Wenn James Wan seine Finger im Spiel hat, dann kann es meist nichts Schlechtes geben, wenn es um Horror geht. Schließlich legte er als Regisseur mit ‘Saw’ oder ‘Conjuring - Die Heimsuchung’ echte Genrebretter hin. Im neuen Horrorschocker ‘Lights Out’ überlässt er jedoch dem schwedischen Nachwuchstalent David F. Sandberg den Regiestuhl, der hier sein Spielfilmdebüt feiern darf. Der Streifen basiert dabei auf dem dreieinhalbminütigen YouTube-Kurzfilm von Sandberg, den er mit seiner Frau zu Hause gedreht hat und der über 150 Millionen mal geklickt wurde. Doch Kurzfilm ist Kurzfilm – ob dem Jungregisseur mit Horror-Altmeister Wan im Rücken sowie reichlich Budget ein gescheiter Schocker in Langfassung geglückt ist, haben wir uns im Kino angesehen.

Darum geht’s:

Rebecca und ihr kleiner Bruder Martin glauben von einer gespensterhaften Frauengestalt verfolgt zu werden, die immer dann auftaucht, wenn das Licht ausgeht. Dabei dachte Rebecca bislang immer, es sein ein Geist, der nur ihr seit der Kindheit folgt. Doch als ihr Bruder auch von diesem Wesen erzählt, wollen beide mit Hilfe von Rebeccas Freund Bret der Sache auf den Grund gehen. Erste Nachforschungen führen sie zu einem düsteren Geheimnis, das um den Tod einer ihrer Kindheitsfreundinnen geistert. Darin verwickelt soll auch die Mutter der Geschwister sein. Und so dreht sich das Rad der Heimsuchung weiter, bis die ganze Familie in Furcht lebt vor dem Bösen, das da im Dunkeln lauert.

Das ist gut:

Natürlich ist es kein Leichtes, aus einem dreiminutigen Horrorclip einen kinotauglichen Horrorthriller zu machen. Rausgekommen sind 81 Minuten, was nicht arg lang, aber gerade noch an der Grenze ist für eine Langspielfassung. Allerdings hat Regisseur Sandberg mit ‘Lights Out’ wohl das Beste rausgeholt, was für seine Verhältnisse rauszuholen war, Greenhorn-Bonus inklusive. Somit bekommen Horror- und Gruselfans ordentliche Kost geboten. Vor allem die Auftritte der Geisterscheinung sind unheimlich inszeniert und auch atmosphärisch kann der Film punkten. Zudem gefällt der Cast mit Teresa Palmer (‘Mad Max: Fury Road’), Gabriel Bateman (‘Annabelle’) sowie Alexander Di Persia. Außerdem kommt die Angst vor der Dunkelheit authentisch rüber, was dem Ganzen überaus dienlich ist.

Das ist schlecht:

Leider hat der Streifen doch die eine oder andere Kante. So gibt es einige Logikprobleme, gerade in Bezug auf die Geisterscheinung und deren Problem, Scheu vor dem Licht zu empfinden. Überdies wird der Spannungsbogen nicht wirklich über die volle Distanz gezogen. Und wer auf subtile Schocker-Elemente hofft, wird hier leider nicht fündig.

Fazit: Die Aufgabe war nicht leicht, einen Clip zu einem Kinofilm aufzublähen. Aber insgesamt ist es Regiedebütant Sandberg doch ganz gut gelungen, einen Horrorstreifen zu zaubern. Ein Film, der wirklich coole Schockermomente besitzt sowie einige unheimliche Szenen beherbergt. Dessen ungeachtet ist die eine oder andere gravierende Schwäche nicht von der Hand zu weisen. Ganz besonders in Bezug auf den Spannungsbogen dieser doch arg kurz geratenen Inszenierung von gerade einmal 81 Minuten. Aber geben wir dem Film eine Chance. Denn auch, wenn nicht alles rund ist an ‘Lights Out’, so können Horrorfans, die Bock auf einen kurzen Schocker-Ritt haben, ihren Gruselspaß an diesem Film finden.