Mel Gibson lässt es im Kino mit dem fulminanten Kriegsdrama ‘Hacksaw Ridge’ ordentlich krachen. Dafür kehrt er nach zehn Jahren wieder auf den Regiestuhl zurück. Alleine diese Tatsache ist schon eine gute Basis für einen spektakulären Streifen. Wer erinnert sich nicht an seine bildgewaltigen, intensiven und actionreichen Regiearbeiten wie ‘Braveheart’, ‘Die Passion Christi’ und ‘Apocalypto’. Mel Gibson erzählt jetzt eine neue Heldengeschichte, die unfassbar klingt, aber auf wahren Begebenheiten beruht. Ein Film über den Sanitäter Desmond Thomas Doss im Zweiten Weltkrieg. Das Besondere an ihm: Er war der Erste von nur drei Militärangehörigen der US Army, der den Dienst an der Waffe verweigerte und mit der Medal of Honor ausgezeichnet wurde. Mel Gibson zeigt in satten 140 Minuten den heldenhaften jungen Arzt im Zweiten Weltkrieg. Wir sind mit an die Front und verraten euch, ob Gibson letztendlich ein weiteres Epos gelungen ist.

Daum geht’s:

Desmond T. Doss ist zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges Medizinstudent und tritt der US-Armee bei. Der Unterschied zu seinen Kameraden ist aber, dass er den Dienst an der Waffe verweigert. Das sorgt für reichlich Hohn und Spott in der Armee, was es für ihn alles andere als einfach macht, sich dort zu behaupten. Doss will als Mediziner halt schlicht Leben retten, statt welche zu nehmen. In einer vom Krieg zerfurchten Gesellschaft wird seine Weltanschauung als deplatzierter Pazifismus verschrien, doch letztendlich lassen die Offiziere diesen verqueren Idealisten mitziehen, auf Doss eigene Verantwortung. Der junge Mann zieht völlig unbewaffnet an die Front. In der Schlacht um Okinawa rettet Doss mehr als 70 Kameraden das Leben und geht als Kriegsheld in die Geschichte ein – ohne je eine Waffe benutzt zu haben.

Das ist gut:

Wie auch bei den vorangegangen Filmen von Gibson wird es auch bei ‘Hacksaw Ridge’ ebenso viele Kritiker wie Fans geben. Denn er inszeniert die neue Thematik um den Kriegshelden mit so viel Gewalt und Pathos wie zuvor. Das fasziniert, beeindruckt und unterhält, lässt aber eben auch reichlich Raum für kritische Stimmen. Die Mischung aus Kriegsdrama, Historienfilm und Biopic funktioniert hier nicht unerwartet prächtig, generiert der Mix reichlich Spannung, reichlich Emotionen und brutale Schlachtbilder. Alles beginnt dramaturgisch ruhig mit Desmond Doss, der der Armee beitritt und dort als Pazifist schnell zum Gespött wird. Spätestens ab der Mitte mutiert das Ganze zu einem bitter blutigen Gemetzel mit extrem expliziten Bildern, wenn es zum Schlachtengetümmel kommt. Dort zeigt Gibson das ganze Grauen des Krieges inklusive zerfetzter Körper und zur Unkenntlichkeit entstellter Soldaten. Das geht wirklich unter die Haut. Kommen wir aber noch zum Cast, der durchweg überzeugt, allen voran Andrew Garfield (‘The Amazing Spider-Man’) in der Hauptrolle als Desmond T. Doss.

Das ist schlecht:

Der Film ist an sich ein echter Kracher, nur hat er einen Makel. Das vor allem für all jene, die ein Problem mit übermäßiger Religiosität haben. Gibson fokussiert sich zuweilen sehr auf Desmonds Glauben, dass er aus religiösem Gründen handelt und er deshalb Gewalt verabscheut. Das wird einigen eher übel aufstoßen. Das ist aber auch wirklich das Einzige, was man diesem Streifen negativ anhaften kann.

Fazit: Schlussendlich muss man sagen, dass Mel Gibson als Regisseur wieder ganze Arbeit geleistet und ein neues Heldenepos erschaffen hat. Die Geschichte um diesen außergewöhnlichen Helden ist verdammt spannend inszeniert, und wenn es zum Kriegseinsatz kommt, wird einem knallhart das Grauen in all seinen Formen ins Gesicht geschlagen. Die Kampf- sowie Schlachtszenen sind brutal und machen ‘Hacksaw Ridge’ zu einem emphatischen Antikriegs-Film. Würde Gibson hier nicht so verstärkt mit dem Glaubensansatz des „Du sollst nicht töten!“ spielen, hätte der Film keine wirklichen Kanten. Aber auch mit dieser diskutablen Ecke bekommt man ein mitreißendes Kriegsdrama serviert, das noch lange nach dem Kinobesuch im Kopf nachhallt. Beide Daumen steil nach oben – auch für das Verfilmen eines ganz speziellen Kriegshelden!