Mit seinem düsteren, dreiteiligen 'Batman'-Epos hat Christopher Nolan drei phänomenale Blockbuster abgeliefert. Dazwischen hatte er noch Zeit, erfolgreich „Inception“ einzuschieben. Nun will der Actionspezialist mit „Interstellar“ intelligentes Bombastkino liefern, um seine Zuschauer zu beeindrucken. Doch ob die heimliche Hommage auf Stanley Kubricks Scifi-Klassiker '2001 - Odyssee im Weltraum' genauso überzeugen kann wie seine bockstarken Filmvorgänger? Schließlich kann so ein Stilmix aus Vater-Tochter-Drama, Apokalypse-Action, dem Spiel mit Raum und Zeit sowie klassischem Weltraum-Abenteuer auch ganz böse in die Hose gehen. Deshalb sind wir mit dem Shuttle ins Kino gedüst, um mal nach dem Rechten zu sehen.

Darum geht’s:

Die Welt der Menschen ist dem Tode geweiht. Das Blatt noch mal zu wenden und die Menschheit zu retten, scheint ein Ding der Unmöglichkeit. Eine klitzekleine Chance besteht jedoch. Doch dafür muss man es irgendwie schaffen, in die unvorstellbaren Tiefen der Galaxis vorzudringen, um einen neuen Lebensraum zu finden. Das Problem ist dabei selbstverständlich die Zeit. Doch die pfiffigsten Wissenschaftler der Welt glauben, die unbeschreiblich großen Entfernungen im All mit Wurmlöchern überwinden zu können. Dazu brauchen sie die Hilfe vom besten Piloten der NASA, dem Familienvater Cooper. Eine gefährliche Reise beginnt, doch bereits die Wurmlöcher bereiten erste Probleme. War die Reise von Anfang an zum Scheitern verurteilt? Oder glücken die wichtigste Mission der Menschheit und die Suche nach einer zweiten Erde?

Das ist gut:

„Interstellar“ ist nicht das Nolan-Knallbonbon, wenn man die Actionmacht eines „The Dark Knight“ oder „Inception“ erwartet. Nolan fährt hier ganz klar auf der emotionalen Schiene und konzentriert sich auf Details. Ein Film fürs Herz mit einer bewegenden Vater-Tochter-Geschichte. Und das bei dem Plot, wo man ein wildes Weltraumabenteuer irgendwo zwischen 'Star Trek', 'Gravity' und 'Reise durch die Galaxie' erwartet. Natürlich gibt es sowohl genügend Actionsequenzen als auch den typischen Nolan-Bombast inklusive visueller Hingucker. Dennoch bleibt die Basis ein Kopf-Blockbuster mit einer Menge philosophischer Fragen, die Nolan zu entschlüsseln versucht. Humor gibt es aber auch, und zwar mit zwei sehr witzigen Robotern, die das ernste Grundthema immer wieder auflockern. Richtig gut gefallen hat uns der Soundtrack von Hans Zimmer, der vor allem die emotionalen sowie pompösen Passagen des Films grandios verstärkt.

Das ist schlecht:

Schon mal im Schlauchboot gesessen und die Paddel vergessen? So ähnlich ist das mit „Interstellar“. Nein, der Film ist keineswegs langweilig oder farblos. Nur kommt er nicht von der Stelle, wenn man in Richtung explosiver Action-Blockbuster paddeln will. Denn dazu ist vieles im Film zu verkopft. Das könnte man ja noch aufdröseln, wenn man sich drauf einlassen möchte. Was aber total auf die Eier geht, ist das total überzogene Familienpathos. Gut, es mag zur Grundthematik passen, aber weniger ist am Ende schließlich mehr. Einfache Milchmädchenrechnung! Zu guter Letzt ärgert es, dass Nolan mal wieder dann zur Action greift, um Stotterer in der Dramaturgie sowie im Plot zu überrollen. Aber okay, so werden nolan'sche Schwächen eben überstrichen.

Ethikerin Martha Nussbaum oder Sexgöttin Bar Refaeli? Was fürs Hirn oder etwas für das Auge? „Interstellar“ ist einer der Filme, die auf mehreren Hochzeiten tanzen. Auf der einen Seite gibt es großes Action-Weltraumkino und auf der anderen Seite reichlich Passagen für das Hirnschmalz-Training. Jeder Kinogänger wird das sicherlich nach dem heftig-langen, dreistündigen Scifi-Epos für sich beantworten müssen. Es gibt reichlich zu entdecken – von Relativitätstheorie sowie Astrophysik über Herzschmerz, hochkochende Emotionen und interstellarer Action ist alles dabei. Uns hat der Film, trotz der angesprochenen Schwächen, gut gefallen. Wobei man nach all den Weltraumstunden, den Flügen durch Wurmlöcher sowie der Zeit am Ende nicht genau weiß, wo einem die Birne hängt. Entscheidet daher selbst! Guten Flug! – aber Vorsicht vor den Wurmlöchern!