Was macht ein Unternehmen, dem die Mitarbeiter und der Nachwuchs ausbleiben? Es meldet entweder Konkurs an es sorgt durch Motivationen für Zuwachs. Doch was macht die deutsche Bundeswehr, wenn es ihr genauso ergeht? Dasselbe. Weil die Rekruten fernbleiben, setzt die Bundeswehr auf eine YouTube-Dokusoap. ‘Die Rekruten’ nennt sich das Format, das die Attraktivität der Grundausbildung steigern und Neugier auf den Dienst an der Waffe wecken soll. Zwölf Rekruten zwischen 18 und 37 Jahren begleiten ihren Alltag in der Webserie drei Monate lang mit einer Kamera.

Seit dem 1. November lädt die deutsche Bundeswehr jeden Tag eine Folge hoch – der Zuschauer begleitet verschiedene Anwärter, die ihren „neuen“ Alltag mit der Kamera filmen: Vom absoluten Küken, das mit achtzehn ins Berufsleben startet bis hin zu denen, die ihr berufliches Dasein noch einmal umkrempeln möchten, sind unter den zwölf Wehrdienstleistenden allerlei Charaktere versammelt. Die Serie will auf diese Weise auch Zivilisten einen Einblick in den Grundwehrdienst gewähren. Man möchte nicht nur Rekruten, sondern überdies auch zivile Mitarbeiter gewinnen.

Sterben im Ausland vs. Alles halb so wild
Eine Initiative von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen steckt hinter dem Ganzen, die „Trendwende Personal“. Die soll bis 2023 14.000 neue Soldaten und 4400 zivile Mitarbeiter für die Bundeswehr gewinnen. Gerade Letztere dürften bei einigen Szenen von ‘Die Rekruten’ jedoch eher mit den Ohren schlackern. Denn in den ersten Monaten lernen ‘Die Rekruten’ vor allem Disziplin und den Umgangston in einer Kaserne kennen. Außerdem wirkt das Format einseitig und erhält dadurch auch viel Kritik. Denn während die Rekruten vor der Kamera davon reden, dass alles längst nicht so übel sei, wie man sich das als Zivilist vorstelle, spart die Sendung doch eines aus:

Dass man am Ende eben Soldat ist, und dass man im Einsatz durchaus gewaltsam zu Tode kommen kann. Ohne solche Fakten verkomme das Format zu Lockbrot für unbedarfte Kids, so die Meinung der Kritiker. Denn: „Werbefilmchen fürs Sterben im Ausland braucht niemand“, meint der Linken-Politiker Peter Ritter. Das Social-Media-Team der Bundeswehr ist hingegen überzeugt, schwierige Themen nicht auszusparen: „Es ist uns wichtig, auch die Schwierigkeiten, persönlichen Momente und kritischen Fragen zu zeigen, wir wollen einen transparenten Einblick in die ganze Grundausbildung geben“. 

Quelle: stern.de