Liam Neeson macht sich seit Jahren prächtig im Actionthriller-Genre. Ganz egal ob als Auftragskiller, Ex-Agent – oder als was auch immer er auf die Jagd geht. In der mittlerweile dritten Zusammenarbeit mit Regisseur Jaume Collet-Serra ('Unknown Identity', 'Non-Stop') spielt Neeson natürlich erneut den supercoolen, ultraharten Ich-hau-dir-auf-die-Fresse-Antihelden. 'Run All Night' fährt storytechnisch allerdings keine Innovationsschiene. Da bis dato jedoch alle Filme von Collet-Serra und Neeson funktioniert hatten, müsste auch dieses Mal ein gescheiter, spannender Blockbuster zustande gekommen sein. Ob der gute Liam ein weiteres Mal als düsterer Rächer in einem noch düsteren Actionthriller überzeugen kann, haben wir uns angesehen.

Darum geht’s:

Damals, vor etlichen Jahren, war Jimmy Conlon ein todbringender Profikiller der irisch-amerikanischen Mafia. Das ist lange her, die Furcht vor dieser eiskalten, launenhaften Tötungsmaschine ist erloschen. Mittlerweile ist Conlon nur noch ein Schatten seiner selbst, ein abgehalftertes Wrack, das seine finsteren Gedanken an die Vergangenheit in Alkohol ertränkt. Von damals ist ihm nur Gangsterboss Shawn Maguire geblieben, mit dem er seit Dekaden eng befreundet ist. Das hat jedoch ein jähes Ende, als Maguires Sohn Conlons Sohn ermorden will. Jimmy schreitet natürlich ein und schickt den Sohn seines Freundes ins Jenseits. Darauf schwört der Gangsterboss blutige Rache, er will Conlons komplette Familie auslöschen. Was nun folgt, ist klar – willkommen zu einer wilden Hetzjagd durch den Hexenkessel New Yorks.

Das ist gut:

Collet-Sera schießt in diesem Action-Thriller mal ganz locker aus der Hüfte mit einer nie endenden Kette an temporeichen Actionszenen. Nachdem man in dem knapp zweistündigen Streifen platzgenommen hat, geht es recht schnell zur Sache. Es folgen wuchtige Verfolgungsjagden, ob mit dem Auto oder zu Fuß durch Stadien, Appartements oder die Straßenschluchten New Yorks. Dabei fließt eine Menge Blut und Kugeln fliegen wie Staubpartikel durch die Luft. Richtig cool sind die Passagen, wenn eine rasante Szene in Zeitlupe übergeht, kurz stoppt und dann mit Karacho weitergeht. Das macht Laune und lässt wirklich zu keiner Zeit so etwas wie Langeweile aufkommen. Doch der Film kann neben dem ganzen Lärm storytechnisch recht gut Themen wie Männerfreundschaft, Vater-Sohn-Konflikte sowie Ehre mit einbauen, ohne dass diese fehl am Platze wirkten. Ansonsten gefallen die gut gesetzten CGI-Effekte sowie der atmosphärische Anstrich. Ganz zu schweigen von Liam Neeson, dem solche Rollen einfach auf den Leib geschneidert sind. Wobei auch Ed Harris als Gegenspieler positiv auffällt.

Das ist schlecht:

Was natürlich etwas ermüdet, ist die wenig frische Story. Denn der Spaß mit dem bösen Gangster sowie dem Antihelden, der seine Familie beschützen will, ist wirklich sehr uninspiriert. Gleiches gilt für den abgehalfterten Ex-Irgendwas, der wie Phönix aus der Asche wieder erstarkt und dann Arschtritte verteilt. Das ist von der Basis her echt zum Gähnen. Aber, es ist ein Liam-Neeson-Actionthriller – er funktioniert, wie immer!

Insgesamt bleibt 'Run All Night' ein knallharter Actionblockbuster, der blutig, hart und so flott wie ein D-Zug inszeniert wurde. Die Story alleine würde zwar keinen Mann aus der Reserve locken, da der Streifen allerdings so prächtig arrangiert wurde, passt das Actionkorsett. Hier wird eine tolle, zweistündige Unterhaltungsrakete gezündet. Einen riesigen Anteil daran hat natürlich Liam Neeson, der abermals als Badass-Rächer aktiv ist. Unterm Strich gibt es für alle Actionfreunde sowie Neeson-Jünger coole Kerle zu sehen, die sich bis zum Finale wie Irre jagen und einander einen heißen Showdown liefern. In diesem Sinne: Fröhliche Hatz quer durch New York!