„Sie sind hier ...“ sprach einst Heather O'Rourke als kleiner, blonder Engel Carol Anne in der Originalverfilmung von Poltergeist aus dem Jahre 1982. Ein stilbildendes Meisterwerk im Gruselgenre und Kultstreifen unter Fans. Ein Film, der eine unbeschreibliche Magie des Gruselns mit einfachen Mitteln erzeugt. Wohl auch, weil der Poltergeist-Reihe bis heute ein Fluch nachgesagt wird, aufgrund der Todesfälle der Darsteller während sowie nach den Dreharbeiten. In Bezug auf den Film erinnern wir uns gern an das klingelnde rote Spielzeugtelefon, Stühle, die sich mysteriös verschieben, den garstigen Clown im Kinderzimmer oder das sonderbare Medium Tangina Barrons. Ach, selbst der Baum vor dem Kinderzimmer war creepy. Nun, 33 Jahre später, hat sich Produzent Sam Raimi ('The Grudge', 'Evil Dead') ein Herz gefasst und zusammen mit Regisseur Gil Kenan ein Remake des Klassikers ins Leben gerufen. Zeitgemäß, mit gleicher Story aber anderen Protagonisten. Ob das eine gute Idee war, oder man vor Enttäuschung schreiend aus dem Kinosaal rennt, verraten wir euch in unserer Kinokritik!

Darum geht’s:

Anstatt der Familie Freeling zieht in der Neuverfilmung die Sippe der Bowens in das Poltergeist-Haus ein. Auch Carol Anne gibt es nicht mehr, an deren Stelle nun die achtjährige Madison (Kennedi Clements) tritt. Die Story an sich bleibt gleich. Die noch glückliche Familie Bowen zieht in ein idyllisches Eigenheim in der Vorstadt. Doch die Freude währt nicht lange. Denn in der neuen Bude ereignen sich unerklärliche Dinge und erste paranormale Erscheinungen zeigen sich. Die Attacken nehmen immer weiter zu. Als dann Madison spurlos verschwindet, ziehen die Eltern Geisterspezialisten hinzu. Nur gemeinsam kann es gelingen, Madison aus den Fängen finsterer Mächte zu befreien und zugleich den Poltergeist zu vertreiben.

Das ist gut:

Diese Neuauflage eines der 80er-Horrorklassiker hat es sicherlich nicht leicht. Besonders nicht, wenn ihn Kenner der Originalfassung anschauen. Denn unweigerlich sucht man Parallelen und zieht Vergleiche zur Urversion heran. Das wird man nicht ausschalten können. Was an dem Streifen gefällt, ist die Schauspielleistung des Casts. Sam Rockwell als Daddy und Rosemarie DeWitt als Mutter, die kleine Kennedi Clements als neues Poltergeist-Entführungsopfer sowie Brüderchen Kyle Catlett machen ihre Sache gut, wenn sie verängstigt und sorgenvoll ihre Rollen einnehmen. Das ist schon überzeugend gespielt. Hinzu kommen die Grusel- und Schockeffekte, die behutsam eingesetzt werden und auf den neuesten technischen Standards basieren. Da gibt es schon die eine oder andere Szene, die horrortechnisch funktioniert. Zudem besitzt der Streifen auch einen Touch Humor und spannend ist er zuweilen auch. Aber …

Das ist schlecht:

… es ist schwierig, zumindest für Liebhaber der Originalversion. Denn diese geniale Atmosphäre von damals erzeugt die Neuverfilmung im modernen Gewand nicht. Gerade da der Film außer neuer Technik sowie anderen Schauspielern nichts Neues bietet, verpuffen viele Schockmomente und richtig gruselig ist es oftmals ebenso wenig – vieles ist bekannt, ohne Überraschungen. Womit wir auch beim Problem des Films sind, eigentlich ist die 2015er-Version genauso unnötig wie die meisten Remakes. Denn neue Technologien bedeuten nicht automatisch geileren Horror. Der Film wirkt einfach zu clean und wenig inspiriert. Da helfen zudem keine stilistischen Dreingaben aus dem Haunted-House-Horror, 'Insidious'- sowie 'The Grudge'-Momente. Das macht alles noch lange kein würdiges Remake, das, wenn es schon nicht ans Original herankommt, zumindest als Hommage verstanden werden kann. Diese Kritik kommt allerdings vorrangig von Kennern der 80er-Version. Fans von neuzeitlichem Gruselhorror, die die filmische Vorlage überhaupt nicht oder nur lückenhaft kennen, werden diese Probleme nicht sehen.

Fazit: Wenn man das Original liebt, hat man es einfach schwer, mit dieser modernisierten 'Poltergeist'-Fassung warm zu werden. Für Carol-Anne-Fans fehlt dem Remake einfach das gewisse Etwas, diese durchweg bedrohliche Stimmung, die der Polstergeist aus 1980 so herrlich beunruhigend im Kinosaal verströmte. Ein Problem, das eben alle Puristen des Oldschool-Kinos haben, vor allem wenn an grandiose Klassiker Hand angelegt wurde. Wobei die kleine Kennedi Clements wohl wirklich die beste Besetzung als Heather-O'Rourke-Ersatz ist, aber am Ende doch das Charisma fehlt. Doch von all dem losgelöst, wer sich auf den neuen Horror-Blockbuster einlässt, sich freimacht vom Original oder es gar nicht kennt, wird einen ordentlichen Gruselstreifen zu sehen bekommen. Kurz: Die Neuverfilmung hat das Potenzial, ihre Fans im Kino sowohl zu finden als auch zu begeistern, wird aber sicherlich etliche Kritiker auf den Plan rufen!