Ein historisches Ereignis so in Szene zu setzen, dass man als Zuschauer gebannt vor der Leinwand sitzen bleibt, anstatt ins Land der Träume abzudriften, ist keine leichte Sache. Vor allem wenn man bedenkt, dass es in 'The Imitation Game' um eher langweilige Mathematiker und Denksportler geht, die im Zweiten Weltkrieg versuchen, den Enigma-Code der Nazis zu dechiffrieren. Da fragt man sich selbstverständlich, wie Regisseur Morten Tyldum ('Headhunters') in den 113 Minuten die Spannung halten will. Wir haben uns in den düsteren Abschnitt der Zeitgeschichte begeben und verraten euch in unserer Kritik, ob dieser interessante Film euch bei der Stange hält.

Darum geht’s:

Alan Turing ist ein verschlossener, schräger Mathematiker, der 1939 ins Team der englischen Codeknacker gerufen wird. Er soll mit ein paar weiteren klugen Köpfen versuchen, den Enigma-Code der Nazis anhand einer unerprobten Rechenmaschine zu dechiffrieren. Einen Code, der bis dahin als unauflösbar galt. Es ist also eine Mission, an deren Erfolg man nicht glauben mag, die aber dennoch starke Hoffnung setzt. Außerdem ist Turings vorwitzige Art nicht gerade teamfreundlich. Das ändert sich, als er die talentierte Joan zur Gruppe holt. Nach und nach öffnet er sich, wobei die romantischen Annäherungsversuche Joans bei Turing abprallen. Denn er ist schwul, nur wissen es die wenigsten, da dies zu der Zeit in Großbritannien noch unter Strafe stand. Wie dem auch sei, alle stehen unter enormen Zeitdruck, das Unmögliche zu schaffen und dadurch entscheidend in den Zweiten Weltkrieg einzugreifen.

Das ist gut:

Wie erwähnt ist die Verfilmung des Lebens von Enigma-Code-Knacker Alan Turing kein einfaches Unterfangen. Gerade weil der Film jetzt keine große Action bietet, sondern anspruchsvoll mit Drama, Thriller-Elementen sowie britischem Humor überzeugen muss. Das schafft der Streifen eindrucksvoll, insbesondere da Benedict Cumberbatch Turing so grandios spielt, dass man mit ihm leidet, sowohl hofft als auch bangt. Auch Keira Knightley liefert hier eine oscarreife Performance ab, wie eigentliche alle Beteiligten. Die größte Stärke dieses bewegenden Films ist allerdings das einfallsreiche Storytelling in Verbindung mit einer tollen Bildsprache. So schaut man ständig machtlos auf diese kleine Maschine, von der Menschenleben abhängen und die den Krieg zum Positiven wenden kann. Unglaublich, aber es funktioniert grandios.

Das ist schlecht:

Historiker werden sicher das eine oder andere Mal die Decke hochgehen, wenn sie sehen, dass einige geschichtliche Tatsachen zugunsten der Spannung des Blockbusters umgeschrieben wurden. Sicherlich hat man versucht, so nah wie möglich an den originalen Geschehnissen dran zu sein. Aber um dieses Thema eben hollywoodgerecht zu verfilmen, fällt das eine oder andere schon mal von der Tischkante.

„The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben“ ist einer dieser Kinostreifen, der mit sehr viel Anspruch und Szenen für die Denkmaschine punktet. Hier geht man den Actionelementen geschickt aus dem Weg, um mit einem Drama-Thriller auf Spannungsjagd zu gehen. Auch mit gut dosiertem britischen Humor will man die Filmkundschaft glücklich machen. Das gelingt durchweg und man bekommt einen sehr beeindruckenden Streifen präsentiert. Ein Film, der von den Höhen sowie Tiefen des Alan Turing erzählt und das alles mit der fesselnden Story der Entschlüsselung des Enigma-Codes verbindet. Einen großen Verdienst an dem Gelingen hat die groß aufspielende Besetzung mit Cumberbatch sowie Knightley. Wer also Bock auf eine der bewegendsten Weltkriegsgeschichten hat, wird hier nicht enttäuscht werden! Nur sollte man weder einen Actionkracher erwarten, noch einen Streifen, der mit hohem Tempo voranschreitet!