Schon knapp 30 Jahre begleiten uns „Die Simpsons“ durch unser TV-Leben und dabei blieb dann und wann einer der beliebten Bewohner von Springfield auf der Strecke. Nun sieht es so aus, als müssten wir uns von Kwik-E-Mart-Besitzer Apu verabschieden – in den letzten Wochen war eine Kontroverse um den Charakter ausgebrochen, die ihn als „rassistisch“ bezeichnete – nun muss Apu gehen. Durch Druck von außen.

Diese Nachricht wurde den „Simpsons“-Fans von Mitproduzent Adi Shankar gegenüber „Indie Wire“ mitgeteilt. Abu wird dabei weder den Serientod sterben noch wegziehen, wie es aussieht, sondern heimlich, still und leise aus „Die Simpsons“ verschwinden. In seinen letzten 30 Jahren, die er uns begleitet hat, durften wir mit Apu einige fantastische Geschichten erleben und die Figur uns ihre durchaus komplexe Weltsicht kennenlernen.

Sei es Apus Hochzeit mit Manjula, sein Leben im Simpsons-Haus nach einem Ehekrach oder sein Trip mit Homer zum Guru des Kwik-E-Marts – doch damit ist es nun vorbei.  Die dafür verantwortliche Kontroverse im Netz kam auf, nachdem 2017 ein indisch-amerikanischer Komödiant namens Hari Kondabolu eine Dokumentation namens „The Problem with Apu“ veröffentlichte.

„Ein weißer  Typ, der meinen Vater spielt“

Darin zeigt Kondabolu auf, wie sich Apu für ihn von einem Charakter, der seine Kultur repräsentiert zu einem stereotypen Klischee wandelte, das südostasiatische Menschen verzerrt und rassistisch darstelle. In seiner Doku bezeichnete Kondabolu Apu als „weißen Typ, der eine Imitation eines weißen Typen abliefert, der sich über meinen Vater lustig macht“. Damit bezog er sich auf Apus US-Synchronsprecher Hank Azaria, der kein Inder ist.

Der reagierte seinerzeit im April 2018 auf den Vorwurf: „Natürlich verstehe ich das. Diese Kritikpunkte wurden mir im Laufe der Jahre selbst immer bewusster. Die Vorstellung, dass jemand, egal ob jung oder alt, früher oder heute, aufgrund von meinem Apu schikaniert werden könnte, macht mich traurig.“
Und weiter: „Das war ganz sicher nie meine Absicht. Ich wollte den Menschen Freude und ein Lachen schenken. [...] Ich bin auf jeden Fall bereit, aufzuhören. Es fühlt sich für mich wie die richtige Entscheidung an“, so Azaria. Das ist jetzt passiert – Apu hat sich erledigt, die Figur wird aus der Serie entfernt.

Interessant dabei: Der mexikanische Hummelmann, der Schotte Willie, der Redneck/Asoziale Cleatus, Kiffer-Busfahrer Otto, der leichtgläubige Christ Ned Flanders und all die anderen, im Kern anstößigen Arche- und Stereotypen aus Springfield bleiben (noch) unangetastet. Man darf gespannt sein, was als Nächstes als rassistisch oder beleidigend an einer Serie empfunden wird, die stets alle gleich demokratisch verulkt hat…