Das Puppen fiese kleine Biester sein können, wissen wir seit Filmen wie 'Annabelle' oder Chuckys mörderischer Slasher-Tour, ganz zu schweigen von Jigsaws Billy und vielen mehr. Mal amüsant, mal gruselig oder einfach nur kultig – Puppen als Mittel für Bösartiges funktionieren seit Dekaden im Kino. Nun steht mit 'The Boy' der nächste Kandidat auf der Matte, um als Horrorthriller das Fürchten zu lehren. Mittendrin: 'The Walking Dead'-Star Lauren Cohan, die aber mit ihren Maggie-Skills hier nicht weiterkommt. Drum haben wir uns den Doll-Grusler von William Brent Bell (The Devil Inside) angesehen und verraten euch, ob sich der Gang ins Kino lohnt.

Darum geht’s:
Greta zieht von den USA nach Großbritannien, um ein neues Leben zu beginnen. Selbstredend braucht sie einen Job und da kommt das Angebot, als Nanny zu arbeiten, wie gerufen. So engagiert das Heelshire-Paar die junge Einwanderin und lädt sie auf ihr altes Anwesen wirklich weit vom Schuss ein. In der ländlichen Idylle angekommen muss Greta jedoch feststellen, dass die ganze Sache doch recht creepy ist. Denn in der Zeit, in der die Heelshires in Urlaub fahren, soll sie auf deren Sohn Brahms aufpassen – eine lebensechte Porzellan-Puppe! Okay, das ist nun wirklich bekloppt, aber was tut man nicht alles für die Kohle. Auch wenn sich Greta leicht veräppelt vorkommt, nimmt sie die lange Liste mit Anweisungen der Heelshires entgegen, um Brahms auch ordentlich zu versorgen. Er ist nämlich der Ersatz für ihren kürzlich verstorbenen Sohn. Kaum ist das Paar aus dem Haus, setzt Greta natürlich immer weniger von dem um, was ihr aufgetragen wurde. Schließlich muss man einer Puppe nun wirklich kein Essen reichen. Doch je mehr sie dieses unheimliche Ding vernachlässigt, je größer scheint sich Zorn in 'The Boy' zu stauen, der daraufhin ein unerklärliches Eigenleben einwickelt – mit schaurigen Folgen.



Das ist gut:
Sagt Hallo zum kleinen Brahms! Er ist kein agiler Chucky und auch keine Puppe, die dem Zuschauer direkt ihre bösartigen Absichten offenbart. Der gute Brahms gehört unverkennbar zu den Puppen der leisen Sorte. Eigentlich offenbart das Porzellangesicht erst gegen Ende des Films sein wahres Antlitz. Das heißt im Fall von 'The Boy' jedoch nicht, dass sich der Streifen bis dahin zieht wie ein Kaugummi. Nein, ganz im Gegenteil, dieser Grusler setzt einfach komplett auf den klassischen Horror. Bedeutet: dichte Atmosphäre und allerhand effektvolle Unheimlichkeiten, die sich von Minute zu Minute aufbauen und verstärken. Sicherlich werden so auch typische Klischees des Horrorfilms bedient, aber sie sind einfach genial zusammengefügt, sodass man einen sowohl stimmigen, unterhaltsamen als auch schaurigen Streifen vorgesetzt bekommt. Positiv zu erwähnen ist zudem 'The Walking Dead'-Sternchen Lauren Cohan, die in ihrem ersten größeren Film eine tadellose Rolle spielt. Das vor allem im Hochlevelmodus, da der Fokus aufgrund ihres leblosen Schauspielpartners naturgemäß beinahe komplett auf ihrer Person liegt.

Das ist schlecht:
Wer rasanten Horror mit viel Blut erwartet, ist hier falsch. Wem Horrorklischees auf den Keks gehen, ebenso. Und wer sich generell bei Puppen eher kaputtlacht, als ihre mysteriöse gruselige Aura zu sehen, sitzt hier definitiv im falschen Film.

Fazit: Jeder, der etwas übrig hat für schaurige Puppen und klassischen Horror, kann sich eigentlich ins nächste Kino begeben. Mal abgesehen von den typischen Klischees wird einem hier ein unterhaltsamer, sehr atmosphärischer Horrorthriller angeboten, der auf leisen Sohlen Gänsehaut verbreitet. Regisseur William Brent Bell zeigt hier bestes Horrorhandwerk und hat mit Lauren Cohan als Puppen-Nanny eine exzellente Wahl getroffen. Kurzum: ein effektvoller Grusler für einen gescheiten Horrorabend im Kino!