Regisseur Pierre Morel ('96 Hours – Taken') hat actiontechnisch wieder nachgelegt. Diesmal jedoch nicht mit Liam Neeson, sondern mit Charakterdarsteller Sean Penn, der in 'The Gunman' einen in die Jahre gekommenen Actionhelden mimt, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Moment mal – Sean Penn in der Hauptrolle eines Actionthrillers? Klingt komisch, ist aber so! Ob er den Wandel zur muskulösen Abrissbirne hinbekommen hat und uns Männern ein feuriges Spektakel liefert, haben wir uns im Kino angeschaut.

Darum geht’s:
Jim Terrier ist Söldner und Scharfschütze, der nach einer Mission unfreiwillig abtauchen muss. Zurücklassen muss er dabei auch seine große Liebe. Terrier schlägt sich infolgedessen durchs Leben und wird im Kongo ansässig, wo er beginnt, für eine Wohltätigkeitsorganisation zu arbeiten. Ein neues Leben, eine neue Identität – doch Jahre später wird er von einem Killerkommando heimgesucht. Jim besinnt sich auf seine alten Tugenden und macht der Truppe die Hölle heiß. Ihm schwant bereits, dass ihn in seinem neuen Leben die Vergangenheit einholt – und geht zur Gegenoffensive über. Er versucht den Auftraggeber der Killer zu finden, was ihn über London bis nach Barcelona treibt. Dicht auf den Fersen bleiben ihm allerdings seine alles andere als freundlich gesinnten Verfolger.

Das ist gut:
'The Gunman' überzeugt vorrangig mit wirklich dreckigen Actionszenen, einer guten Portion Härte sowie einer beklemmenden Spannung. Das zieht sich hervorragend durch den ganzen Film, der storytechnisch keinen plumpen Racheplot präsentiert. Was nämlich ebenso cool ist wie die Action, sind angerissene politische Themen und Probleme, die in die Geschichte mit einfließen. Das gibt dem Ganzen eine gewisse Tiefe bei der Hetzjagd zwischen Afrika und Europa. Im Mittelpunkt steht natürlich Sean Penn, dem man die Rolle des knallharten Actionhelden gar nicht so zugetraut hätte. Doch Penn zeigt in diesem Actionthriller, dass er eben ein begnadeter Schauspieler ist, der hier grandios die Fäuste und Waffen sprechen lässt. Er überzeugt wirklich in seiner Rolle als harte Sau und hat im Übrigen sämtliche Stunts seiner Rolle selbst gemacht. Diese Authentizität merkt man eigentlich allen Stunts sowie Actionszenen an – sie verleiht dem Streifen eine frische Brise.

Das ist schlecht:
Etwas schade ist, dass hier ordentlich mit Klischees aus Hollywood rumgeschleudert wird. Auch, dass man wenig Zeit investiert hat, um die Charaktere mehr auszumalen, ist etwas schade. So bleibt die eine oder andere Figur in 'The Gunman' blass und kaum in Erinnerung. Außerdem hätte man noch einen Tick mehr Richtung Risiko gehen dürfen, um nicht in die Standards des Action-Mainstreams zu geraten. Sicher, der Film versucht schon, gerade durch den politischen Hintergrund, ein anderes Fahrwasser zu nehmen, aber am Ende bleibt es ein typischer Actioner made in den USA.

'The Gunman' hat gerade in den Details wie den Charakterzeichnungen ein paar Kanten, aber insgesamt bekommt man knackige Action mit spannenden Thrillerelementen geboten. Vor allem die Stunts sowie Actionszenen überzeugen – nicht zu vergessen Sean Penn! Er als Ü50-Actionheld macht seine Sache als schießender Ex-Söldner, der in abwechslungsreichen Szenerien Gegner gen Himmel befördert, prächtig. Etwas weniger triefende Klischees hätten dem Streifen jedoch gut zu Gesicht gestanden. Aber unterm Strich bekommen Männer hier unterhaltsames Actionkino mit wilden Verfolgungsjagden, sehr viel Blei in der Luft sowie einem Finale Furioso in Spanien serviert. Fazit der Geschichte: Sean Penn kann auch Action! In diesem Sinne: Ticket kaufen und ab mit den Kumpels ins nächste Kino.