Ohne Frage zählt Peter Jackson zu den lebenden Legenden im Film-Business. Das nicht nur wegen seiner Inszenierungen großer Schlachten wie in seiner ausgezeichneten „Herr der Ringe“-Regiearbeit. Dieses Mal will Jackson die Kinobesucher mit einem ganz besonderen Film mit Ehrfurcht erfüllen. Er bringt nämlich das Grauen des Ersten Weltkriegs auf die Leinwand. Denn Jackson überarbeitete mittels modernster Technik 100 Jahre alte Originalaufnahmen aus dem Großen Krieg und bringt diese mit „They Shall Not Grow Old“ als beeindruckenden Dokumentarfilm in die Kinos. Wie gut dieses Mammut-Projekt geworden ist, verraten wir euch in unserer Kritik.

Darum geht’s:

Der Erste Weltkrieg in Farbe, so könnte man es kurzfassen. Im Detail reden wir hier von einem der schlimmsten Kriege der Geschichte, in dem über 17 Millionen Menschen ums Leben kamen. Zwischen 1914 und 1918 änderte dieser blutige Vernichtungskrieg den Lauf der Geschichte. Peter Jackson griff für seine Dokumentation auf über 2.200 Stunden Filmmaterial zurück, das er vom britischen Imperial War Museum zur Verfügung gestellt bekam.

Der Star-Regisseur überarbeitete das über 100 Jahre alte Material technisch brillant – mit Full-HD-Bildern, mit moderner Technik koloriert, sodass es ausschaut, als wäre dieser Krieg erst gestern gewesen. Vor allem in 3D wird man mitten hinein in die Schrecken des Krieges gezogen, wie man es in dieser Form noch nicht erlebt hat.

Das ist gut/Das ist schlecht:

Mit „They Shall Not Grow Old“ hat es Jackson beeindruckend geschafft, die Soldaten des Ersten Krieges so authentisch wieder auferstehen zu lassen, dass man gebannt das Geschehen auf der Leinwand verfolgt. Peter Jackson macht auf diese Weise aus den ebenso tapferen wie bemitleidenswerten Soldaten und Menschen des Ersten Weltkriegs lebendige Porträts. Wobei er in erster Linie auf die Emotionalisierung achtet, aber viele Details, Daten und Ortsbezeichnungen nicht oder nur am Rande erwähnt werden.

Das ist zu verschmerzen, denn ihm gelingt es, ähnlich wie damals Erich Maria Remarque mit „Im Westen nichts Neues“, die Emotionen der Soldaten zu transportieren – was es für sie bedeutet, diesen Krieg zu erfahren und das von jeder Warte aus. Und wenn es so scheint, dass ein geschundener Soldat den Zuschauer direkt anschaut, treibt es einem schon mal kalte Schauer über den Rücken.

Der Film zeigt nicht nur die Wirren und Gräuel auf den Schlachtfeldern, sondern auch, was sich zwischen den Kämpfen bei den Soldaten abspielte. Ebenfalls eine gute Entscheidung war es, keinen Sprecher einzubauen, der das Geschehen durchweg kommentiert. Jackson verwendet nämlich originales Tonmaterial aus den Archiven des IWM und der BBC, in dem auch viele Überlebende von ihren Fronterfahrungen berichten.

Das macht das Ganze nur noch authentischer. Was man hier jedoch gar nicht genug loben kann, ist, dass Peter Jackson historisches Material mit nie dagewesener Brillanz restauriert und koloriert hat. Sobald man die 3-D-Brille wählt, bekommt man diesen Krieg in einer unbeschreiblichen Art und Weise dreidimensional vorgesetzt.

Fazit: Geschichts- und Kriegswissbegierige haben wohl schon jede veröffentlichte Dokumentation gesehen, die es zum Thema zu sehen gibt. Gerade zum Ersten Weltkrieg wird man in Zeiten des Internets recht schnell fündig. Doch das kann man mit Fug und Recht behaupten: „They Shall Not Grow Old“ ist mit Abstand die optisch beeindruckendste Kriegsdokumentation, die es bis dato zu sehen gab. Ganz egal ob normal oder in 3D: Dieser Film zieht in die Vergangenheit und lässt euch diesen bestialischen Krieg erleben, als ob er gestern gewesen wäre. Eine grandiose Arbeit von Peter Jackson mit dem Fokus auf die tapferen Soldaten. Ein Muss für jeden Geschichtsinteressierten.