Regisseur David Ayer (‘End of Watch’, ‘Herz aus Stahl’) kann einem schon leidtun, wenn man sich die teils heftigen Verrisse der US-Kritiker anschaut, die tonnenweise Gülle über den neuen Superheldenstreifen ‘Suicide Squad’ geschüttet hatten. Auch hierzulande sind nicht alle begeistert vom Auftritt des Himmelfahrtskommandos der Antihelden um Harley Quinn, Deadshot und Konsorten. Dabei machte die Flut an Trailern zuvor richtig Lust auf diesen Streifen voller irrer Charaktere nebst einer neuen Joker-Darstellung. Wir haben alle Unheilsverkünder beiseitegeschoben, um uns eine eigene Meinung vom neuen Film aus dem DC-Kino-Universum zu bilden.

Darum geht’s:

Amanda Waller ist die Leiterin der Task Force X, einer geheimen Abteilung der US-Regierung mit dem Namen „A.R.G.U.S“. Dort werden verurteilte Superbösewichte für gefährliche Missionen eingesetzt, da die Kriminellen leichter zu entbehren sind, falls sie in einem Einsatz fallen. Für die Antihelden springt jedoch bei jedem dieser lebensgefährlichen Einsätze eine Minderung ihrer Haftstrafe heraus. Aus diesen verbrecherischen Irren setzt sich eine besonders illustre Truppe zusammen, die „Suicide Squad“. Ihnen gehören unter anderen die durchgeknallte Verbrecherin Harley Quinn, Captain Boomerang, Rick Flagg, El Diablo oder Deadshot an. Ein durchaus ungewöhnliches Einsatzteam ungleicher Straffälliger, die nun gegen das noch Bösere eingesetzt werden. Da sind Ärger und Chaos vorprogrammiert!

Das ist gut:

Vorneweg gesagt, man muss diesen Streifen unbedingt losgelöst von allem Dagewesenen schauen. Lasst euch nicht von der harschen Kritik im Vorfeld blenden, sondern schaut euch diesen Film entspannt an, ohne Vergleiche zu ziehen. Denn ‘Suicide Squad’ kann was, vorausgesetzt, man ist auch gewillt, ihm die Chance dazu zu geben. Schließlich überzeugen die Charaktere – allen voran Margot Robbie als irre Psychologin sowie Kriminelle Dr. Harleen F. Quinzel, besser bekannt als Harley Quinn. Sie legt eine brillante Performance hin, bei der man ihr zu jeder Sekunde die Duchgeknalltheit abkauft. Gleiches gilt für Will Smith als Deadshot, der nicht weniger glänzt. Robbie und er stellen die Hauptfiguren des Films. Ja, auch der Joker, gespielt von Jared Leto, überzeugt. Das vor allem deshalb, weil er sich wesentlich näher am Joker aus den Comics bewegt als alle anderen Darstellungen zuvor.

Allerdings ist er nur als Nebenfigur platziert und wird wohl seinen großen Auftritt erst im nächsten Teil haben. Doch das, was man sehen konnte, war durchaus positiv. Das gelingt aber auch nur, wenn man diesen Joker nicht mit den Verkörperungen von Heath Ledger oder Jack Nicholson vergleicht. Da sollte man sich einfach von Altbekannten lösen und sich auf etwas Neues einlassen. Gut gefällt, dass sämtliche Charaktere generell vorgestellt werden. Ansonsten muss man hier nicht auf überdrehte, toll gemachte Action verzichten. Auch die etlichen Kampfszenen machen überaus Laune. Zudem gibt es stellenweise einige derbe Lacher, da man hier den Humor passend pointiert. Was zudem richtig punktet, ist der fetzige Soundtrack aus Klassikern und modernen Songs, die perfekt zum Setting des Films passen.

Das ist schlecht:

Leider hat der Streifen wirklich einige Schwächen, weshalb die Kritiker nicht alle im Detail unrecht haben. So ist der Einstieg recht ruppig gewählt, bei dem die Charaktere einer nach dem anderen knapp vorgestellt werden. Da hätte man doch die eine oder andere Minute mehr investieren können. Auch der Showdown schwächelt etwas, bewegt sich aber noch gerade so im Rahmen. Was richtig in die Hose gegangen ist, ist jedoch die Rolle des Bösewichts Enchantress in Form von Model sowie On-Off-Schauspielerin Cara Delevingne. Wir haben ungelogen lange nicht mehr so etwas Schlechtes gesehen – mit einer unterirdischen Performance, die total überdreht und unglücklich gezwungen wirkt. Ebenfalls mehr als nervig ist die Rolle von Deadshots Filmtochter, die sowas von fehl am Platze ist.

Fazit: Okay, nach den 123 Minuten des Himmelfahrtskommandos voll irrer Antihelden können wir nur zu dem Ergebnis kommen, dass die heftige Kritik einfach überzogen ist. Natürlich hat der Film einige dicke Schnitzer wie etwa die Fehlbesetzung von Cara Delevingne oder einen hakeligen Plot. Aber alles andere ist am Ende pure Unterhaltung mit einer tollen Besetzung der Suicide Squad, aus der vor allem Harley Quinn und Deadshot herausstechen. Besonders Margot Robbie haut hier richtig einen raus. Ja, über den Joker darf man geteilter Meinung sein, aber wenn man ihm die Chance gibt und Herrn Ledger mal aus dem Spiel lässt, ist das schon ganz gut. Es ist eben kein Vergleich zur Nolan-Reihe, keiner zum Marvel-Universum. Ebenso will der Film keinen Style haben wie in einem ‘Deadpool’. Nein, es ist die Machart von ‘Batman vs Superman’, bei der man unter anderem viele Charaktere für kommende Filme aus dem DC-Universum vorstellt. Aber das alles sehr unterhaltsam, mit packender Action sowie einem krachenden Soundtrack. Unterm Strich stehen jede Menge Spaß, gute Lacher und einfach Superhelden-Action der anderen Art. Wer darauf Bock hat und sich freimacht von Vorangegangenem, der wird hier definitiv mit einem Grinsen aus dem Kino spazieren und prächtige Unterhaltung finden!