Wie William Shakespeare doch so schön sagte: „Noch einmal stürmt, noch einmal, liebe Freunde!“ Genau das trifft nun auch auf den allseits beliebten Wolverine zu, der zum letzten Mal als klingenschwingender Mutant in Gestalt Hugh Jackmans die Kinoleinwand betritt. Der letzte Akt, ‘Logan - The Wolverine’, wurde inszeniert von James Mangold (‘Walk the Line’, ‘Knight and Day’), der sich für diesen Film der „Old Man Logan“-Comicreihe bediente. Das heißt, Hugh Jackman wird als Wolverine über 50 Jahre nach den X-Men in Erscheinung treten. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und haben uns ins Kino begeben. Schließlich wollten wir wissen, ob es nach den soliden Teilen des Spin-offs ‘X-Men Origins: Wolverine’ sowie ‘Wolverine: Weg des Kriegers’, im Finale zu einem echten Mutanten-Action-Fest kommt.

Darum geht’s:

In einer gar nicht rosigen Zukunft haben die Superschurken die Herrschaft über den Planeten errungen. Die X-Men sind Vergangenheit und der mickrige Rest der Mutanten fristet sein Dasein im Verborgenen. Auch Logan aka Wolverine haust zurückgezogen an der mexikanischen Grenze. Dort kümmert er sich um seinen alten Weggefährten Professor X. Der Gründer der X-Men leidet mittlerweile an Alzheimer und verliert immer mehr seine telephatischen Kräfte. Auch vor Logan hat das Alter nicht haltgemacht. Dennoch ist Wolverine alles andere als eingerostet. Als plötzlich ein mysteriöses Mädchen mit übermenschlichen Kräften auftaucht, wird das zurückgezogene Leben schlagartig auf den Kopf gestellt. Denn der korrupte Unternehmer Nathaniel Essex alias Mister Sinister und andere Schurken wollen das Mädchen für ihre bösen Zwecke missbrauchen. Logan ruft daraufhin die verbliebenen X-Men für ihren letzten Kampf zusammen.

Das ist gut:

Satte 138 Minuten sind um, der Abspann läuft und als Zuschauer sitzt man fast schon paralysiert im Kinosessel nach diesem brutalen Actionfeuerwerk. Das letzte Jackman-Wolverine-Abenteuer ist großes Kino geworden und mit Abstand überflügelt er die beiden vorangegangenen Teile des Spin-offs. Das in allen Bereichen des Films. Es gibt ohne Frage wirklich brutale Szenen, die die FSK-Freigabe ab 16 schon etwas lächerlich darstellen. Hier wird mit Köpfen gekickt, Blut fließt und auch Wolverine jagt mit aller Gewalt seine Klingen ins Fleisch anderer Leute. Richtig stark sind dabei auch die Effekte und eine sehr stimmige, düstere Atmosphäre. Doch bei aller Brutalität ist es keineswegs ein Schlachtfest, sondern eine erwachsene Comic-Verfilmung geworden. Eine, die vor allem mit einem sehr durchdachten und tiefschürfenden Plot punktet.

Dieser wurde in einen coolen Mix aus Roadtrip, Action sowie Drama gepackt und ja, sogar mit Western-Anleihen versehen. Humor wie in ‘Deadpool’ oder anderen Comic-Verfilmungen wurde in ‘Logan’ auf ein Minimum reduziert, hier stehen die Tragik und letztendlich die Figur Logans im Vordergrund. Also alles was in den letzten beiden Teilen fast gänzlich versäumt wurde. Dem zugute kommt der tolle Cast, der dem Streifen weitere Tiefe verleiht. So stehen neben Hugh Jackman und Sir Patrick Stewart auch Boyd Holbrook (‘Narcos’), Richard E. Grant (‘Die Eiserne Lady’), Stephen Merchant (‘Hello Ladies’), Eriq La Salle (‘Emergency Room’) und Elise Neal (‘Hustle & Flow’) vor der Kamera. Da passt jede Rolle zum Charakter und rundet diesen Streifen gelungen ab.

Das ist schlecht:
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Fazit: Nein, es ist kein Mutanten-Action-Fest im eigentlichen Sinne. Es gibt zwar reichlich Action, blutige und rabiate Szenen, aber am Ende ist es ein superspannendes, sehr atmosphärisches Action-Drama, in dem der Fokus total auf der Figur Logans liegt. Ein emotionaler Streifen, der aufgrund des rassigen Plots durchweg zu fesseln weiß. Der aber auch eine gewisse Traurigkeit um Logan vermittelt und so noch mal auf einer anderen Ebene anspricht. Es ist ohne Frage einer, wenn nicht gar der erwachsenste Superheldenfilm, den Marvel bis dato produziert hat. Zugleich ist es eine absolut positive Überraschung, dass im Finale der Wolverine-Spin-Offs alles richtig gemacht wurde. Ohne Wenn und Aber der beste ‘Wolverine’-Teil – und packend von Minute eins bis zum Abspann. Besser hätte Hugh Jackman wirklich nicht als Klingenmutant abtreten können. Ein fulminanter Abschied!