nach einem Attentat auch noch die CIA in Form des Agenten Miller (Cillian Murphy) auf der Bildfläche erscheint, gerät Annas Leben vollends aus den Fugen …

Das ist gut/Das ist schlecht

Regisseur Luc Besson fand coole Bilder und rasante Unterhaltung schon immer wichtiger als eine komplexe Story – und daran hat sich auch bei „Anna“ nichts geändert. Das russische Model Sasha Luss ballert, schlitzt und prügelt sich durch Gegnerhorden, dass es eine Freude ist – hier hat sich Besson eindeutig von „John Wick“ und „Atomic Blonde“ inspirieren lassen, die von den neuen Action-Giganten Chad Stahelski und David Leitch stammen. Ganz heran reicht Besson da nicht, aber die Action ist schon ein Highlight des Films.

Bei der Story darf man hingegen nicht so genau hinsehen, denn vieles wirkt schon arg konstruiert und so hingebogen, dass die Geschichte funktionieren kann. Besson erzählt sie zudem den gesamten Film über immer wieder mit Zeitsprüngen, um den (immerhin guten) finalen Schlussgag vorzubereiten. Dazu gelingen ihm auch ein paar Twists, die Thriller-Veteranen zwar kommen sehen, den Gelegenheitskinogänger aber garantiert überraschen.

Und schließlich sind auch die Schauspieler sehenswert, die Besson für seinen Film zusammengebracht hat, allen voran Helen Mirren als herrlich schrullige KGB-Offizierin. Nur Sasha Luss, die noch nicht viel Erfahrung als Schauspielerin hat, merkt man in einigen Szenen genau das an. Aber das lässt sich verschmerzen, weil Besson konstant aufs Gaspedal tritt und über die Laufzeit von zwei Stunden nie Langeweile aufkommen lässt.

Fazit: „Anna“ ist sicher nicht Luc Bessons bester Film, an einen Meilenstein wie „Leon, der Profi“ kommt sein blondes Gift nicht heran. Aber nach dem bildgewaltigen Megaflop „Valerian“ konzentriert sich der Franzose wieder mehr auf sein erfolgreichstes Genre – den Thriller. Und beweist, dass er noch nichts verlernt hat. Gute Action, spannender Plot mit kleinen Schwächen und eine wirklich schöne Frau als Hauptfigur: Da gibt es – wie immer bei Besson – zumindest viel fürs Auge.