Filmemacher James Wan feierte mit „Saw“ definitiv seinen größten Erfolg und machte sich Jahre später mit der eher kostengünstigen Produktion von „Insidious“ im Genre des Geisterhorrors einen Namen. Vor allem der Aspekt, den Zuschauer mit klassischem Grusel  abzuholen, funktionierte bei „Insidious“ prächtig. Dieser Erfolg hat Wan wohl dazu bewogen, einen Nachfolger aus der Taufe zu heben. Gefährlich, aber wohl unvermeidlich, sobald ein Streifen eine gewisse Anzahl an Zuschauern erreicht. Leider ist es fast schon ein ungeschriebenes Gesetz, dass eine Großzahl an Fortsetzungen starker Erstlingswerke, einfach nur etwas für den Filmshredder sind. Ob dieses Schicksal auch „Insidious: Chapter 2“ ereilen wird?

Darum geht’s:

Die Gruselfortsetzung beginnt mit einem kurzen Rückblick in die Kindheit von Josh Lambert (Patrick Wilson), bevor er direkt am offenen Ende von „Insidious“ ansetzt. Josh hatte seinen Sohnemann bekanntlich „Poltergeist“-mäßig aus der finsteren Geister- und Dämonenwelt gerettet. Nun hat er jedoch das Problem an der Backe, selbst von einem dieser Finsterwesen besessen zu sein. Elise (Lin Shaye), die geholfen hatte den Sohn zu retten, stirbt kurz darauf und wird von Joshs Frau Renai (Rose Byrne) und seiner Mutter Lorraine (Barbara Hershey) gefunden. Josh allerdings kann sich an nichts mehr erinnern. Um die schrecklichen Ereignisse hinter sich zu lassen, ziehen alle Beteiligten zu Lorraine. Doch Joshs dunkles Geistergeheimnis kommt mit, weshalb auch die seltsamen Vorkommnisse und Erscheinungen den Umzug überstehen …

Das ist gut:

„Insidious“ hatte trotz wirrer Storyelemente vieles richtig gemacht. Und auch der zweite Teil würde gerne ähnlichen Erfolg verbuchen. James Wan versteht es zumindest, wieder eine ordentliche Gruselatmosphäre aufzubauen, auch wenn dies ein wenig Anlauf benötigt. Ist man im Film endlich angekommen, dann gibt es ein paar nette Schockeffekte und etliche Szenen, die wahrlich für Gänsehaut sorgen können. Die Verantwortung dafür tragen vor allem wieder die Elemente aus dem Repertoire der klassischen Gruselschule der 70er und 80er.

Das ist schlecht:

Etwas, das einem bei einem zweiten Teil so richtig auf den Zeiger geht, ist die komplette Abwesenheit unverbrauchter, eigener Ideen. So wie hier: Es wird mit Grusel-Klischees um sich geworfen, dass einem die Hirnrinde fault. Ein einziger Durchmarsch von Altbekanntem, dreist geklaut aus diversen Gruselklassikern. Generell ist das zwar nicht unüblich, aber hier ist es ein Dauerfeuer: Die Quasi-Dauerschleife dieser Elemente macht einen fertig. Eine knarzende Tür hier, eine Gestalt im Hui-Buh-Gewand dort, bescheidene Lichtverhältnisse dort hinten und – ach, lassen wir das. Auch was den Plot betrifft, so ist dessen zuweilen extreme Absurdität ein Trauerspiel. Hinzu kommt ein Ärgernis, das noch schlimmer zu werten ist. Um Schockmomente zu erzeugen, bedient sich Wan einfach total übersteuerter und zu lauter Jump Scares. Ohne Worte!

Tja, da steht man nun im Eingangsbereich des Kinos und möchte sich gerne schocken und begruseln lassen, schließlich befindet man sich ja in der stimmungsvollsten Jahreszeit. Das Auge erblickt auf der Tafel „Insidious: Chapter 2“. Soll man sich ein Ticket kaufen? Nun, wer sich solide wie plump bearbeiten lassen möchte, kann sein Portemonnaie zücken. Aber in Zeiten, wo die Konkurrenz im Genre mit qualitativ hohen Alternativen präsent ist, kann man sich sein Geld auch sparen. Da sollte man lieber auf die Veröffentlichung für den Home-Entertainment-Bereich warten. Wer wirklich zu viel Zeit hat, kann sich in die Fortsetzung begeben, darf aber nicht mehr als klischeetriefende Gruselkost erwarten! Aber beeilt euch, sonst findet ihr diesen Streifen nur noch als zerlegtes Häufchen Elend im Filmshredder.

Fotos: © 2013 Sony Pictures Releasing GmbH