Keine Zeit zu sterben – Film-Kritik – Jetzt geht es im Heimkino mit „Keine Zeit zu sterben“ zum 25. Mal auf geheime Mission. Dies mit dem großartigen Daniel Craig, der zum fünften aber auch letzten Mal in die Rolle des charismatischen Agenten 007 schlüpft. Hierbei endet dann auch die Storyline um Craigs vielschichtige Interpretation der Kultfigur James Bond. „Keine Zeit zu sterben“ setzt nach „Spectre“ an.

Bond hat mittlerweile seine Lizenz zum Töten im Auftrag des britischen Geheimdienstes abgegeben und genießt seinen Ruhestand auf Jamaika. Die friedliche Zeit nimmt ein unerwartetes Ende, als sein alter CIA-Kollege Felix Leiter auftaucht und ihn um Hilfe bittet. Ein bedeutender Wissenschaftler ist entführt worden und muss so schnell wie möglich gefunden werden.

Geschmackssache und eigene Erwartungshaltung

Was als simple Rettungsmission beginnt, erreicht bald einen bedrohlichen Wendepunkt, denn Bond kommt einem geheimnisvollen Gegenspieler auf die Spur, der im Besitz einer brandgefährlichen neuen Technologie ist … Die Diskussionen um Daniel Craigs letzten Film als James Bond könnten nicht kontroverser sein. Während die einen das große Craig-Finale feiern, kommen andere aus dem Meckern nicht mehr heraus.

„Keine Zeit zu sterben“ teilt die Zuschauerschaft vor allem in zwei Lager, weil es einen James Bond zu sehen gibt, der die alten Klischees des Supermannes nur teilweise bedient. Craigs Agent 007 ist anders und das wird in seinem letzten Film mehr als deutlich. Obendrein gefällt vielen nicht, wie alles für James Bond in diesem Streifen endet – Geschmackssache und eigene Erwartungshaltung.

Bond-Figur mit zeitgemäßen Anstrich

Was Regisseur Cary Fukunaga hier auf die Leinwand gebracht hat, ist schlicht ein fantastischer Spionage-Actionthriller. Ein Film, der auf so vielen Ebenen seine Stärken hat. So fühlt sich „Keine Zeit zu sterben“ wie ein klassischer Bond an, geht aber zugleich auch seine ganz eigenen Wege. So begeistern die bombastischen Action-Szenen, aber auch die coolen Set-Pieces.

Hinzu kommen die spannenden und ergreifenden Momente, die den Film sehr tiefgreifend, stellenweise tragisch machen. Der bekommt dadurch eine gute Dynamik – die aber auch nötig ist bei einer Laufzeit von knapp drei Stunden. Daniel Craig hingegen begeistert in seinem Bond-Finale alleine schon deshalb, weil er der Bond-Figur diesen zeitgemäßen Anstrich verpasst hat.

Superagent ja, aber menschlich

Diese Neuerfindung der Geheimagenten-Figur ist einfach brillant gelungen und wird mit diesem Film akkurat finalisiert. Denn dieser Bond ist weit mehr als ein cooler Superagent: Ein Mann mit Tiefgang, der auch seine verletzliche Seite zeigt – ein Mann, der weint und seine Gefühle zeigt, ein Mensch eben.

Neben Craig ist es aber auch Léa Seydoux, die brilliert und in jeder Szene als Madeleine Swann eine starke Screen-Präsenz zeigt. Zudem gefällt, dass Swann in diesem Film eine eigene Story erhält, die sich mit der von Bond passend vereint. Rami Malek als Überbösewicht Lyutsifer Safin macht seine Sache indes gut, auch wenn man sich etwas mehr Charaktertiefe gewünscht hätte.

Gesamtwerk in fünf Akten

„Keine Zeit zu sterben“ punktet zudem mit seiner dunklen, ja oftmals schon bedrohlichen Atmosphäre. Richtig gut haben auch all die Reminiszenzen an alte Bonds sowie Bezüge auf die vorangegangenen 007-Streifen mit Craig gefallen, die die ohnehin hohe Intensität des Films noch mal immens steigern. So kann man vor „Keine Zeit zu sterben“ nur den Hut ziehen.

Auch wenn es hier und da ein paar Kanten gibt, so schafft es der Steifen über die ganzen 163 Minuten, auf diversen Ebenen zu unterhalten. Satte Aktion, tiefe Tragik, mächtig Spannung und Emotionen, all das wird geboten und erschafft ein filmisches Kraftpaket, das die Ära Craig gebührend beendet, aber auch den Faden zum ersten Film „Casino Royale“ als letztendliches Gesamtwerk in fünf Akten zu Ende spinnt.

Keine Zeit zu sterben (Universal Pictures) – VÖ: 16. Dez. 21